Donnerstag, 28. Juli 2016

Letzter Schultag, Alltag und letzte Tage auf Sardinien

Einkaufen muss auch sein, wir fahren nach Palau. Dort passiert es uns zum ersten Mal, dass der Anker, auch nach mehreren Versuchen, nicht hält; wir hängen uns an eine Boje. Abends essen wir in Palau und gehen am nächsten Tag nach Porto Puddo, eine schöne, tiefeingeschnittene Bucht im Norden Sardiniens. Diesmal brauchen wir vier Ankerversuche, dann hält er.

Heute, am 17.07. ist es geschafft: Letzter Schultag und damit große Ferien. Auch sonst sind wir längst im Alltag angekommen. Das bedeutet neben Wetterbeobachtung und daraus resultierender Entscheidungen, Schule, Einkaufen, Putzen, Waschen, Kochen etc. Das meiste Leben spielt sich draußen auf unserer Terrasse und im Salon ab.
 
 

Schule wird jeden Tag gemacht, wenn es die Verhältnisse zulassen. Auch glaubt man kaum, wie staubig es auf einem Boot in kürzester Zeit wird, ich habe immer geglaubt, die Luft auf See ist nahezu staubfrei. Wenn Südwind herrscht und es dann noch regnet, kommt goldener Sand aus der Sahara runter, eine Riesensauerei. Unser Kühlschrank ist leider zu klein, so dass wir jede Woche Einkaufen müssen, die Schlepperei kann man sich vorstellen. Petras Liebling ist ihre pinke Campingwaschmaschine, sie kann Stunden mit ihr ganz allein verbringen.

Das Strandleben in Porto Puddo hat uns drei Tage fest im Griff, Leander und ich haben unsere ersten Seeigelstachel schon hinter uns. Nikolaus findet trotzdem noch Zeit unser Edelstahl zu polieren, jetzt glänzt es wieder schön.

Schön langsam wird es Zeit Sardinien zu verlassen, die Balearen rufen. Da aber überwiegend Westwind herrscht, wir müssen nach Westen, kommen wir nur langsam vorwärts. Am 20.07. laufen wir in Porto Pozzo ein, wieder hält der Anker nicht und eine Boje muss her. Abends speisen wir in einem typischen Ristorante direkt am Strand. Als der Alleinunterhalter antritt runzeln wir noch etwas die Stirn, aber der junge Typ hat mit sich Spaß und färbt auf die Gäste schnell ab, die sich zu späterer Stunde fast darum streiten, wer als nächster ins Micro singen oder auch grölen darf. Eine echte Gaudi, sie geht bis um drei in der Nacht.

Endlich soll der Wind nach NO drehen und wir erreichen am 22.07. nach einem Zwischenstopp am Capo Testa das Städtchen Castelsardo, das wie ein Schwalbennest am Fels klebt. Wir machen uns hier fertig für unsere Überfahrt nach Menorca, d.h. Bootputzen, Waschen, Einkaufen, Volltanken. Natürlich bleibt auch Zeit für eine Besichtigung, ganz oben am Fels thront eine Burg. Die Besichtigung kostet natürlich und Leander will danach lautstark sein Geld zurück; zu Recht, denn innen dienen 90% der Räume einer Vernissage und das verachtenswerter Weise sogar ohne Schampus.

Am 25.07. motoren wir in die Bucht Pelosa bei Stintino und warten hier auf ein günstiges Wetterfenster für die Überfahrt nach Menorca.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Mit Autopilot zum Aga Khan

Das Flehen wird erhört. Nachdem keiner der sog. Raymarine-Service-Betriebe auf unsere Anrufe und E-Mails reagiert, fragt Petra den Inhaber des Ladens nebenan, ob der Servicemensch noch am Leben sei. Dieser ruft jenen sogleich an und siehe da, da er die Nummer kennt und nichts Böses ahnt geht er sofort ran. Das haben wir vorher sicher 10x probiert, aber egal, jetzt haben wir ihn und nageln ihn unerbittlich fest, Gianluca Frau, so heißt er tatsächlich, kommt noch am selben Tag. Glücklicherweise ist nur der Motor des Autopiloten defekt, der kann repariert werden, im Gegensatz zu dem von mir verdächtigten Kurscomputer. Aber es dauert nach Gianlucas Aussage vier Tage, also vermutlich mindestens sechs.

Wir entscheiden die Tage in Olbia und in Porto Taverna zu verbringen, eine malerische Bucht mit LENI-Privatstrand. Olbia ist schöner als man denken möchte, v.a. wenn man wie wir kostenlos am Stadtpier, direkt in der Altstadt liegt. Wir speisen vorzüglich, bummeln durch die Gassen, gönnen uns mehrere Eis und Kaltgetränke, verproviantieren und verziehen uns nach dem Slowakeispiel  am 27.06. in besagte Bucht.

Hier verbringen wir unbeschwerte Tage mit einem kleinen Wermutstropfen. Nikolaus hört in seiner Toilette komische Geräusche beim Spülen. Es klingelt und scheppert als ob sich eine Schraube gelöst hat. Zum gefühlten 100sten Mal zerlege ich den ganzen Mist, während der Rest der Familie am Strand rumfault. Und was finde ich? Einen Kirschkern, den mein Söhnchen runtergeschluckt hat und nun seinen Ausgang gefunden hat. „Nikolaus, Kirschkerne werden nicht verdaut“.

Am 01.07. kehren wir zurück nach Olbia, der Motor soll fertig sein. Am nächsten Morgen wird er eingebaut, genau sieben Tage nach der Diagnose, gut geschätzt. Der Spaß kostet €170.-, ein echtes Schnäppchen, der Kurscomputer wäre mit rd. € 2.500.- zu Buche geschlagen.

Nachdem sich meine Nerven nach dem Italienspiel wieder beruhigt haben, es war danach ganz still in der Stadt, ziehen wir am 03.07. weiter in den Golfo di Aranci. Dort hängen wir eine Woche ab, speisen im selben Hotel wie damals auf der Mopedtour mit Barnes und Pralle, besuchen den flachen Sandstrand, fahren mit der „Kleinen“ Reifen und Wasserski – Lausi erinnert dabei auch optisch an einen California Beachboy - , treffen die Tweeny wieder und verzweifeln beim Frankreichspiel.

Aber schön wars trotzdem und wenns am schönsten ist…. Am 09.07. gehen wir auf Aga Khans Spuren hoch zur Costa Smeralda in die Cala del Volpe. Hier beginnt die Welt der Megawichtigen, der Megareichen, der Megaschönen und der Megayachten. Wir gehören hier mit unserer LENI zu den Ärmlichen, den Mickrigen, der abgehängten Gesellschaft. Da liegen vier stockwerkhohe Riesenteile mit Riesenrutschen und Beibooten, die größer sind als unsere LENI.
Die muss man natürlich auch benutzen und zwar nur mit Vollgas, Italiener kennen nichts anderes, und so haut es uns alle fünf Minuten hin und her. Ich liebe es, hier muss man hin, hier bleibt man gern. Zugegeben, die Cala ist sehr schön mit türkisblauem Wasser und es gibt kleine, feine Buchten, die aber für die Wichtigen nicht zu erreichen sind, da für den Badebetrieb gesperrt. Man kommt in sie nur zu Fuß oder mit einem unverwüstlichen Faltboot, mit dem man an nicht abgesperrten Felsvorsprüngen anlanden kann, haha, wir haben eines und so sind wir die einzigen, die per Boot anlanden.
 


Am 11.07. hauen wir wieder ab und schenken uns Porto Cervo, das ist uns zu blöd. Uns erwartet der Golfo di Arzachena, hier passt die Welt wieder. Es gibt sogar eine Privatinsel, an der ich die Kinder aussetze, sie wollen Robinson Crusoe spielen. Leider wollen die Superhelden abends wieder abgeholt werden. Am 12.07. ist Starkwind angesagt, wir gehen zusammen mit der wiedergetroffenen Tweeny vor Cannigione für die nächsten drei Tage an eine Boje. Es bläst ganz knackig, aber wir werden von Karin und Chris mit selbstgefangenen Tunfisch mehr als entschädigt. Auch Cannigione entpuppt sich als hübsches, normales Nest mit dem besten Supermarkt.

Der Wind dreht am 15.07. auf N bis NO, das ist an der Boje kein Spaß. Wir verholen in den Kommunalhafen und liegen ganz ausgezeichnet bis uns die Hafenpolizei vertreibt. Sie wissen zwar nicht warum, aber Befehl ist Befehl. Auch Petra und die lieben Bambini können da nichts ausrichten. Also müssen wir zwei Stunden gegen Wind und Welle Richtung Norden nach Porto Palma. Petra wird ganz mulmig, aber so schlimm wird es nicht. Mir wird auch mulmig, aber aus einem anderen Grund. Porto Palma gehört zu La Maddalena und da darf nur hin, wer vorher kräftig abdrückt, sprich sich ein Ticket für den Besuch dieses Nationalparks kauft. Der Anker fällt mit 60m Kette, am nächsten Tag geht’s weiter und keinen hats interessiert.