Donnerstag, 8. September 2016

Eine haarige Sache

Am 28.08. verlassen wir Cartagena. Der Plan sieht vor in längeren 1-Tages-Etappen zügig nach Gibraltar zu kommen. Insgesamt liegen rd. 250sm vor uns. Aber bereits am übernächsten Tag landen wir, nach einem Stopover in Aquilas, in der Bucht San Pedro bei Las Negras.

Hier ist Hippieleben angesagt und das steckt an. Langhaarige bevölkern die Bucht und das Hinterland, teils in selbstgebauten Hütten, teils Zelten oder nur unter Planen. Tiefenentspannung liegt in der Luft, jeder läuft rum, wie es ihm beliebt, es wird Musik gemacht, die man nur nach dem Genuss der selbstangebauten Gräser ertragen kann. Unsere Junghippies entdecken die Freikörperkultur, besonders Leander ist ganz angetan von den visuellen Reizen. Sie bauen sich auch einen Unterschlupf und nur mit Mühe gelingt es, sie nach drei Nächten weiter zu lotsen.

Die Fahrt am 01.09 ist dann ebenfalls sehr entspannt, unter Parasailor gleiten wir dahin und sehen so viele Delphine, wie noch nie. Wir haben uns zwar den örtlichen Gepflogenheiten in San Pedro nicht vollständig angepasst, trotzdem geht es mir nicht so wohl. Vielleicht waren in der frischen Luft nicht nur anregende Stoffe enthalten. Jedenfalls bleiben wir zwei Nächte in der Marina Almerimar, ein furchtbares Trabantenkaff, zum Auskurieren. Dafür gehen wir am 03.09. übernacht bis nach Fuengirola, das KuDamm gibt es immer noch, und erreichen Gibraltar, trotz der Hippieeskapaden, bereits am 05.09. gegen Abend. Jeden Tag haben uns Delphine begleitet, es ist immer wieder erhebend.
 

Gibraltar ist very british und genießt einen Zollsonderstatus. Diesel kostet gerade mal 50ct, Zigaretten 2,50€. Die Queensway Quai Marina liegt mittendrin, alles ist fußläufig erreichbar. Nur eines nervt: Alle fünf Minuten ertönt ein Hupton, wie wenn eine schwere Baumaschine rückwärts fährt. Da eine Baustelle nebenan ist, haben wir uns nichts weiter gedacht, bis wir gecheckt haben, das es sich um eine Verkehrsampel handelt, die bei „grün“ für Sehbehinderte in einer ohrenbetäubenden Lautstärke hupt. Auf meine Frage, ob die glauben, dass alle Blinden schwerhörig sind, orakelt  Petra, dass dies vielleicht besondere Ampeln für blinde Taubstumme sind. Ich hab dann nichts mehr gesagt.

 
Ansonsten geht es hier zu wie am Stachus, Gibraltar ist Kreuzfahrerland. Wir stehen bei gefühlten 40° im Schatten 1,5 Stunden in der britischen Warteschlange des Cable Cars, um auf den „Rock“ zu gelangen. Die Kinder wollen unbedingt die freilebenden Affen von Gibraltar kennenlernen, Petra natürlich auch (die sind sooo süß); ich habe ihre Bekanntschaft bereits vor fünf Jahren gemacht, die der Affen meine ich. Die Affen sind wirklich sehr süß und auch süßlich im Geruch und natürlich haarig. Gibraltars Taxifahrer verdanken Ihnen einen Großteil ihres Geschäfts, sie haben sogar für ihren Liebling eine Gedenktafel gestiftet. Von Leckerlies angestiftet springen sie dann sogar den Touris auf den Kopf, die Affen meine ich. Manche, die Touris meine ich, haben danach braune Streifen und Anzeichen von Nässe auf ihrem Haar und Hemd, ein herziger Spaß, den alle lieben. Sie lachen auch sehr pflichtbewusst, wenn die Äffchen ihre Taschen leer klauen, die sie sinnigerweise offen neben sich abstellen, um Selfies zu machen. By the way: Überall stehen Schilder, die vor diebischen Affen warnen.


Zurück in Town geht’s sofort ins Piccadilly auf ein british Ale, das haben wir uns verdient. Auch sonst ist Gibraltar eine willkommene Abwechslung und solange die Affen bleiben, bleibt Gibraltar british. God save the Queen.