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Donnerstag, 28. Juli 2016

Letzter Schultag, Alltag und letzte Tage auf Sardinien

Einkaufen muss auch sein, wir fahren nach Palau. Dort passiert es uns zum ersten Mal, dass der Anker, auch nach mehreren Versuchen, nicht hält; wir hängen uns an eine Boje. Abends essen wir in Palau und gehen am nächsten Tag nach Porto Puddo, eine schöne, tiefeingeschnittene Bucht im Norden Sardiniens. Diesmal brauchen wir vier Ankerversuche, dann hält er.

Heute, am 17.07. ist es geschafft: Letzter Schultag und damit große Ferien. Auch sonst sind wir längst im Alltag angekommen. Das bedeutet neben Wetterbeobachtung und daraus resultierender Entscheidungen, Schule, Einkaufen, Putzen, Waschen, Kochen etc. Das meiste Leben spielt sich draußen auf unserer Terrasse und im Salon ab.
 
 

Schule wird jeden Tag gemacht, wenn es die Verhältnisse zulassen. Auch glaubt man kaum, wie staubig es auf einem Boot in kürzester Zeit wird, ich habe immer geglaubt, die Luft auf See ist nahezu staubfrei. Wenn Südwind herrscht und es dann noch regnet, kommt goldener Sand aus der Sahara runter, eine Riesensauerei. Unser Kühlschrank ist leider zu klein, so dass wir jede Woche Einkaufen müssen, die Schlepperei kann man sich vorstellen. Petras Liebling ist ihre pinke Campingwaschmaschine, sie kann Stunden mit ihr ganz allein verbringen.

Das Strandleben in Porto Puddo hat uns drei Tage fest im Griff, Leander und ich haben unsere ersten Seeigelstachel schon hinter uns. Nikolaus findet trotzdem noch Zeit unser Edelstahl zu polieren, jetzt glänzt es wieder schön.

Schön langsam wird es Zeit Sardinien zu verlassen, die Balearen rufen. Da aber überwiegend Westwind herrscht, wir müssen nach Westen, kommen wir nur langsam vorwärts. Am 20.07. laufen wir in Porto Pozzo ein, wieder hält der Anker nicht und eine Boje muss her. Abends speisen wir in einem typischen Ristorante direkt am Strand. Als der Alleinunterhalter antritt runzeln wir noch etwas die Stirn, aber der junge Typ hat mit sich Spaß und färbt auf die Gäste schnell ab, die sich zu späterer Stunde fast darum streiten, wer als nächster ins Micro singen oder auch grölen darf. Eine echte Gaudi, sie geht bis um drei in der Nacht.

Endlich soll der Wind nach NO drehen und wir erreichen am 22.07. nach einem Zwischenstopp am Capo Testa das Städtchen Castelsardo, das wie ein Schwalbennest am Fels klebt. Wir machen uns hier fertig für unsere Überfahrt nach Menorca, d.h. Bootputzen, Waschen, Einkaufen, Volltanken. Natürlich bleibt auch Zeit für eine Besichtigung, ganz oben am Fels thront eine Burg. Die Besichtigung kostet natürlich und Leander will danach lautstark sein Geld zurück; zu Recht, denn innen dienen 90% der Räume einer Vernissage und das verachtenswerter Weise sogar ohne Schampus.

Am 25.07. motoren wir in die Bucht Pelosa bei Stintino und warten hier auf ein günstiges Wetterfenster für die Überfahrt nach Menorca.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Mit Autopilot zum Aga Khan

Das Flehen wird erhört. Nachdem keiner der sog. Raymarine-Service-Betriebe auf unsere Anrufe und E-Mails reagiert, fragt Petra den Inhaber des Ladens nebenan, ob der Servicemensch noch am Leben sei. Dieser ruft jenen sogleich an und siehe da, da er die Nummer kennt und nichts Böses ahnt geht er sofort ran. Das haben wir vorher sicher 10x probiert, aber egal, jetzt haben wir ihn und nageln ihn unerbittlich fest, Gianluca Frau, so heißt er tatsächlich, kommt noch am selben Tag. Glücklicherweise ist nur der Motor des Autopiloten defekt, der kann repariert werden, im Gegensatz zu dem von mir verdächtigten Kurscomputer. Aber es dauert nach Gianlucas Aussage vier Tage, also vermutlich mindestens sechs.

Wir entscheiden die Tage in Olbia und in Porto Taverna zu verbringen, eine malerische Bucht mit LENI-Privatstrand. Olbia ist schöner als man denken möchte, v.a. wenn man wie wir kostenlos am Stadtpier, direkt in der Altstadt liegt. Wir speisen vorzüglich, bummeln durch die Gassen, gönnen uns mehrere Eis und Kaltgetränke, verproviantieren und verziehen uns nach dem Slowakeispiel  am 27.06. in besagte Bucht.

Hier verbringen wir unbeschwerte Tage mit einem kleinen Wermutstropfen. Nikolaus hört in seiner Toilette komische Geräusche beim Spülen. Es klingelt und scheppert als ob sich eine Schraube gelöst hat. Zum gefühlten 100sten Mal zerlege ich den ganzen Mist, während der Rest der Familie am Strand rumfault. Und was finde ich? Einen Kirschkern, den mein Söhnchen runtergeschluckt hat und nun seinen Ausgang gefunden hat. „Nikolaus, Kirschkerne werden nicht verdaut“.

Am 01.07. kehren wir zurück nach Olbia, der Motor soll fertig sein. Am nächsten Morgen wird er eingebaut, genau sieben Tage nach der Diagnose, gut geschätzt. Der Spaß kostet €170.-, ein echtes Schnäppchen, der Kurscomputer wäre mit rd. € 2.500.- zu Buche geschlagen.

Nachdem sich meine Nerven nach dem Italienspiel wieder beruhigt haben, es war danach ganz still in der Stadt, ziehen wir am 03.07. weiter in den Golfo di Aranci. Dort hängen wir eine Woche ab, speisen im selben Hotel wie damals auf der Mopedtour mit Barnes und Pralle, besuchen den flachen Sandstrand, fahren mit der „Kleinen“ Reifen und Wasserski – Lausi erinnert dabei auch optisch an einen California Beachboy - , treffen die Tweeny wieder und verzweifeln beim Frankreichspiel.

Aber schön wars trotzdem und wenns am schönsten ist…. Am 09.07. gehen wir auf Aga Khans Spuren hoch zur Costa Smeralda in die Cala del Volpe. Hier beginnt die Welt der Megawichtigen, der Megareichen, der Megaschönen und der Megayachten. Wir gehören hier mit unserer LENI zu den Ärmlichen, den Mickrigen, der abgehängten Gesellschaft. Da liegen vier stockwerkhohe Riesenteile mit Riesenrutschen und Beibooten, die größer sind als unsere LENI.
Die muss man natürlich auch benutzen und zwar nur mit Vollgas, Italiener kennen nichts anderes, und so haut es uns alle fünf Minuten hin und her. Ich liebe es, hier muss man hin, hier bleibt man gern. Zugegeben, die Cala ist sehr schön mit türkisblauem Wasser und es gibt kleine, feine Buchten, die aber für die Wichtigen nicht zu erreichen sind, da für den Badebetrieb gesperrt. Man kommt in sie nur zu Fuß oder mit einem unverwüstlichen Faltboot, mit dem man an nicht abgesperrten Felsvorsprüngen anlanden kann, haha, wir haben eines und so sind wir die einzigen, die per Boot anlanden.
 


Am 11.07. hauen wir wieder ab und schenken uns Porto Cervo, das ist uns zu blöd. Uns erwartet der Golfo di Arzachena, hier passt die Welt wieder. Es gibt sogar eine Privatinsel, an der ich die Kinder aussetze, sie wollen Robinson Crusoe spielen. Leider wollen die Superhelden abends wieder abgeholt werden. Am 12.07. ist Starkwind angesagt, wir gehen zusammen mit der wiedergetroffenen Tweeny vor Cannigione für die nächsten drei Tage an eine Boje. Es bläst ganz knackig, aber wir werden von Karin und Chris mit selbstgefangenen Tunfisch mehr als entschädigt. Auch Cannigione entpuppt sich als hübsches, normales Nest mit dem besten Supermarkt.

Der Wind dreht am 15.07. auf N bis NO, das ist an der Boje kein Spaß. Wir verholen in den Kommunalhafen und liegen ganz ausgezeichnet bis uns die Hafenpolizei vertreibt. Sie wissen zwar nicht warum, aber Befehl ist Befehl. Auch Petra und die lieben Bambini können da nichts ausrichten. Also müssen wir zwei Stunden gegen Wind und Welle Richtung Norden nach Porto Palma. Petra wird ganz mulmig, aber so schlimm wird es nicht. Mir wird auch mulmig, aber aus einem anderen Grund. Porto Palma gehört zu La Maddalena und da darf nur hin, wer vorher kräftig abdrückt, sprich sich ein Ticket für den Besuch dieses Nationalparks kauft. Der Anker fällt mit 60m Kette, am nächsten Tag geht’s weiter und keinen hats interessiert.

Samstag, 25. Juni 2016

Viele Wege führen zum Kommentar

AP Photo/Les Editions Albert Rene, Goscinny-Uderzo
Auf vielfachen Wunsch beiderseits Geschlechts, die erfolglos versucht haben, einen Kommentar auf unserem Blog zu hinterlassen, kommt hier nun die ultimative Anleitung:

Am besten fragt Eure Kinder. Wenn dies nicht zum gewünschten Erfolg führt, gibt es zwei weitere Möglichkeiten, die beide keinerlei Account oder Sonstiges erfordern:

Gruß oder allgemeiner Kommentar auf der Seite „Gästebuch/Kontakt“

1.     Ans untere Ende der Seite scrollen

2.     „Gib einen Kommentar ein…“ anklicken

3.     Kommentar schreiben

4.     Bei „Kommentar schreiben als“ Pull down Häckchen anklicken und „Name/URL“ auswählen

5.     „Name:“ Namen eingeben, „URL:“ freilassen

6.     „Weiter“ anklicken

7.     „Veröffentlichen“ anklicken

8.      „Ich bin kein Roboter“ anklicken

9.     „Veröffentlichen“ anklicken

Fertig!

Einen bestimmten Post kommentieren auf der Seite „Logbuch“

1.     Am Ende des gewünschten Posts „Keine Kommentare:“ bzw, falls schon Kommentare vorhanden „x Kommentare“ anklicken

2.     Schritte 2 – 9 der ersten Möglichkeit ausführen

Fertig!

Ich hoffe, es sind nun alle Klarheiten beseitigt und es gibt keine Ausreden für Schreibfaule mehr.

Wir befinden uns übrigens gerade in Olbia und betteln verschiedene Raymarine-Servicebetriebe doch unser Geld zu nehmen, bisher vergebens. Näheres hierzu folgt in Kürze.

Sonntag, 19. Juni 2016

Sardegna – ci andiamo

Um halb sechs klingelt der Wecker. Schnell ein Prima Colazione di Capitano, einen Kaffee und einen Chick und hoch mit dem Anker. Der Plan sieht folgendermaßen aus: Erst müssen wir ein bisschen motoren, dann soll ein Südostwind kommen, der uns direkt nach Sardinien bläst und das letzte Stück muss wieder der Motor ran. Ziel ist Arbatax, ziemlich in der Mitte der Ostküste Sardiniens. Wenn sich meine Berechnungen in Realität verwandeln, sollten wir am frühen Nachmittag des übernächsten Tages ankommen.

Genauso ists dann auch, eine reibungslose Überfahrt, vielleicht auch Dank der wohlwollenden Begleitung von Außerirdischen im Ufo über uns.
 
Am 12.06. fällt um 14.30 Uhr der Anker am Strand vor dem Hafen in Arbatax. Ales ist gut gegangen, wir konnten sogar den Spinnaker 8 Stunden am Stück fahren, neuer Rekord.
 
Leider segnet zum Schluss der Autopilot, der ja schon auf der Überfahrt von Griechenland gezickt hat, endgültig sein Zeitliches, d.h. es muss nun ununterbrochen von Hand gesteuert werden. Das ist unglaublich anstrengend und nervt. Irgendwie muss Ersatz her, denn so wollen wir nicht auf die Balearen.

Arbatax ist von See her kommend wesentlich schöner als vor zwei Jahren mit dem Moped von Land kommend. Vielleicht liegts auch an der Begleitung, damals waren Pralle und Barnes dabei, die offensichtlich meine Stimmung nicht so versüßen wie meine reizende Frau und die Zuckerbuben. Wir bleiben zwei Tage, schlafen aus, baden, kaufen ein und schauen, in bester Lage, im Marina-Restaurant Deutschland – Ukraine. Und, kaum zu glauben, hier gibt’s gute Pizzen.

Am 14.06. lichten wir den Anker und ziehen innerhalb von zwei Tagen hoch in das Inselarchipel vor Olbia. Die Nacht verbringen wir am Strand vor dem Capo Camino, ein echter Geheimtipp mit feinem Sandstrand und herrlicher Dünenlandschaft.
 


Am 15.06. landen wir in der ersten Bucht am Capo Coda Cavallo, dem Pferdeschwanzkap und treffen am 18.06. auch die Walker mit Kay wieder, der uns spontan besuchen kommt.


Hier ist es wie bestellt. Sonne, Strand und türkisblaues Wasser.


Jetzt buchteln wir uns erst mal richtig aus.

Freitag, 10. Juni 2016

Ein Angebot, dass wir nicht ablehnen können

Es zieht uns weiter nach Palermo, die Hauptstadt Siziliens, die Wiege der Corleones. Aber der Reihe nach. Am 27.05. trennen wir uns von Vulcano mit Ziel S. Agata Militello, wir bleiben nur eine Nacht und gehen morgens weiter nach Cefalu. Cefalu ist ein richtig hübsches Nest, wir ankern sicher im Vorhafen und wandern in die ca. zwei Km entfernte Altstadt. Hier ist bereits die Hölle los, es ist jetzt Saison. Die Straßen sind überfüllt von Touristen, das hätten wir Ende Mai nicht gedacht. Aber es gefällt uns sehr gut und so bleiben wir drei Nächte bis es wirklich ernst wird mit Palermo.

Am Nachmittag des 31.05. laufen wir in den Yachthafen ein, ankern kann man hier nicht. Es gibt hier viele verschiedene Stege und jeder wird von einer anderen Familie verwaltet. Es soll hier recht teuer werden, unsere Taktik ist Palaver, verhandeln und bei schlechtem Angebot und der Aussicht auf sichere Weiterfahrt, weiterfahren. Aber es kommt anders: Gleich am ersten Steg geht die Verhandlung, von Petra, wie immer in perfekten italienisch geführt, nach einer Minute ins deutsche, nein falsch, ins schwäbische über. Guiseppe hat 31 Jahre in Pforzheim gelebt und kann das nicht verleugnen. Er macht uns einen Preis, den wir nicht ablehnen können, er ist nicht allein. Neben ihm steht Norbert, ein Vollpalermianer und später kommt der Pate des Stegs dazu, der mit einer Österreicherin namens Anneliese verheiratet ist. Alle sehen gar nicht so sizilianisch aus, wie der einzige Sizilianer, den ich kenne, Franco R.

vorher - nachher
Palermo hat was ganz besonderes. Ich meine damit nicht den dreckigsten Hafen seither, sondern einen lebendigen, rustikalen Charme, man nennt das heutzutage gerne authentisch, ganz anders als z.B. das herausgeputzte, fast künstliche Dubrovnik. Kulinarisch gibt es hier neben schicken Restaurants garküchenähnliche Pinten zu entdecken, fast wie in Asien, mit einfachen Plastiktischen und –stühlen im Freien. Leander hat hier, nach Bestechung meinerseits, seine erste Auster gekostet. Wie man sieht, war sie vorzüglich.


 
Wir bleiben vier Nächte, Petra gefällt es hier ganz außerordentlich, sie geht zum Friseur und gönnt sich zwei neue, „günstige“ Sonnenbrillen. Auch die Kultur kommt nicht zu kurz, die Kathedrale ist besonders eindrucksvoll. Zur genaueren Besichtigung wird man abkassiert, wir widerstehen nachhaltig. Nur eines gibt es in Palermo, wie bis jetzt auf ganz Sizilien nicht, eine gute Pizza. Man kann nicht alles haben, Neapel ist weit.
 
 
Am 05.06. legen wir ab, im Hinterkopf ist bereits die Überfahrt nach Sardinien, nach Capo San Vito, mit, wie uns versichert wird, dem schönsten Strand Siziliens. Und wirklich, das ist er. In der Marina gibt es drei Steganlagen, wir verfahren nach der Palermo-Taktik. Der erste will € 150.-/Nacht, ohne Strom und Wasser, ich muss lachen, der zweite € 60,- mit Strom und Wasser, gemacht. Während ich mich noch wundere, wie jemals ein Idiot am ersten Steg landen soll, landet einer und bleibt.

 
Wir machen uns zwei schöne Strandtage und unser Stegnachbar Vincenco schwärmt so von Favignana, der südlichsten der Ägadischen Inseln, dass wir diese als Absprung für unsere Überfahrt nach Sardinien nutzen wollen. Am 08.06. geht’s weiter, wir ankern in der Cala Rossa über türkisblauem Wasser. Am 11.06. soll sich ein Wetterfenster auftun, dann wollen wir los.

Freitag, 27. Mai 2016

Die Olchis

Vulcano hat zwei schöne Ankerbuchten, die Eine offen nach Westen, die Andere nach Osten, aber beide sonst gut geschützt. Da es bis vor kurzem aus West gekachelt hat, entscheiden wir uns für Porto Levante im Nordosten der Insel. Die Bucht empfängt uns mit wunderbarem Sonnenschein, dem typischen Volcano-Geruch, in der Art, wie ein fauleeier Riesenschors oder wie Petra meint, der Vorhof zur Hölle, und zahlreichen Segelbooten. Gut, dass wir nur 1,25m Tiefgang haben, wir quetschen uns vorne rein, an die schönste Stelle. Die Felsen sind zwar nicht weit, aber das stört uns nicht, da der Anker im Vulkansand bombig hält und es auch nicht sonderlich tief ist, so dass wir nur wenig Kette brauchen; perfetto.

Es ist deutlich wärmer geworden und die Sonne strengt sich richtig an. Jetzt erst fällt mir ein, dass „domani“ zwar wörtlich „morgen“ heißt, aber wir in Süditalien sind und „morgen“ natürlich richtig interpretiert einen längeren Zeitraum von mehreren Monden bedeuten kann. Also haben die Eingeborenen recht gehabt, domani ist es wärmer geworden. Die Jacke am Abend brauchts aber immer noch.

Wir geniessen Vulcano richtig, es gibt einen sehr schönen Sandstrand mit der Bar von Christian, heiße Quellen im Meer, das heißt selbst ein Warmduscher kann baden und als Krönung für die Buben eine Schwefelquelle mit Heilschlamm mit gefühlten 45° Wassertemperatur. Es riecht, als ob man direkt hinter dem Schorsausgang sitzt. Kurzum, es geht uns blendend.

Witzig oder auch befremdend ist allerdings, dass man nach einem Schwefelbad selbst stinkt wie der Vorhof, und zwar nach dem Duschen. Es dauert drei Tage bis sich der Geruch auf der Haut olfaktorisch nicht mehr nachweisen lässt. Wen kümmerts. Wir treffen auch die Grous Doux wieder, Iris war leider krank, aber Robin riecht genauso. Ich weiß es, denn ich habe ihn zum Abschied innig umarmt.

Leider müssen wir weiter, wenn wir dieses Jahr ernsthaft noch bis zu den Kanaren wollen, aber Vulcano war ein guter Vorgeschmack, natürlich nicht wörtlich, auf Sonne, Meer und Strand.

Sonntag, 22. Mai 2016

Domani, Domani – Morgen, Morgen, nur nicht Heute…

Der Wind dreht auf Süd bis Südost und bläst mit über 20kn. Die restlichen Äolischen Inseln liegen in Südwest, das kann gehen, muss aber nicht. Wir gehen Anker auf und setzen im Windschatten des Stromboli die Segel ins erste Reff. Kaum ist der Windschatten weg, zieht LENI richtig ab, der Wind kommt aus Südost, das passt blendend, aber nicht lange. Nach 50 Minuten flaut er ab, wir reffen aus und nach weiteren 30 Minuten ist er weg, wir starten den Motor. Tolles Mittelmeer, hier ist ein Motorboot die bessere Wahl und zwar eins ohne Segel. So eins, wie Leander es unbedingt will.

Überhaupt, das Wetter. Wir befinden uns in Süditalien und das Mitte Mai. Da darf man wohl, und besonders als EU-Nettozahler, Sonne und etwas Wärme erwarten. Und natürlich Wind, konstant und bitteschön aus der richtigen Richtung. Aber was läuft hier: Kalt ist es, v.a. abends, noch kein Abend ohne dicke Jacke. Wind gibt es, aber meistens dann, wenn wir ihn nicht brauchen oder er bläst uns auf die Nase. Auf die Frage der Eingeborenen, wie es uns gefällt, antworten wir mit einem „perfetto“, aber es ist „freddo“. „Domani wird es besser“ ist die Antwort, man fühlt sich an einen österreichischen Hüttenwirt erinnert oder an „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Da hilft es auch gar nichts, dass es in München noch bescheidener ist.

Na gut, wir motoren an Panarea vorbei, wollen wir eigentlich kurz besuchen, aber der im Hafen stehende Schwell lässt uns das schnell vergessen, treffen das ehemalige Traumschiff „MS Berlin“ ohne Sascha Hehn und landen schließlich in Aquacalda – haha -  auf Lipari. Es ist unser letzter Abend mit Kay, den wir in einem netten Ristorante verbringen. Nach dem Essen trinken wir den obligatorischen Amaro zum Cafe und leider gibt es hier viele verschiedene davon und Kay, der heute weder Maß noch Ziel kennt und, soweit ich mich erinnern kann, alle ordert. Ach, übrigens, Fußball Nr. 4 landet im Meer. Irgendwie sind wir zurück an Bord gekommen.

Nach kurzem Schlaf bis „High Noon“ rüttelt und schüttelt es mich. Es sind Wellen, die meinen armen, geplagten Kopf hin und her rollen. Petra liegt neben mir, sie sieht ein bisschen besser aus als ich, wie immer. Wir verabschieden uns von Kay und trollen uns nach Salina, es ist nur eine gute halbe Stunde. Auch hier rollt es noch, obwohl eigentlich keine Wellen vorhanden sind. Es wird wohl eine unterirdische Strömung sein. Wir verbringen den Tag höchst produktiv an Bord.

Am nächsten Morgen rollt es immer noch, definitiv Wellen, sagt mir mein klares Hirn. Drüben vor Santa Marina Salina schaut es besser aus, also ab, es ist nur eine Seemeile. Hier liegt man besser, kleine LENI runter und ab ins Nest. Santa Marina ist ein kleines, hübsches Dorf mit Charme, eine gute Wahl. Abends essen wir im N Lausta, das passt doch.

Leider nicht lange, denn am nächsten Morgen sehe ich, dass sich der Schäkel der Befestigung der „Kleinen“ verabschiedet hat. Erstmal kein Problem, ich habe Ersatz. Leider bin ich wieder mal, entgegen meiner Natur, etwas zu cool und will den neuen Schäkel halb hängend an der Aufhängung befestigen, wobei mir der ganze Mist ins Wasser fällt. 5 Minuten später falle auch ich ins Wasser, es ist gefühlt 5cm kalt, und suche 15 Minuten nach der Aufhängung. Wir haben zwar an einer hellen Stelle, also Sand, den Anker geschmissen, aber jetzt liegen wir über einer hohen Seegraswiese. Ich sehe alte Blumentöpfe und so manches mehr, aber die Aufhängung bleibt verschwunden. Weil es im kalten Wasser so kuschelig ist, schaue ich mir gleich noch den Anker an; er hängt zu meinem Entsetzen in einer Felsspalte. Oben bläst es mit über 20kn, in dieser Richtung hält er gut, aber was ist, wenn der Wind dreht? Und kriegen wir ihn überhaupt wieder hoch? Die Stimmung ist blendend.
 
Am Pfingstsonntag bläst es über 30kn. Die Stimmung ist am Überschwappen. Wir verlassen die LENI nicht, um jederzeit reagieren zu können. Leander bekommt seinen Kindle und freut sich wie ein Schnitzel. Er liest gleich „Die Schule der magischen Tiere“. Abends gibt es Spagetti Pomodoro und „Unter Geiern“, mit dem seeligen Pierre Brice.

Der Wind lässt nach und ich tauche nochmals 20 Minuten nach der Befestigung, es war reiner Trotz und finde, nichts. Als Dank werde ich nicht mehr warm und zittere dem Abend entgegen. Dieser ist aber schön, auch wenn im Ristorante die Essensreihenfolge auf Kopf gestellt wird.

  
 
Der 17. Mai bringt Funkkontakt mit Robin von der Gros Doux, sie liegen um die Ecke in Porticello auf Lipari. Robin und Iris aus der Schweiz haben wir letztes Jahr in Kyparissia kennengelernt und freuen uns auf ein Wiedersehen. Also Abgang. Aber erst muss noch der Anker hoch. Unglaublich, aber er löst sich aus der Felsspalte als ob sie aus Butter wär. Die Fahrt dauert nur ein Stündchen, die Wege sind hier kurz und bald schon fallen wir uns die Arme und auf die Gros Doux für ein paar kleine Sundowner. Danach gibt’s Abendessen bei uns, feucht und fröhlich. Da einmal ja bekanntlich keinmal ist, wiederholen wir die ganze Chose, nach einem schönen Strandtag, am nächsten Tag auf der Gros Doux, Robin hat eine große Grappaflasche, jetzt ist nicht mehr so viel drin.

Aber, wie zu meinem Bedauern schon erwähnt, ist das Wetter am nächsten Tag wieder schlechter. Zudem ist Regen angesagt und wir verabschieden Iris und Robin und gehen in die Marina Pignataro auf Lipari. Blöderweise ist es zu weit zum Laufen nach Lipari-Stadt und so sponsoren wir Robertos Collegas. Es gibt nichts Gutes außer man tut es. Wir bleiben drei Tage, putzen das Boot, kaufen ein und speisen vorzüglich im Conchiglio am Fährhafen.

Am 22.05. bessert sich das Wetter und wir brauchen eine Kur: In den berühmten Schwefelquellen von Vulcano.


Donnerstag, 19. Mai 2016

Tanz unter dem Vulkan

Am 09.05. ist es dann soweit. Wir gehen zum Stromboli, der einzig aktive Vulkan im Mittelmeer, der ständig speibt. Am frühen Abend sind die rd. 30sm unter Motor erledigt und wir ankern, zusammen mit 6 anderen Booten vor San Bartolo. Nach einer anständigen Speckbrotzeit nehmen wir, nach Anbruch der Dunkelheit, die 15 Min. Fahrt zur Sciara del Fuoco, der Feuerrutsche in Angriff. Dort lasen wir uns einfach im Wasser treiben und genießen vorne im Netz das Naturschauspiel. Ja, er speibt noch, wenn auch nicht so imposant wie auf den Postkarten, aber kurz nach 22.00 sehen wir noch eine richtig große Fontäne. Dann geht’s zurück zur Ankerbucht und bald danach ins Bettchen.

Am nächsten Morgen verspüren wir noch keine große Lust auf großen Streß und begnügen uns mit einem Ausflug ins Dorf, eingekauft werden muss auch. Die Strombolesen oder Strombolianer oder wie auch immer sind seltsame Menschen von reziprok liebenswürdiger Art. Sie rasen den ganzen Tag mit Piaggio-Dreirädern oder Golfcarts durch die engen Gassen und erwecken den Eindruck, dass sie zur Brotzeit kleine Tedeschi verspeisen. Kein Wunder bei den Horden von Alibi-Extremtrekkern mit Skistöcken, die im Dorf herumlungern, da kann sich keine zarte Liebe zu Auswärtigen entwickeln. Trotzdem beschließen wir nach einem ausgedehnten Mittagsmahl zum günstigen Touripreis und der Tatsache, dass der Alimentari erst am späten Nachmittag öffnet, noch eine Nacht dran zu hängen, obwohl auch der Ankerplatz nicht besonders geschützt ist.

Auch diese Nacht hält noch ein Schauspiel besonderer Art für uns bereit. Eine deutsche Chartercrew mit einem übergroßen Boot möchte die Ankerkette nicht unnötig verschmutzen und lässt den Großteil lieber im Ankerkasten liegen. Schon blöd, dass dann, sogar bei leichtem Wind, der Anker nicht hält, aber im Süden liegt zum Glück die Schweiz, die von den Deutschen heftig geküsst wird. Sie haben die Schweizer sogar so lieb, dass sie ihre um deren Ankerkette schlingen und in dieser Umarmung fast eine Stunde verharren. Kay von der Walker bekommt fast einen Herzinfarkt, weil sie ca. 20m an ihn herantreiben. Als sie sich endlich entwirren, dauert es noch eine ganze Stunde, in der die Deutschen mehrere hektische Ankermanöver fahren bis wieder Frieden einkehrt. Diesmal haben sie wohl die Kette benutzt, denn am nächsten Morgen liegen sie noch an derselben Stelle.

Sonntag, 8. Mai 2016

Ein heißer Ritt

Die Sonne kommt raus und wir auch. Früh am Morgen, ja wirklich, verlassen wir am 06.05. Rocella, wir wollen nach Sizilien. Das Meer ist spiegelglatt, kein Wind und so passieren wir gegen 14.00 Uhr den südlichsten Punkt des italienischen Festlands. Am späten Nachmittag ankern wir für die Nacht in einer potthässlichen Bucht südlich von Reggio di Calabria. Egal, morgen wollen wir in der Früh gleich weiter.

In der Früh bläst der Wind schön aus Süd, das ist ideal, um die Strasse von Messina zu durchsegeln, Gleich nach dem Ankerauf setzen wir den Spinnaker und rauschen gegen Norden. Aber wie es halt so ist, der Wind wird stärker und steigt schließlich auf über 25kn. Der Spinnaker ist ein Leichtwindsegel, hoffentlich bekommen wir ihn wieder in einem Stück runter. Kurz vor Mittag sind wir am Capo Peloro, dann geht’s ab, der Wind dreht auf Südwest wir sehen plötzlich eine spitze Kreuzsee genau vor uns, d.h. gegenan kommt eine Strömung von über 4kn und dementsprechende Wellen. Jetzt muss der Spinnaker schnell runter, sonst taugt er höchstens noch als Sonnensegel. Es klappt ganz vorzüglich, das war knapp. Wir fahren zwar noch über 8kn durchs Wasser, kommen aber effektiv nur mit 4kn weiter und werden kräftig durchgeschüttelt.
 

10 Minuten später sind wir durchgerutscht und der Spuk ist vorbei. Wir setzen Vollzeug und rauschen weiter Richtung Westen. Bald wird der Wind wieder stärker und wir gehen ins erste Reff, gutgetan denn kurze Zeit später haben wir über 30kn Wind. Es folgt ein heißer Ritt mit fast 10kn Geschwindigkeit und seitlicher Welle. Bereits um 15.00 fällt der Anker in einer schönen Bucht beim Capo di Milazzo, wir haben der Walker 2 Stunden abgenommen.

Der nächste Tag bringt herrliches Wetter, wir machen einen Strandtag. Nachmittags beginnen wir mit Holzsammeln, heute Abend wollen wir am Stand noch ein schönes Feuerchen machen. Nach dem Abendessen klinkt sich die Dame des Hauses aus und die Herren bleiben unter sich. Das Anlanden gestaltet sich etwas schwierig, da gehöriger Schwell in der Bucht steht. Aber wir gestalten dies ebenso erfolgreich wie unser Feuer, das wir ohne Hilfsmittel zum Brennen in schwindlige Höhen bringen. Norbert L., der Chefpyromane wäre vor Entzücken erblasst.

unser Privatstrand, im Hintergrund der Stromboli
 
Bereits nach kurzer Zeit wird mir schlagartig bewusst, dass ich heute mein erstes Bad im Meer nehmen werde. Der Anker der kleinen LENI hält zwar gut, aber die Landleine ist wohl zu lax befestigt, sie dümpelt ca. 50m vom Ufer weg. Zum Glück haben wir genügend Stoff zum Mutantrinken. 18° Wassertemperatur und 20cm große Quallen können doch einen Seemann nicht erschüttern. Es war gar nicht so schlimm, nur die Rückfahrt etwas kühl.

Samstag, 30. April 2016

Buon Giorno Italia

vor Anker an Walker angedockt
Am 27.04. verheißt der Wetterbericht nichts Gutes. Es ist sehr wechselhaft und morgen Nacht soll der Wind auf Süd drehen, dann wird’s in Katakolon ungemütlich und auch Keri auf Zakynthos, wo die Walker mit SatTV für das Bayernspiel liegt, ist dann nicht zu halten, weil nach Süden offen wie ein Scheunentor. Überhaupt lässt das Wetter zu wünschen übrig. Es regnet gerne und nachts wird es widerwärtig kalt. Nach dem Südwind soll am 29sten der Wind wieder auf Nord drehen, was für die Überfahrt nach Italien äußerst bescheiden wäre bzw. nicht zu machen ist, möchte man nicht die Fische füttern. Das bedeutet im Klartext: Ab nach Keri, Bayern schauen, trauern, drei Stunden schlafen und ab nach Italien. Alles ganz locker, so wird’s gemacht.

blinde Passagiere mitten im Nirgendwo














Die Überfahrt ist so lala, viel motoren, ab und zu die Genua als Unterstützung und am Anfang spinnt der Autopilot, was richtig Übel ist. Gott sei Dank fängt er sich wieder, ich werde ihn im Auge behalten. Abends gibt es LENI-Eintopf und „Brust oder Keule“ mit Louis de Funes. Irgendetwas hat Leander nicht so gemundet und er übergibt den Eintopf der See als Opfergabe. Das wirkt und am zweiten Morgen wird gesegelt, erst mit Genua und Groß, dann sogar mit Spinnaker. Die Walker ist die ganze Zeit mit uns, wir wachen für Kay, den Skipper mit, da er einhand segelt und so auch mal ein Nickerchen machen kann.

Am 29.05. laufen wir, wie geplant, nach 218sm und 40 Stunden Fahrt um 18.30 Uhr in Rocella Ionica ein, die erste größere Überfahrt ist geschafft und wir auch. Obwohl hier mittlerweile für die Marina bezahlt werden muss und das nicht wenig, bleiben wir eine Woche zur Regeneration. Fahrräder sind kostenlos mit dabei und das ist gut, denn der Ort ist gut 3km entfernt. Leider ist Petrus nicht mit uns, denn es regnet häufig und der Wind ist eiskalt. Bella Italia muss also noch warten, aber irgendwann muss es ja warm und sonnig werden.