Der Wind dreht auf Süd bis Südost und
bläst mit über 20kn. Die restlichen Äolischen Inseln liegen in Südwest, das
kann gehen, muss aber nicht. Wir gehen Anker auf und setzen im Windschatten des
Stromboli die Segel ins erste Reff. Kaum ist der Windschatten weg, zieht LENI
richtig ab, der Wind kommt aus Südost, das passt blendend, aber nicht lange.
Nach 50 Minuten flaut er ab, wir reffen aus und nach weiteren 30 Minuten ist er
weg, wir starten den Motor. Tolles Mittelmeer, hier ist ein Motorboot die
bessere Wahl und zwar eins ohne Segel. So eins, wie Leander es unbedingt will.

Überhaupt, das Wetter. Wir befinden
uns in Süditalien und das Mitte Mai. Da darf man wohl, und besonders als
EU-Nettozahler, Sonne und etwas Wärme erwarten. Und natürlich Wind, konstant
und bitteschön aus der richtigen Richtung. Aber was läuft hier: Kalt ist es,
v.a. abends, noch kein Abend ohne dicke Jacke. Wind gibt es, aber meistens
dann, wenn wir ihn nicht brauchen oder er bläst uns auf die Nase. Auf die Frage
der Eingeborenen, wie es uns gefällt, antworten wir mit einem „perfetto“, aber
es ist „freddo“. „Domani wird es besser“ ist die Antwort, man fühlt sich an
einen österreichischen Hüttenwirt erinnert oder an „Und täglich grüßt das
Murmeltier“. Da hilft es auch gar nichts, dass es in München noch bescheidener
ist.
Na gut, wir motoren an Panarea vorbei,
wollen wir eigentlich kurz besuchen, aber der im Hafen stehende Schwell lässt
uns das schnell vergessen, treffen das ehemalige Traumschiff „MS Berlin“ ohne
Sascha Hehn und landen schließlich in Aquacalda – haha - auf Lipari. Es ist unser letzter Abend mit
Kay, den wir in einem netten Ristorante verbringen. Nach dem Essen trinken wir
den obligatorischen Amaro zum Cafe und leider gibt es hier viele verschiedene
davon und Kay, der heute weder Maß noch Ziel kennt und, soweit ich mich
erinnern kann, alle ordert. Ach, übrigens, Fußball Nr. 4 landet im Meer. Irgendwie
sind wir zurück an Bord gekommen.
Nach kurzem Schlaf bis „High Noon“
rüttelt und schüttelt es mich. Es sind Wellen, die meinen armen, geplagten Kopf
hin und her rollen. Petra liegt neben mir, sie sieht ein bisschen besser aus
als ich, wie immer. Wir verabschieden uns von Kay und trollen uns nach Salina,
es ist nur eine gute halbe Stunde. Auch hier rollt es noch, obwohl eigentlich
keine Wellen vorhanden sind. Es wird wohl eine unterirdische Strömung sein. Wir
verbringen den Tag höchst produktiv an Bord.
Am nächsten Morgen rollt es immer
noch, definitiv Wellen, sagt mir mein klares Hirn. Drüben vor Santa Marina
Salina schaut es besser aus, also ab, es ist nur eine Seemeile. Hier liegt man
besser, kleine LENI runter und ab ins Nest. Santa Marina ist ein kleines, hübsches
Dorf mit Charme, eine gute Wahl. Abends essen wir im N Lausta, das passt doch.
Leider nicht lange, denn am nächsten
Morgen sehe ich, dass sich der Schäkel der Befestigung der „Kleinen“
verabschiedet hat. Erstmal kein Problem, ich habe Ersatz. Leider bin ich wieder
mal, entgegen meiner Natur, etwas zu cool und will den neuen Schäkel halb
hängend an der Aufhängung befestigen, wobei mir der ganze Mist ins Wasser
fällt. 5 Minuten später falle auch ich ins Wasser, es ist gefühlt 5cm kalt, und
suche 15 Minuten nach der Aufhängung. Wir haben zwar an einer hellen Stelle,
also Sand, den Anker geschmissen, aber jetzt liegen wir über einer hohen
Seegraswiese. Ich sehe alte Blumentöpfe und so manches mehr, aber die
Aufhängung bleibt verschwunden. Weil es im kalten Wasser so kuschelig ist,
schaue ich mir gleich noch den Anker an; er hängt zu meinem Entsetzen in einer
Felsspalte. Oben bläst es mit über 20kn, in dieser Richtung hält er gut, aber
was ist, wenn der Wind dreht? Und kriegen wir ihn überhaupt wieder hoch? Die Stimmung
ist blendend.
Am Pfingstsonntag bläst es über 30kn.
Die Stimmung ist am Überschwappen. Wir verlassen die LENI nicht, um jederzeit
reagieren zu können. Leander bekommt seinen Kindle und freut sich wie ein
Schnitzel. Er liest gleich „Die Schule der magischen Tiere“. Abends gibt es
Spagetti Pomodoro und „Unter Geiern“, mit dem seeligen Pierre Brice.
Der Wind lässt nach und ich
tauche nochmals 20 Minuten nach der Befestigung, es war reiner Trotz und finde,
nichts. Als Dank werde ich nicht mehr warm und zittere dem Abend entgegen.
Dieser ist aber schön, auch wenn im Ristorante die Essensreihenfolge auf Kopf
gestellt wird.

Der 17. Mai bringt Funkkontakt mit
Robin von der Gros Doux, sie liegen um die Ecke in Porticello auf Lipari. Robin
und Iris aus der Schweiz haben wir letztes Jahr in Kyparissia kennengelernt und
freuen uns auf ein Wiedersehen. Also Abgang. Aber erst muss noch der Anker
hoch. Unglaublich, aber er löst sich aus der Felsspalte als ob sie aus Butter
wär. Die Fahrt dauert nur ein Stündchen, die Wege sind hier kurz und bald schon
fallen wir uns die Arme und auf die Gros Doux für ein paar kleine Sundowner.
Danach gibt’s Abendessen bei uns, feucht und fröhlich. Da einmal ja bekanntlich
keinmal ist, wiederholen wir die ganze Chose, nach einem schönen Strandtag, am
nächsten Tag auf der Gros Doux, Robin hat eine große Grappaflasche, jetzt ist
nicht mehr so viel drin.
Aber, wie zu meinem Bedauern schon
erwähnt, ist das Wetter am nächsten Tag wieder schlechter. Zudem ist Regen
angesagt und wir verabschieden Iris und Robin und gehen in die Marina Pignataro
auf Lipari. Blöderweise ist es zu weit zum Laufen nach Lipari-Stadt und so
sponsoren wir Robertos Collegas. Es gibt nichts Gutes außer man tut es. Wir
bleiben drei Tage, putzen das Boot, kaufen ein und speisen vorzüglich im
Conchiglio am Fährhafen.
Am 22.05. bessert sich das Wetter und
wir brauchen eine Kur: In den berühmten Schwefelquellen von Vulcano.