Nikolaus und ich sind noch am
Nachmittag des 12.09., des Abreisetags bei knapp 20kn Seitenwind abgelegt und
weiter in das „einsame Fischerdorf“ Petriti gefahren. Mal abgesehen, dass der
Wind natürlich nach dem Ablegen fast weg war, begann hier unser Hase/Igel
Spiel, d.h. wir sind der Hase und überall wo wir hinkommen sind viele Igel
schon da. Petriti besteht praktisch aus ein paar Häusern, drei Tavernen, einem
Supermarkt und mind. 30 Segelyachten. Dank wenig Tiefgang haben wir im flacheren
Wasser noch ein Plätzchen gefunden. Abgesehen davon ist es sehr hübsch hier,
auf einem Felsen vor dem Ufer wurde ein Sonnendeck gebaut, dass leider von
Möwen besetzt und dementsprechend versch…. ist. Am Strand liegt das Wrack eines
österreichischen Segelboots, das wir besichtigt haben. Es lehrt einen, den
Respekt vor dem Meer nie zu verlieren und immer achtsam zu bleiben, ein Riff
ist schnell übersehen. Vor dem Anker-auf-Manöver taucht Lausi noch einmal ums
Boot und bemerkt, dass sich um beide Propeller mind. 2 Meter Leinen gewickelt
haben. Keine Ahnung, wo die herkommen, ich habe nichts bemerkt. Da sie neu und
sauber aussehen, können sie nicht von Bojen stammen, vielleicht hat sie ein
Boot verloren. Gut, dass wir sog. Rope Cutters, rasiermesserscharfe Scheiben an
den Schrauben montiert haben, die sie gleich durchtrennt haben, so dass ich die
Leinen nur noch abwickeln brauchte.
Nach knapp drei Stunden Aufenthalt
gehen wir weiter nach Antipaxos zu den gelobten karibischen Buchten Vrika, Mesovrika
und Voutoumi. Bei letzteren hält unser Anker im 3. Versuch, da der Boden von
Felsplatten durchzogen ist. Die Buchten sind einfach Extraklasse v.a. Vrika mit
einem weißen Puderzuckersandstrand, aber natürlich sind auch die Igel schon da,
wenn auch noch wenige. Das sollte sich ab 09.00 Uhr des nächsten Morgens
ändern. Bis Mittag waren es schon über 20 Segelboote und drei Ausflugsschiffe.
Zu allem Überfluss sind auch die Tavernen in den Buchten nur bis 17.00
Uhr geöffnet. Wir machen ein bisschen Schule und dann verdienterweise Strand, erst
Voutoumi, dann Vrika. Während ich, nach dem harten Tag, ein Feierabendbierchen
zu mir nehme, rettet Lausi die kleine LENI vor dem Absaufen, sie war wegen der
Wellen quergeschlagen. Der nächste Tag war wieder hart, Lausi hat Schule
gemacht und ich in zehn Minuten die Schrauben von fünf Austern befreit, ohne
sie zu essen, da ich vergessen habe rechtzeitig den Schampus kalt zu stellen.
Am Nachmittag haben wir uns dann wieder am Strand von Vrika erholt, ab 17.00
Uhr ist man da ganz allein, und danach bei Captain Spiros Restaurant harten Hammel
und eigenartigen Fisch nach Spezialrezept genossen. Der Postkarten-Meerblick
hat das aber mehr als aufgewogen. Bevor wir zurück zur LENI konnten, mussten
wir noch einen Tauchkurs Apnoe mit offenen Augen ohne Tauchbrille absolvieren,
da sich der Anker der „Kleinen“ in einer Felsspalte verfangen hatte. Wir sind
dann früh ins Bett, da morgen frühaufstehen angesagt war, wir hatten knapp
50sm bis Kefalonia vor uns.
Um 06.30 Uhr klingelt pünktlich der
Wecker. Nach einem Rundblick entscheide ich, edel und gut, Lausi schlafen zu
lassen. LENI ist ganz nass, in der Nacht kühlt es mittlerweile ab, und die See
auch und spiegelglatt ohne einen Windhauch, d.h. wieder einmal motoren. So
bleibt es auch bis zumNachmittag. Wir setzen die Genua zur Unterstützung und landen bereits um 16.00 Uhr vor Fiskardo auf der Insel Kelafonia an. Die Igel sind zwar zahlreich, aber erheblich weniger als noch die Tage zuvor. Wir fahren ein hochprofessionelles Ankermanöver und bringen zwei Landleinen aus; ich bin stolz auf meinen Sohn, er hat die Ruhe weg und erledigt seinen Job, als ob er ihn mit der Muttermilch aufgesogen hätte. Nach uns kommt eine 9-Personen-Crew, braucht drei unterirdische Anläufe und bietet bestes Kino; ich werde immer stolzer auf meinen Sohn. Leider bekommt Lausi später Bauchweh und trinkt ein Gläschen Anker-Flohsamen, während ich das Ankerbierchen genieße. Abends essen wir bei Nicolas, es war die erste Taverne und der Name verbindet. In Zukunft lassen wir das. Wir hatten schon in Petriti bemerkt, dass wir in die Gegend der Zimtliebhaber kommen. Überall Zimt, ich glaube in allem, was gekocht wird. Als passioniertem Zimthasser, ein Kindheitstrauma seit Mamas Michreis und Griesbrei, hat es mir alle Haare aufgestellt und wir haben dankend abgelehnt, uns die Reste einpacken zu lassen. Ab jetzt nur noch Gegrilltes. Am nächsten Tag waren Lausis Bauchweh immer noch da, Zimt oder Schule oder was auch immer, so dass wir an Bord geblieben sind.
Nach zwei Tagen sind die Bauchweh
schon etwas besser, Baden und Lesen sind kein Problem, dafür ist für Sonntag,
den 20.09. Südostwind bis 26kn angesagt. Gerne wären wir in den Hafen gegangen,
aber keine Chance, er war übervoll. Gegen 18.00 kommt der Wind aus Südost,
genau wie angesagt. Um sicher zu gehen, bringen wir den Anker neu aus und legen
längere Landleinen, eine ziemlich langwierige Prozedur. Trotzdem bin ich mit
dieser Lösung nicht glücklich, wir liegen nahe an den Klippen, aber anders geht
es nicht. Gegen 21.30 Uhr, Nikolaus liegt schon im Bettchen, ist die Kacke dann
im wahrsten Sinne des Wortes am Dampfen. Es gibt heftige Gewitter und der Wind
dreht auf West, genau auf unsere Breitseite. Plötzlich haben wir über 30kn und LENI
dreht sich bedrohlich zur Seite. Das kann nicht lange gutgehen und tut es auch
nicht, der Anker slippt und wir treiben seitlich auf die Klippen zu. Da wir nur
fünfzehn Meter entfernt sind gibt’s da nicht viel zu treiben. Ich schreie,
während ich die Motoren starte: „Nikolaus komm schnell“ und irgendwas in meiner
Stimme sagt ihm, dass jetzt keine Zeit zum üblichen trödeln ist. Lausi schmeißt
die Leinen los, ich gebe Vollgas und wir sind raus aus der Falle, es waren
keine fünf Meter Luft mehr. Gewitter und Starkregen über uns und zahlreiche
Schiffe, denen es genauso ergangen ist, neben uns müssen wir uns ein neues
Plätzchen suchen. Ab in den Hafen, 30m Kette raus und hoffen, dass es hält. Es
hält, aber ich auch; d.h. ich halte die ganze Nacht im Salon Wache. Niemals mehr Landleine bei unstetem Wetter!
Am nächsten Morgen regnet es zwar,
aber der hat Wind abgeflaut. Wir versuchen einen Platz im Hafen zu ergattern,
wir brauchen beide Schlaf. Dies gestaltet sich äußerst nervend, da zum einen
bei dem Sauwetter keiner rausfährt und wir zum anderen, aufgrund unserer
Breite, fast zwei Plätze brauchen. Völlig deprimiert fange ich an andere Segler
anzubetteln, umzulegen und auch dank Lausis Blick erweichen wir das Herz von vier
Rheinländern, Ki, Kirsten, Uwe und Tobias, die alle Hebel in Bewegung setzen,
uns eine Lücke zu verschaffen, mit Erfolg. Allerdings ist die Lücke max. 6
Meter breit und wir sind 7,25 Meter. Dazu kommt noch ein netter Engländer und
alle schreien wir sollen es probieren. O.K., Kugelfender hinten an die Pobacken und etwas Gas, dann drückt es die
Anderen schon weg. Der Engländer an unserer Backbordseite bekommt zwar fast
einen Herzinfarkt und rührt keinen Finger, aber ich drücke LENI, nach Didi Hamann
Manier in Wembley, in die Lücke, die jetzt exakt 7,32 Meter breit ist. Die
Rheinländer helfen tatkräftig mit und um 12.00 Uhr liegen wir sicher im Hafen.
Ich habe sie gedrückt, mich 1000mal bedankt und abends die Getränkerechnung
übernommen, selten war ich so dankbar und glücklich; doch am Hochzeitstag mit
meiner liebreizenden Frau war ich natürlich noch glücklicher.







