Prolog

  
Dieser Blog soll die gute alte Ansichtskarte ersetzen und richtet sich primär an unsere Familie, Freunde und Bekannte. Deswegen findet man ihn auch nicht mittels einer Suchmaschine. Das soll auch so bleiben, auch wenn es nicht heißen soll, dass uns neue Fans nicht willkommen sind.
 
 

Prolog
  
Im Dezember 2010 hieß es: alea iacta est. Kurz vor Weihnachten unterschrieb ich am 22. Dezember den Kaufvertrag für unsere LENI, ein Segelkatamaran Lagoon 400. Die Ablieferung war für Juni 2011 avisiert. Genügend Zeit also, um sich um die Ausrüstungsdetails zu kümmern.
 
Der Name LENI sorgt heute noch für Verwirrung, dabei ist er eigentlich sehr einfach und logisch. Ein Schiff ist eine „Sie“! Wer einmal ein Schiff geführt hat, erkennt  das sehr schnell. Man muss respektvoll mit ihr umgehen, sie braucht viel Gefühl. Aber wehe man fordert zu viel oder ist zu ungestüm, dann kann sie sehr ruppig, ja zickig werden und der Skipper sollte damit zurechtkommen, dass andere Männer ihr oft und gerne sehnsüchtig nachblicken. Nicht zu vergessen: Sie kostet v.a. im Unterhalt viel Geld.
 
Ein Schiff ist also weiblich und deshalb ist auch ein Schiffsname klassisch weiblich. Den seiner Frau zu wählen ist relativ einfallslos und der Name einer Verblichenen führt meist zu negativen Schwingungen der liebreizenden Ehefrau. Was liegt näher als den Namen einer Tochter zu nehmen, wenn man es denn zu einer gebracht hat. In unserem Fall mussten wir eben aus zwei Söhnen eine virtuelle Tochter kreieren, unsere LENI. Alle Klarheiten beseitigt? (Wer es nicht geschnallt hat, vgl. Crew oder Email).
 
Die Zeit bis Juni 2011 verging wie im Flug und am 10. Juni stand ich abends zusammen mit meinem alten Freund Ed zum ersten Mal am Kai in Les Sable-d´Olonne vor unserer LENI. Ein wirklich bewegender Moment. Als wir im Cockpit unser Ankunftbierchen schlürften fühlte ich mich sofort zu Hause.
 
Den größten Teil der Ausrüstung hatte ich direkt an die Werft schicken lassen und der Rest kam ein paar Tage später, zusammen mit meinem Bruder Robert, dem Co-Skipper und meinen Freunden Bertschi, Olli und Pralle, der Überführungscrew. Sie sind alles gestandene Seebären des alten Schlags, aber leider nur der Optik nach. Das Gschiess mit der Übergabe habe ich beinahe schon verdrängt und erspare es mir an dieser Stelle.
 
Am 16. Juni waren wir auslaufbereit, nur das Wetter nicht so ganz. Aber die Seebären hatten alle einen fixen Zeitplan und so hieß es am frühen Nachmittag Leinen los mit Kurs SW über die Biskaya. Als erstes lernte ich, dass fixe Zeitpläne beim Segeln für den Abend sind, aus den 25kn Gegenwind, die mit zwei Motoren gut zu schaffen sind, wurden gerne auch über 40kn. Dazu spielten wir „against the wind“ von Bob Seager. Es sollte unser Lieblingslied bleiben. Nach zwei Komplettausfällen bei den Seebären und der Befürchtung, dass die bösen Wellen, die immer wieder heftig an den Rumpf schlugen, meiner schönen LENI auf Dauer missfallen, änderten wir nach der zweiten Nacht auf den Amwindkurs S mit Ziel Gijón, was wir dann auch glücklich unter Segel am frühen Morgen des 19. Junis erreichten, so dass uns eine Wiederholung der „Schande von Gijón“ erspart blieb.
 
Von nun an gings wesentlich kommoder, mit teilweise wunderbarem Segeln entlang der portugiesischen Küste bis Cascais, einem schönen Vorort von Lissabon, über Cádiz mit Gegenanbolzen unter Motor und Tarifa durch die Straße von Gibraltar. Im Mittelmeer erwarteten uns dafür mehrere Flauten, erst ab Cartagena konnten wir wieder schönstes Segeln über Ibiza bis Mallorca geniessen, wo wir nach insgesamt 18 Tagen und rd. 1500 Seemeilen Überfahrt am 4. Juli im Club Nàutic S’Arenal für die nächsten vier Wochen festmachten.
 
 
Am 30. Juli waren wir, mein Bruder Robert mit seiner Frau Karin und ich, dann schon wieder da. Schnuckl, ja so nennt er sie, hat dann gleich noch am selben Abend die ordentliche Taufe recht ordentlich vollzogen. Wieder ein Problem weniger, denn auf einem getauften Boot schläft sichs ruhiger.
 
Am nächsten Tag noch schnell tanken und dann gings auch schon in aller Herrgottsfrühe um kurz nach Mittag los Richtung Sardinien. Die Überfahrt war so wie es sein soll, bis auf den Sturm, den nur Schnuckl bemerkte und so machten wir am 2. August gegen Mittag in der Marina von Carloforte auf der Insel San Pietro fest.
 
Carloforte ist auf jeden Fall einen Besuch wert, aber trotzdem hieß es am nächsten Tag Leinen los Richtung Liparische Inseln und nach einer Nacht in der malerischen Bucht Punta Menga vor Porto Pino erreichten wir am 6. August Volcano und ließen am frühen Nachmittag den Anker in Porto di Ponente fallen. Italien ist ja ganz schön, wenn die Italiener nicht wären. Nie war ich mehr bei Gerhard Polt als hier. Und das Schlimmste: Lauter Motorbootfahrer, die den Anker am liebsten zum Kuscheln auf unser Boot geschmissen hätten. Am 8. August sind wir dann auch schon kurz nach acht raus, ich bin noch nie so gern früh aufgestanden.
 
Weiter gings, mit einem Zwischenstopp in Messina, in Rocella Ionica und vor Anker auf Höhe Lecce, nach Dubrovnik, wo wir am 14. August in die ACI Marina Dubrovnik einliefen. Dubrovnik ist sehr schön, wenn nur die Italiener nicht wären, und die Deutschen, und die Österreicher, und und und. Es ging zu, wie am Stachus. Also waren die Tränen schnell getrocknet als wir am nächsten Tag die letzte Etappe nach Sukosan in Angriff nahmen, das wir, nach wiederum 1250 Seemeilen, am 18. August erreichten. Die Marina Dalmacija in Sukosan sollte für die nächsten zwei Jahre das neue Zuhause der LENI sein.
 
Der Törn von Mallorca nach Kroatien war zum Großteil schönstes Segeln und eine wunderbare Vorstellung von dem, was in den nächsten Jahren kommen sollte.
Die Marina Dalmacija wird sicher keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, ist aber ein idealer Ausgangspunkt für Kroatien-Törns und es konnten Garantie- sowie einige Ergänzungsarbeiten durchgeführt werden.
 
 
Und so waren wir auch schon am 6. September mit der ganzen Familie, Petra, Nikolaus und Leander wieder da, um endlich Urlaub zu machen. Es folgten viele weitere bis es im Juli 2013 dann gelangt hat und Petra und ich unsere LENI in die Marina Punta Faro in Lignano verholt haben. Von hier sind es nur 500 km bis München, also ideal um die benötigten Teile für die Endausrüstung mit dem Auto hin und manchmal auch wieder her zu fahren. Wenn alles gut geht sind alle Arbeiten bis Juli 2015 erledigt, damit es im August endlich heißen kann.
 
Leinen los in die Zukunft