Um durch die Straße von Gibraltar zu
kommen, muss man rechnen. Ohne Atlantik würde das Mittelmeer austrocknen und so
fließen jeden Tag beachtliche Mengen von Atlantikwasser ins Mittelmeer. In der
Spitze erreicht diese, für uns Gegenströmung, 2kn. Dazu kommt der
Gezeitenstrom, der je nach Mondphase zwischen 1,5 und 3 kn stark ist. Das heißt
wir müssen den Gezeitenstrom in den Atlantik nutzen, um zumindest die immer
herrschende Grundströmung einigermaßen auszugleichen.
Der Abgang ist demgemäß, sollten meine
Berechnungen stimmen, am 09.09. um 11.50 Uhr. In der Bucht von Gibraltar kocht
das Wasser und wir ziehen mit zwei Motoren durch. In der Straße angekommen
pfeift es uns mit 27kn Wind, entgegen der Vorhersage, auf die Nase. Aber die
Berechnungen passen und so ist die Straße von Gibraltar exakt um 15.15 Uhr
Geschichte. Wir sind im Atlantik.
Leider begrüßt uns der Atlantik mit
atlantikuntypischen Wellen und beschert uns eine wackelige Weiterfahrt. Am
Abend erreichen wir Barbate, ein unschönes Kaff mit unschönem Hafen, von dem
man sich auch noch einen Wolf läuft, um in die Stadt zu kommen. Die Bedingungen
sind gut, wir ankern vor dem Hafen.
Am nächsten Tag geht’s auch gleich
weiter bis Cadiz, wo wir vor Porto Sherry in der Playa de la Puntilla vor Anker
gehen. Die Kinder machen zum Abendessen Pfannkuchen, geht doch, danach wird mit
der Oma telefoniert und zum Geburtstag gratuliert.
Petra und ich wollen Ruhe und
beschließen den nächsten Tag zu versandeln und dafür eine Nachtfahrt
einzulegen. Nach dem Abendessen geht’s um 21.25 Uhr los nach Ayamonte. Leander
und ich halten die erste Wache, um 02.00 Uhr ist Petra und Lausi, der dann doch
lieber weiterschläft, dran. Na gut, der Leander hat auch ein bisschen geknackt.
Als ich gerade entschlummern will weckt mich meine völlig aufgelöste beste
Hälfte. Wie von der Tarantel gestochen springe ich hoch, den nahen Untergang
vor Augen. Was ist passiert?
Ein Schiff der spanischen Marine hat
sich unbeleuchtet von hinten an Petra angeschlichen und, als es bis auf 10m dran
war, alle Scheinwerfer taghell auf sie gerichtet. Den Schock kann man sich
wahrlich vorstellen. Die kleinen Culos haben sicher ganz toll gelacht, welch
ein nettes Späßchen, meine Kleine derart zu erschrecken. Ich habe sie schnell
getröstet und bin dann schnell wieder ins Bett. Wir machen Wachwechsel alle
drei Stunden, das klappt bisher ganz gut. Auch der Rest der Fahrt ist recht
unterhaltsam, viele Frachter liegen hier auf Reede und Fischer kreuzen wie die
Wilden hin und her. Dazu kommen unzählige Fischerbojen, die man bei Tags schon
nicht richtig sieht und in der Nacht keine Chance hat, ein Wunder, dass wir uns
keine gefangen haben.
Um 10.30 Uhr erreichen wir das
Fahrwasser des Rio Guadiana, der Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal, und
ankern schließlich um 11.15 Uhr vor Ayamonte auf der spanischen Seite. Die
Strömung ist sehr stark, Lausi schafft es gerade kurze Zeit dagegen
anzuschwimmen, und dreht uns alle sechs Stunden um 180°, egal woher der Wind
weht.
Die Kindlein lassen uns erst mal
schlafen, brav, abends geht’s dann in das hübsche, beschauliche Städtchen zum
Sightseeing und Tapas schnabulieren. Wir bleiben noch einen Tag, kaufen eine
portugiesische Flagge und machen nochmals die Tapas-Tour.
Am 14.09. heißt es: Schulbeginn, und
das schon eine Stunde früher, da wir jetzt in Portugal sind. Da freuen sich die
lieben Kleinen. Außerdem wollen wir weiter nach Culatra, das wir nach einem
Zwischenstopp in Tavira am 15.09. gegen frühen Nachmittag erreichen. Culatra
ist eine Insel, die den Atlantik vom Festland trennt und bildet dazwischen eine
Lagune aus, die nur durch zwei Einfahrten erreichbar ist. Der Tidenhub beträgt
hier 3m, so dass man, wenn man nicht aufpasst, am nächsten Tag auf dem
Trockenen aufwacht. Wir haben aufgepasst.
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| Fischer von Culatra |
Es ist hier unglaublich schön, ein
echtes Highlight mit menschenleeren Stränden, Fischerkneipen und malerischen
Sonnenauf- und Untergängen, wobei wir die Aufgänge nur vom Hörensagen kennen. Nur
das doch etwas kältere Atlantiklüftchen trübt etwas die Idylle, man braucht
abends schon dringend ein Jäckchen. Wir wollen hier acht Tage bleiben, um dann
rechtzeitig zu unserem Werfttermin in Portimao zu sein.
Die Tage vergehen wie
im Flug, wozu auch mein alter Kumpel Ralf beiträgt, der zu Besuch kommt. Der
Typ bringt doch tatsächlich einen Wodka-Melonen Likör mit, ekelhaft, süß und
widerlich; und trinkt ihn auch noch. Er hat ihn „schnell noch an der Tanke
gekauft, damit er was zu Mitbringen hat“. Wie früher, vor 30 Jahren, wenn wir
auf eine Party gingen, ich werde wieder jung. Leider nur bis zu nächsten
Morgen, da merke ich umso heftiger, dass ich nicht jung bin.
Leider heißt es am 24. Abschied
nehmen, die Werft ruft. Um 09.45 Uhr ziehen wir den Anker hoch, um
festzustellen, dass die gesamte Kette von Schlingalgen bewachsen ist. Nach 15
Min. hab ich sie rausgerissen und erwürgt. Gashebel vor, raus aus der Lagune
und ab nach Portimao, das wir am späten Nachmittag erreichen. Wir ankern gleich
hinter dem Wellenbrecher vor einem schönen Strand. Der nächste Tag ist Ruhetag,
die Ruhe vor dem Sturm, denn morgen kommt der Riesenkran und hebt uns aus dem
Wasser.
Um 08.15 Uhr sind wir schon auf und
doch ein bisschen nervös. Noch ein Käffchen und ein Angstbieserl, dann geht’s
auf zur Werft, um 09.30 Uhr sollen wir da sein. Sind wir auch fast, aber in
Portugal gehen die Uhren noch anders als in Bayern und so dauert es bis 11.55
Uhr bis wir endlich aus dem Wasser sind. Geschafft, ohne Probleme! Wir dürfen
während des Kranens sogar an Bord bleiben, schon ein Erlebnis, aber eigentlich
keine große Sache.
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| Ein Biotop |
Der Kran fährt uns auch gleich zu unserem Stellplatz für die
nächsten drei Wochen. LENI wird aufgepallt, d.h. auf Holzklötze gestellt und
vorne und hinten abgestützt. Innerhalb von fünf Minuten sind wir in die Werftgemeinschaft,
vorwiegend Franzosen, aber auch Deutsche, Holländer, Kanadier etc. integriert
und für die Jungs heißt es: Her mit den kleinen Französinnen, Charlene und
Toscane, zwei süße Blondinen, warten schon auf sie.
Am 28. heißt es Abschiednehmen, Petra
und die Buben machen Urlaub und fliegen nach München, der Kapitän bleibt an
Bord und kümmert sich, hoffentlich nicht allzu bekümmert.