Hier ist Hippieleben angesagt und das
steckt an. Langhaarige bevölkern die Bucht und das Hinterland, teils in
selbstgebauten Hütten, teils Zelten oder nur unter Planen. Tiefenentspannung
liegt in der Luft, jeder läuft rum, wie es ihm beliebt, es wird Musik gemacht,
die man nur nach dem Genuss der selbstangebauten Gräser ertragen kann. Unsere
Junghippies entdecken die Freikörperkultur, besonders Leander ist ganz angetan
von den visuellen Reizen. Sie bauen sich auch einen Unterschlupf und nur mit
Mühe gelingt es, sie nach drei Nächten weiter zu lotsen.
Die Fahrt am 01.09 ist dann ebenfalls
sehr entspannt, unter Parasailor gleiten wir dahin und sehen so viele Delphine,
wie noch nie. Wir haben uns zwar den örtlichen Gepflogenheiten in San Pedro
nicht vollständig angepasst, trotzdem geht es mir nicht so wohl. Vielleicht
waren in der frischen Luft nicht nur anregende Stoffe enthalten. Jedenfalls
bleiben wir zwei Nächte in der Marina Almerimar, ein furchtbares Trabantenkaff,
zum Auskurieren. Dafür gehen wir am 03.09. übernacht bis nach Fuengirola, das
KuDamm gibt es immer noch, und erreichen Gibraltar, trotz der Hippieeskapaden,
bereits am 05.09. gegen Abend. Jeden Tag haben uns Delphine begleitet, es ist immer
wieder erhebend.
Gibraltar ist very british und genießt
einen Zollsonderstatus. Diesel kostet gerade mal 50ct, Zigaretten 2,50€. Die
Queensway Quai Marina liegt mittendrin, alles ist fußläufig erreichbar. Nur
eines nervt: Alle fünf Minuten ertönt ein Hupton, wie wenn eine schwere
Baumaschine rückwärts fährt. Da eine Baustelle nebenan ist, haben wir uns
nichts weiter gedacht, bis wir gecheckt haben, das es sich um eine
Verkehrsampel handelt, die bei „grün“ für Sehbehinderte in einer ohrenbetäubenden
Lautstärke hupt. Auf meine Frage, ob die glauben, dass alle Blinden schwerhörig
sind, orakelt Petra, dass dies
vielleicht besondere Ampeln für blinde Taubstumme sind. Ich hab dann nichts
mehr gesagt.

Ansonsten geht es hier zu wie am
Stachus, Gibraltar ist Kreuzfahrerland. Wir stehen bei gefühlten 40° im
Schatten 1,5 Stunden in der britischen Warteschlange des Cable Cars, um auf den
„Rock“ zu gelangen. Die Kinder wollen unbedingt die freilebenden Affen von
Gibraltar kennenlernen, Petra natürlich auch (die sind sooo süß); ich habe ihre
Bekanntschaft bereits vor fünf Jahren gemacht, die der Affen meine ich. Die
Affen sind wirklich sehr süß und auch süßlich im Geruch und natürlich haarig.
Gibraltars Taxifahrer verdanken Ihnen einen Großteil ihres Geschäfts, sie haben
sogar für ihren Liebling eine Gedenktafel gestiftet. Von Leckerlies angestiftet
springen sie dann sogar den Touris auf den Kopf, die Affen meine ich. Manche,
die Touris meine ich, haben danach braune Streifen und Anzeichen von Nässe auf
ihrem Haar und Hemd, ein herziger Spaß, den alle lieben. Sie lachen auch sehr
pflichtbewusst, wenn die Äffchen ihre Taschen leer klauen, die sie
sinnigerweise offen neben sich abstellen, um Selfies zu machen. By the way:
Überall stehen Schilder, die vor diebischen Affen warnen.
Zurück in Town geht’s sofort ins
Piccadilly auf ein british Ale, das haben wir uns verdient. Auch sonst ist
Gibraltar eine willkommene Abwechslung und solange die Affen bleiben, bleibt
Gibraltar british. God save the Queen.



