Freitag, 27. November 2015

Kalamata, DÖF und die Winterpause

Es regnet gefühlt zwei Tage. Und dann folgen drei unglaubliche Wochen schönstes Badewetter. Aber der Reihe nach: In Kalamata gibt es die DÖF, die deutsch-österreichische Freundschaft. Genau genommen sind es vier Österreicher, wenn man Hund und Katze dazu zählt sechs und rd. zehn Deutsche inkl. Hund, die in Kalamata überwintern. Segler lieben Anlegemanöver, v.a. die der Anderen. Da wir gleich drei hingelegt haben, sind wir sofort bekannt und in kürzester Zeit in die DÖF integriert. Das ist für uns etwas ganz neues, eine echte Gemeinschaft von Langfahrtseglern, die, obwohl sehr heterogen, wirklich zusammen hält. Es ist richtig schön. Leider sind keine Kinder dabei, aber dafür findet Lausi sofort eine Ersatzoma und wenn ich beide beobachte, denke ich: „Da haben sich zwei gefunden“.

Wir holen das kleine Moped raus, erkunden die Stadt, kaufen am Markt ein und lassen es uns gut gehen. Das Eisenbahnmuseum sowie die große Kathedrale bezeugen wieder einmal unseren ausgeprägten Drang nach Kultur. Schön langsam muss ich die LENI für die Winterpause fertig machen, aber trotzdem bleibt immer genügend Zeit sich gegenseitig zu besuchen und Weisheiten von sich zu geben.





Lausi ist oft am Strand, fährt Rad oder Moped durch den Hafen und fängt denselben Fisch, wie Pralle bei der Übergabefahrt, nur etwas größer, während ich sportlich mit den Toilettenschläuchen ringe und mich anderweitigen geistreichen Aufgaben hingebe.

 
 
 
 
 

 
Drei Tage vor unserem Abgang treffen wir uns alle am Strand zum Grillen, wohlgemerkt Mitte November. Na gut, abends braucht man schon ein Jäckchen. Holz holen wir uns aus dem Hafen, da liegt einiges an alten Zeugs rum. Leider vergesse ich, dass ich die 50 schon überschritten habe und auch meine neue Super-Luigi-Hirnlampe und bekomme als Quittung einen Bänderriss im Sprunggelenk. Gott sei Dank werde ich von der DÖF bestens umsorgt, vielen Dank nochmals dafür, und alle kümmern sich rührend um mich. Wenn ich nicht so ein extrem harter Hund wäre (frei nach meinem Orthopäden), hätten mir die lieben Mädels sogar das Boot geputzt. Ich frage mich noch heute, warum ich das abgelehnt habe.
 
Am 15.11. fliegen wir nach München, es wird eine ganz tolle Überraschung für Petra und Leander, die uns erst eine Woche später erwarten und erstere wird eine Woche brauchen, um dies zu verdauen. LENI weiß ich derweil in guten Händen, die Skipper der Tweeny und der Walker werden sie bootsitten.
 
Ich weiß, es wird nun eine harte Zeit für unsere Fans anbrechen, in der dunklen Jahreszeit keine Berichte mehr zu lesen, die den Alltag erhellen, aber wir brauchen dringend Urlaub, denn wie hat schon der Papa gesagt: „Es war scho a Stress“.
 
Ende März/Anfang April, wer weiß das schon ganz genau, heißt es dann frei nach Arnold S.:
 
 „ We´ll be back“

Sonntag, 8. November 2015

Endspurt

Auch mit viel Ankerkette macht es immer wieder Sinn, sich mit Taucherbrille persönlich von der Lage des Ankers zu überzeugen. Siehe da, es gibt hier einige Felsplatten und da wir länger bleiben wollen, bin ich erst nach einem neuen Ankermanöver wirklich zufrieden. Jetzt kann kommen, was will. Obwohl Mitte Oktober, ist das Wasser immer noch warm, auch für mein Befinden. Wir baden viel, Lesen und Faulen. Abends machen wir uns was Feines an Bord oder fahren mit dem Dingi nach Methoni, ganz wie es uns beliebt. Im Restaurant Palia Istoria, das bedeutet „alte Geschichte“ gibt es endlich mal Gerichte abseits der üblichen Tzatziki -Karte. Wir gönnen uns ein Zicklein im Tontopf, Gefühle an Daheim kommen auf.


Methoni ist ein hübsches kleines Städtchen und, ich habs ja gesagt, mit einer Festung, viel größer und bedeutender als das verpasste Fort in Pylos. Dieses venezianische Kastell mit einem gut erhaltenen Rundturm bewachte früher die Schifffahrtsroute um den Peleponnes. Deswegen wird Methoni zusammen mit dem rd. 20 sm östlich gelegenen Koroni „die Augen der Republik“ genannt. Wir besichtigen die Anlage samt der verlassenen Kirche ausgiebig und sind somit nicht nur kulturell sondern auch geistlich wieder im grünen Bereich.
 
Natürlich müssen wir uns auch am Strand erholen und bringen unsere Boule-Kugeln zum Einsatz. Es dauert nicht lange und wir bekommen Münchner Besuch. Sie sind Mitglied bei der „1. Münchner Kugelwurfunion“ und damit offensichtlich boulesüchtig. Gerne überlassen wir Barbara und Guido das Spiel und schieben selbst eine ruhigere Kugel bei Tzatziki und Bier bzw. Sprite. Später gesellen sich die Beiden zu uns, es macht einfach Laune, sich wieder mal mit netten Leuten zu unterhalten, die wirklich dieselbe Sprache sprechen. Sie wohnen in Koroni, unser nächstes Ziel, und wir verbleiben in der Hoffnung, uns dort wiederzusehen.

Unsere Tage in Methoni plätschern dahin, Schule, Baden, Einkaufen und auch meine Haare sind wieder gewachsen. Da ich mich schon so an den Profi-Schnitt aus Kroatien gewöhnt habe, greife ich kurzerhand zum Haarschneidegerät und sehe jetzt wieder schnittig aus.

Am 20.10. lichten wir nach einer Woche Methoni den Anker und gehen direkt nach Koroni, das schon im Messenischen Golf liegt, genau wie unser Winterquartier Kalamata. Gerne hätten wir noch die eine oder andere Bucht auf dem Weg besucht, aber das hat uns der Südwind vermasselt, da alles nach Süden offen ist. In Koroni gibt es zwei Ankermöglichkeiten, einen schönen Sandstrand im Süden und die Hafenbucht im Osten. Letztere haben wir angelaufen, da sie gut geschützt ist. Wir ankern auf 4m Tiefe und hauen wieder 45m Kette raus, das passt. Am nächsten Tag gehen wir im Resulto essen, eine Empfehlung von Barbara und Guido. Und wirklich, nachdem wir beinahe fertig sind, kommen sie eingetrudelt. Es wird ein schöner Abend. Lausi telefoniert mit Barbaras Handy eine gefühlte Stunde mit seiner lieben Mama, da es laut Barbara kostenlos ist; ich hoffe es für sie und sie nach dem Gespräch auch.

Koroni hat, wie gesagt, auch eine Festung, die es natürlich zu besichtigen gilt. Sie liegt auf einem kleinen Kap und man hat einen wunderbaren Blick auf die malerische Stadt und den Sandstrand. Denselben nehmen wir uns als nächstes vor. Ziemliche Brecher donnern an den Strand, es wäre sicher ein Heidenspaß gewesen, sich mit ihnen zu messen, aber da das Wetter sehr gemischt ist, haben wir kein Handtuch, geschweige denn Badeklamotten mit, dafür aber Regenjacken, die wir noch brauchen werden.
 
Wir besuchen Uta und Günter, die wir im Resulto kennengelernt haben und bewundern, was Günter hier in den letzten 30 Jahren geschaffen hat. Er hat hier eine Tauch- und Surfschule betrieben und nebenbei ein kleines Dorf mit ca. 10 kreativen Häuschen selbst erbaut, die im Sommer von Touristen zu mieten sind. Als es dunkel wird machen wir uns bei Regen auf dem Rückweg und erreichen rechtzeitig eine Taverne in Koroni, bevor es richtig zu schütten beginnt. Wir müssen noch mit dem Dingi übersetzen, aber Petrus hat ein Einsehen und stoppt währenddessen die Wasserzufuhr von oben.

Wir wollten eigentlich mindestens eine Woche in Koroni bleiben, aber seit zwei Tagen verspricht der Wetterbericht Sturm aus Nordost. Die Bucht ist nach allen Seiten geschützt bis auf Nordost. Das brauche ich jetzt kurz vor knapp wirklich nicht mehr. Schweren Herzens gehen wir deshalb am 23.10. Anker auf, um den sicheren Hafen von Kalamata aufzusuchen, den wir um 15.00 Uhr erreichen. Am angefragten Steg ist natürlich nichts mehr frei, wir legen erst hier an, dann dort und schließlich wieder hier; ein bisschen konfus die Typen. Aber alle Anlegemanöver klappen wie am Schnürchen, nur die griechischen Marineros schreien aufgeregt am Steg herum. Das Anlegebierchen schmeckt wie immer delikat, aber es muss auf zwei begrenzt werden, wir müssen uns noch sturmsicher machen. Alles was wegfliegen kann wird verräumt und ich lege zwei zusätzliche Springs. Jetzt kann er kommen! Gegen Abend geht’s dann los, erst mit Regen und dann der Sturm. Es bläst aus Nordost, ist aber eher ein laues Lüftchen, das nicht einmal Petras Frisur schaden könnte, geschweige denn unserer LENI. Soviel zum Wetterbericht, das wäre mit Jörg K. nicht passiert.