Sonntag, 8. Mai 2016

Ein heißer Ritt

Die Sonne kommt raus und wir auch. Früh am Morgen, ja wirklich, verlassen wir am 06.05. Rocella, wir wollen nach Sizilien. Das Meer ist spiegelglatt, kein Wind und so passieren wir gegen 14.00 Uhr den südlichsten Punkt des italienischen Festlands. Am späten Nachmittag ankern wir für die Nacht in einer potthässlichen Bucht südlich von Reggio di Calabria. Egal, morgen wollen wir in der Früh gleich weiter.

In der Früh bläst der Wind schön aus Süd, das ist ideal, um die Strasse von Messina zu durchsegeln, Gleich nach dem Ankerauf setzen wir den Spinnaker und rauschen gegen Norden. Aber wie es halt so ist, der Wind wird stärker und steigt schließlich auf über 25kn. Der Spinnaker ist ein Leichtwindsegel, hoffentlich bekommen wir ihn wieder in einem Stück runter. Kurz vor Mittag sind wir am Capo Peloro, dann geht’s ab, der Wind dreht auf Südwest wir sehen plötzlich eine spitze Kreuzsee genau vor uns, d.h. gegenan kommt eine Strömung von über 4kn und dementsprechende Wellen. Jetzt muss der Spinnaker schnell runter, sonst taugt er höchstens noch als Sonnensegel. Es klappt ganz vorzüglich, das war knapp. Wir fahren zwar noch über 8kn durchs Wasser, kommen aber effektiv nur mit 4kn weiter und werden kräftig durchgeschüttelt.
 

10 Minuten später sind wir durchgerutscht und der Spuk ist vorbei. Wir setzen Vollzeug und rauschen weiter Richtung Westen. Bald wird der Wind wieder stärker und wir gehen ins erste Reff, gutgetan denn kurze Zeit später haben wir über 30kn Wind. Es folgt ein heißer Ritt mit fast 10kn Geschwindigkeit und seitlicher Welle. Bereits um 15.00 fällt der Anker in einer schönen Bucht beim Capo di Milazzo, wir haben der Walker 2 Stunden abgenommen.

Der nächste Tag bringt herrliches Wetter, wir machen einen Strandtag. Nachmittags beginnen wir mit Holzsammeln, heute Abend wollen wir am Stand noch ein schönes Feuerchen machen. Nach dem Abendessen klinkt sich die Dame des Hauses aus und die Herren bleiben unter sich. Das Anlanden gestaltet sich etwas schwierig, da gehöriger Schwell in der Bucht steht. Aber wir gestalten dies ebenso erfolgreich wie unser Feuer, das wir ohne Hilfsmittel zum Brennen in schwindlige Höhen bringen. Norbert L., der Chefpyromane wäre vor Entzücken erblasst.

unser Privatstrand, im Hintergrund der Stromboli
 
Bereits nach kurzer Zeit wird mir schlagartig bewusst, dass ich heute mein erstes Bad im Meer nehmen werde. Der Anker der kleinen LENI hält zwar gut, aber die Landleine ist wohl zu lax befestigt, sie dümpelt ca. 50m vom Ufer weg. Zum Glück haben wir genügend Stoff zum Mutantrinken. 18° Wassertemperatur und 20cm große Quallen können doch einen Seemann nicht erschüttern. Es war gar nicht so schlimm, nur die Rückfahrt etwas kühl.

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