Dienstag, 8. November 2016

Madeira – Kleinod im Atlantik

Von den 5 1/2 Stunden Fahrt nach Madeira können wir sogar 50 min. segeln, was für ein Fortschritt. Die Marina Quinta do Lorde liegt ganz im Osten der Insel und wird bewacht von der Mutter aller Felsspalten. Da fühlt man sich geborgen.

Aber man braucht ein Auto, welches wir gleich für vier Tage mieten. Auto heißt Stress, denn man muss es auch nutzen. Wir besuchen Funchal samt Obst- und Fischmarkt, Moränen waren gerade im Angebot, flanieren am den Hafen und sehen die berühmte Teleferico, von deren Bergstation man sich mit den ebenso berühmten Carreras, Holzschlitten, mit denen man sich von zwei Folkloresteuermännern wohl behütet bergabwärts kutschieren lassen kann. Ein Thrill der besonderen Art für alte weisse Männer mit Herzschrittmachern und deren Damen. Wir lassen es sein, denn mit dem kleinen Skoda, der die Bergstraßen, die so eng sind, dass fast alle Autos auf der linken Seite verkratzt sind, teilweise nur im ersten Gang schafft, haben wir besseren Nervenkitzel for free.

Im August hat ein Brandstifter Madeira angezündelt, drei Menschen sollen dabei umgekommen sein und eine Schneise der Verwüstung oberhalb von Funchal hinterlassen, nicht zu fassen. Nicht auszudenken, wenn das Feuer die Stadt erfasst hätte. Funchal liegt in einem Wolkenloch, hier scheint die Sonne öfters als in den anderen Inselteilen. Die Berge sind über 1800 m hoch, hier bleiben die Wolken hängen und regnen ab. Deshalb ist die Insel so grün, ganz anders als Porto Santo.

Jeden Tag kurven wir, nach der Schule versteht sich, die Insel hoch und runter bis die Kupplung qualmt. Die Madeirianer scheinen sehr sozial zu sein. In Santana im Norden stehen laut Touriinfo typische Hüttchen, man hat sie wohl extra aufgebaut, dass dieses Kaff auch am Touristenstrom teilhaben kann.
 
Auf den Pico do Areiro mit seinen 1818m  kommt man mit dem Auto, der Papa hätte sich angesichts der Touristenmassen mit Grausen abgewendet, und wir tun das angesichts des Nebels auch aber wenigstens waren wir da.
 
Westlich von Funchal gibt es am Cabo Girao eine gläserne Aussichtsplattform, die einen spektakulären Blick nach unten und über die Küste ermöglicht. Noch spektakulärer ist das Restaurant 100 Höhenmeter tiefer mit tollem Ausblick und kaltem Bier. So bekommt jede Ecke etwas von den Touristen ab.
 
 
Aber schön ist es trotzdem, eine ganz andere Welt, wo Ananasbananen am Straßenrand wachsen und es Paradiesfrüchte in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt.

So ist die Woche ruckzuck um, noch schnell wieder mal das Kinderklo entstopft und schon geht’s weiter nach Teneriffa.


Mittwoch, 2. November 2016

It´s a long way to Madeira

Am späten Vormittag motoren wir nach Südwesten, 3-4 Tage bis Madeira, unser bisher längster Trip. Der Wetterbericht ist positiv, wenn auch sehr wechselhaft. Die Ausläufer des Hurricane Nicole ziehen ab, es soll ruhiger werden, bis nächste Woche das nächste Tief kommt. Beim Segelsetzen ist noch alles o.k., aber wir waren vier Wochen nicht mehr auf See, da müssen erst wieder Seebeine wachsen. Am Abend sind sie noch nicht gewachsen, die Crew hängt über der Reeling bzw. über dem Eimer. Petra erholt sich schnell, Lausi am nächsten Tag und Leander ist das Schlußlicht, alles streng nach Seniorität. Aber dann passt wieder alles und wir sind bereit Flüchtlinge aufzunehmen.

Der erste kommt um 03.00 Uhr in der Früh, völlig entkräftet und zutraulich wie ein kleines Kätzchen. Aus humanitären Gründen lockern wir die Bewachung und ignorieren die gesetzliche max. Personenkapazität auf der LENI, wir haben zeitweise um die zehn kleine Vögelein an Bord, wie Leander sich auszudrücken beliebte. Sie sind unglaublich zutraulich, sie haben das wohl schon öfter durchgezogen.
 
Der Rest der Reise besteht aus Segel rauf und Segel runter, Motor an und Motor aus, Trinken, Essen und Schlafen. Aufgrund der wechselhaften Bedingungen stellt sich nur selten eine schöne lange Atlantikwelle ein, aber unter dem Strich läuft alles bestens und spät am Abend des 29.10. fällt unser Anker im Hafen von Porto Santo, einer Madeira vorgelagerten Insel.

Ich gratuliere meiner Crew mit der Bemerkung: “Das war jetzt eine ¼ Atlantiküberquerung“. Mei, haben die geschaut.
 

Am nächsten Mittag folgt uns die Tweeny, die einen Tag vor uns in Gibraltar gestartet ist. Wir verbringen drei Nächte auf Porto Santo, erkunden die Ortschaft Vila Bareira und verewigen uns auf der Kaimauer, ganz so wie es die Seefahrersitte verlangt.
 

Am 01.11. ziehen wir die 30sm weiter nach Madeira, sichern die LENI eine Woche in der Marina Quinta do Lorde und erkunden die Insel.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Werftjahre sind keine Herrenjahre (frei nach E. Pröls)

Die Werft Rosa, Cabral & Soares liegt auf einer Landzunge auf dem Gelände des Fischereihafens. Außer einer Trinkbude und der Fischergaststätte gibt es hier nichts und selbst dahin läuft man über 10 Minuten. Da ich allein eh nicht gern essen gehe, verbringe ich deshalb meine Abende entweder allein – bekommt mir sehr gut – oder in Gesellschaft der Werftgemeinschaft – bekommt mir weniger gut.



Die Sanitäreinrichtungen bestehen aus zwei Containern, einer für Weiblein und einer für Männlein, weitere Genderbestrebungen sind noch nicht vorgedrungen. Wir Männer teilen uns eine Toilette und eine Dusche, die meistens besser aussieht als die des angeblich saubereren Geschlechts. Ich kann damit leben.

Wir bekommen ein neues Antifouling, einen Unterwasseranstrich, der den Bewuchs des Rumpfes verhindern oder zumindest verzögern soll,
 


es gibt einen Ölwechsel des Saildrives mit neuen O-Ringen, das kann man nicht im Wasser machen, die Opferanoden werden erneuert, die Rettungsinsel bekommt einen Service, der Propeller der kleinen LENI, den ich mir mit Ralf verbogen habe, wird repariert und die große LENI aufpoliert.

Apropos Ralf, nachdem Petra und die Kinder wieder wohlbehalten zurück sind besuchen wir Ralf und Jacqueline samt Freundin Betty und der wirklich legitimen Nachfolgerin von Akki, der wirklich süßen Lucky. Der Tag wird ein voller Erfolg. Die beiden wohnen sehr schön an einem der imposantesten Abschnitte der Algarveküste. Ralf hat bestens aufgegrillt und die Kinder freuen sich auf die versprochene Gocart-Rennbahn. Ich erinnere mich gerne an diesen Tag, auch weil ich mich noch erinnern kann, und Ralfs Bemühungen um zwei in der früh widerstanden habe, noch länger zu bleiben.
 


Weil die Arbeiten noch nicht teuer genug sind, entschließen wir und kurzfristig noch etwas Farbe ins Spiel zu bringen, weiß und blau, das passt.
 
Am 25.10. geht’s wieder ins Wasser und am nächsten Tag gleich weiter nach Madeira,
rd. 450sm liegen vor uns.

 
 

Montag, 10. Oktober 2016

Wir schmecken den Atlantik

Um durch die Straße von Gibraltar zu kommen, muss man rechnen. Ohne Atlantik würde das Mittelmeer austrocknen und so fließen jeden Tag beachtliche Mengen von Atlantikwasser ins Mittelmeer. In der Spitze erreicht diese, für uns Gegenströmung, 2kn. Dazu kommt der Gezeitenstrom, der je nach Mondphase zwischen 1,5 und 3 kn stark ist. Das heißt wir müssen den Gezeitenstrom in den Atlantik nutzen, um zumindest die immer herrschende Grundströmung einigermaßen auszugleichen.

Der Abgang ist demgemäß, sollten meine Berechnungen stimmen, am 09.09. um 11.50 Uhr. In der Bucht von Gibraltar kocht das Wasser und wir ziehen mit zwei Motoren durch. In der Straße angekommen pfeift es uns mit 27kn Wind, entgegen der Vorhersage, auf die Nase. Aber die Berechnungen passen und so ist die Straße von Gibraltar exakt um 15.15 Uhr Geschichte. Wir sind im Atlantik.

Leider begrüßt uns der Atlantik mit atlantikuntypischen Wellen und beschert uns eine wackelige Weiterfahrt. Am Abend erreichen wir Barbate, ein unschönes Kaff mit unschönem Hafen, von dem man sich auch noch einen Wolf läuft, um in die Stadt zu kommen. Die Bedingungen sind gut, wir ankern vor dem Hafen.

Am nächsten Tag geht’s auch gleich weiter bis Cadiz, wo wir vor Porto Sherry in der Playa de la Puntilla vor Anker gehen. Die Kinder machen zum Abendessen Pfannkuchen, geht doch, danach wird mit der Oma telefoniert und zum Geburtstag gratuliert.

Petra und ich wollen Ruhe und beschließen den nächsten Tag zu versandeln und dafür eine Nachtfahrt einzulegen. Nach dem Abendessen geht’s um 21.25 Uhr los nach Ayamonte. Leander und ich halten die erste Wache, um 02.00 Uhr ist Petra und Lausi, der dann doch lieber weiterschläft, dran. Na gut, der Leander hat auch ein bisschen geknackt. Als ich gerade entschlummern will weckt mich meine völlig aufgelöste beste Hälfte. Wie von der Tarantel gestochen springe ich hoch, den nahen Untergang vor Augen. Was ist passiert?

Ein Schiff der spanischen Marine hat sich unbeleuchtet von hinten an Petra angeschlichen und, als es bis auf 10m dran war, alle Scheinwerfer taghell auf sie gerichtet. Den Schock kann man sich wahrlich vorstellen. Die kleinen Culos haben sicher ganz toll gelacht, welch ein nettes Späßchen, meine Kleine derart zu erschrecken. Ich habe sie schnell getröstet und bin dann schnell wieder ins Bett. Wir machen Wachwechsel alle drei Stunden, das klappt bisher ganz gut. Auch der Rest der Fahrt ist recht unterhaltsam, viele Frachter liegen hier auf Reede und Fischer kreuzen wie die Wilden hin und her. Dazu kommen unzählige Fischerbojen, die man bei Tags schon nicht richtig sieht und in der Nacht keine Chance hat, ein Wunder, dass wir uns keine gefangen haben.
 

 
Um 10.30 Uhr erreichen wir das Fahrwasser des Rio Guadiana, der Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal, und ankern schließlich um 11.15 Uhr vor Ayamonte auf der spanischen Seite. Die Strömung ist sehr stark, Lausi schafft es gerade kurze Zeit dagegen anzuschwimmen, und dreht uns alle sechs Stunden um 180°, egal woher der Wind weht.
 

Die Kindlein lassen uns erst mal schlafen, brav, abends geht’s dann in das hübsche, beschauliche Städtchen zum Sightseeing und Tapas schnabulieren. Wir bleiben noch einen Tag, kaufen eine portugiesische Flagge und machen nochmals die Tapas-Tour.

Am 14.09. heißt es: Schulbeginn, und das schon eine Stunde früher, da wir jetzt in Portugal sind. Da freuen sich die lieben Kleinen. Außerdem wollen wir weiter nach Culatra, das wir nach einem Zwischenstopp in Tavira am 15.09. gegen frühen Nachmittag erreichen. Culatra ist eine Insel, die den Atlantik vom Festland trennt und bildet dazwischen eine Lagune aus, die nur durch zwei Einfahrten erreichbar ist. Der Tidenhub beträgt hier 3m, so dass man, wenn man nicht aufpasst, am nächsten Tag auf dem Trockenen aufwacht. Wir haben aufgepasst.

 
Fischer von Culatra
Es ist hier unglaublich schön, ein echtes Highlight mit menschenleeren Stränden, Fischerkneipen und malerischen Sonnenauf- und Untergängen, wobei wir die Aufgänge nur vom Hörensagen kennen. Nur das doch etwas kältere Atlantiklüftchen trübt etwas die Idylle, man braucht abends schon dringend ein Jäckchen. Wir wollen hier acht Tage bleiben, um dann rechtzeitig zu unserem Werfttermin in Portimao zu sein. 
 
Die Tage vergehen wie im Flug, wozu auch mein alter Kumpel Ralf beiträgt, der zu Besuch kommt. Der Typ bringt doch tatsächlich einen Wodka-Melonen Likör mit, ekelhaft, süß und widerlich; und trinkt ihn auch noch. Er hat ihn „schnell noch an der Tanke gekauft, damit er was zu Mitbringen hat“. Wie früher, vor 30 Jahren, wenn wir auf eine Party gingen, ich werde wieder jung. Leider nur bis zu nächsten Morgen, da merke ich umso heftiger, dass ich nicht jung bin.

Leider heißt es am 24. Abschied nehmen, die Werft ruft. Um 09.45 Uhr ziehen wir den Anker hoch, um festzustellen, dass die gesamte Kette von Schlingalgen bewachsen ist. Nach 15 Min. hab ich sie rausgerissen und erwürgt. Gashebel vor, raus aus der Lagune und ab nach Portimao, das wir am späten Nachmittag erreichen. Wir ankern gleich hinter dem Wellenbrecher vor einem schönen Strand. Der nächste Tag ist Ruhetag, die Ruhe vor dem Sturm, denn morgen kommt der Riesenkran und hebt uns aus dem Wasser.

Um 08.15 Uhr sind wir schon auf und doch ein bisschen nervös. Noch ein Käffchen und ein Angstbieserl, dann geht’s auf zur Werft, um 09.30 Uhr sollen wir da sein. Sind wir auch fast, aber in Portugal gehen die Uhren noch anders als in Bayern und so dauert es bis 11.55 Uhr bis wir endlich aus dem Wasser sind. Geschafft, ohne Probleme! Wir dürfen während des Kranens sogar an Bord bleiben, schon ein Erlebnis, aber eigentlich keine große Sache.
 
Ein Biotop
Der Kran fährt uns auch gleich zu unserem Stellplatz für die nächsten drei Wochen. LENI wird aufgepallt, d.h. auf Holzklötze gestellt und vorne und hinten abgestützt. Innerhalb von fünf Minuten sind wir in die Werftgemeinschaft, vorwiegend Franzosen, aber auch Deutsche, Holländer, Kanadier etc. integriert und für die Jungs heißt es: Her mit den kleinen Französinnen, Charlene und Toscane, zwei süße Blondinen, warten schon auf sie.

Am 28. heißt es Abschiednehmen, Petra und die Buben machen Urlaub und fliegen nach München, der Kapitän bleibt an Bord und kümmert sich, hoffentlich nicht allzu bekümmert.

Donnerstag, 8. September 2016

Eine haarige Sache

Am 28.08. verlassen wir Cartagena. Der Plan sieht vor in längeren 1-Tages-Etappen zügig nach Gibraltar zu kommen. Insgesamt liegen rd. 250sm vor uns. Aber bereits am übernächsten Tag landen wir, nach einem Stopover in Aquilas, in der Bucht San Pedro bei Las Negras.

Hier ist Hippieleben angesagt und das steckt an. Langhaarige bevölkern die Bucht und das Hinterland, teils in selbstgebauten Hütten, teils Zelten oder nur unter Planen. Tiefenentspannung liegt in der Luft, jeder läuft rum, wie es ihm beliebt, es wird Musik gemacht, die man nur nach dem Genuss der selbstangebauten Gräser ertragen kann. Unsere Junghippies entdecken die Freikörperkultur, besonders Leander ist ganz angetan von den visuellen Reizen. Sie bauen sich auch einen Unterschlupf und nur mit Mühe gelingt es, sie nach drei Nächten weiter zu lotsen.

Die Fahrt am 01.09 ist dann ebenfalls sehr entspannt, unter Parasailor gleiten wir dahin und sehen so viele Delphine, wie noch nie. Wir haben uns zwar den örtlichen Gepflogenheiten in San Pedro nicht vollständig angepasst, trotzdem geht es mir nicht so wohl. Vielleicht waren in der frischen Luft nicht nur anregende Stoffe enthalten. Jedenfalls bleiben wir zwei Nächte in der Marina Almerimar, ein furchtbares Trabantenkaff, zum Auskurieren. Dafür gehen wir am 03.09. übernacht bis nach Fuengirola, das KuDamm gibt es immer noch, und erreichen Gibraltar, trotz der Hippieeskapaden, bereits am 05.09. gegen Abend. Jeden Tag haben uns Delphine begleitet, es ist immer wieder erhebend.
 

Gibraltar ist very british und genießt einen Zollsonderstatus. Diesel kostet gerade mal 50ct, Zigaretten 2,50€. Die Queensway Quai Marina liegt mittendrin, alles ist fußläufig erreichbar. Nur eines nervt: Alle fünf Minuten ertönt ein Hupton, wie wenn eine schwere Baumaschine rückwärts fährt. Da eine Baustelle nebenan ist, haben wir uns nichts weiter gedacht, bis wir gecheckt haben, das es sich um eine Verkehrsampel handelt, die bei „grün“ für Sehbehinderte in einer ohrenbetäubenden Lautstärke hupt. Auf meine Frage, ob die glauben, dass alle Blinden schwerhörig sind, orakelt  Petra, dass dies vielleicht besondere Ampeln für blinde Taubstumme sind. Ich hab dann nichts mehr gesagt.

 
Ansonsten geht es hier zu wie am Stachus, Gibraltar ist Kreuzfahrerland. Wir stehen bei gefühlten 40° im Schatten 1,5 Stunden in der britischen Warteschlange des Cable Cars, um auf den „Rock“ zu gelangen. Die Kinder wollen unbedingt die freilebenden Affen von Gibraltar kennenlernen, Petra natürlich auch (die sind sooo süß); ich habe ihre Bekanntschaft bereits vor fünf Jahren gemacht, die der Affen meine ich. Die Affen sind wirklich sehr süß und auch süßlich im Geruch und natürlich haarig. Gibraltars Taxifahrer verdanken Ihnen einen Großteil ihres Geschäfts, sie haben sogar für ihren Liebling eine Gedenktafel gestiftet. Von Leckerlies angestiftet springen sie dann sogar den Touris auf den Kopf, die Affen meine ich. Manche, die Touris meine ich, haben danach braune Streifen und Anzeichen von Nässe auf ihrem Haar und Hemd, ein herziger Spaß, den alle lieben. Sie lachen auch sehr pflichtbewusst, wenn die Äffchen ihre Taschen leer klauen, die sie sinnigerweise offen neben sich abstellen, um Selfies zu machen. By the way: Überall stehen Schilder, die vor diebischen Affen warnen.


Zurück in Town geht’s sofort ins Piccadilly auf ein british Ale, das haben wir uns verdient. Auch sonst ist Gibraltar eine willkommene Abwechslung und solange die Affen bleiben, bleibt Gibraltar british. God save the Queen.

Samstag, 27. August 2016

Heute abend Calpe vielleicht (nur der Luigi weiß warum)


Wiedermal um 06.00 Uhr aufstehen. Schön langsam wird das Stress. Um 07.00 Uhr sind wir dann soweit geistig gefestigt, um die Überfahrt nach Calpe anzugehen. Wind passt, leider ein bisschen zu wenig, Wetter passt, gut so. Wir laufen bis Mittag unter Genua mit Motor und setzen dann den Parasailor. Die nächsten Tage wollen wir Meilen fressen, aber Nachtfahrten vermeiden. Calpe ist rd. 60sm entfernt, um 18.15 heißt es: „Calpe, ich bin wieder da.“ Wir ankern wellengeschützt vor dem Hafen. Calpe ist noch schöner als vor 30 Jahren, typisch Costa Blanca halt. Kein Grund hier lange zu verweilen. Unser nächstes richtiges Ziel ist Cartagena, das fand ich schon vor fünf Jahren wirklich ansprechend. Also geht es am nächsten Morgen gleich weiter nach Torrevieja, wo man noch im Vorhafen ankern kann, eine Seltenheit in Spanien. Alles läuft wie geschmiert und am 23.08. erreichen wir, wie geplant Cartagena und legen direkt an der Uferpromenade vor der Altstadt an.



Es liegen drei Tage Arbeit vor uns mit Großeinkauf und Bootskomplettreinigung. Dringend brauchen wir Nespresso-Kapseln, deren Verkaufsstellen seit Griechenland spärlich gesetzt sind. Am nächsten Tag ziehen Petra und ich mit dem großen Rucksack los, während die jungen Herren den Swimmingpool aufmischen. Wir verbinden den Marsch von rd. 2,5km zum Corte Ingles, ein großes Kaufhaus, das die Nespresso.Boutique beherbergen soll, gleich mit einer Stadtbesichtigung. Mich interessieren v.a. die Tapas-Kneipen. Die Damen der Nespresso-Boutique sind nicht die Aufgewecktesten und erklären uns, nachdem wir 1700 Kapseln geordert haben, dass an „Laufkundschaft“ nur 100 Kapseln verkauft werden dürfen. Offensichtlich halten sie uns für Nespresso-Dealer. Nach ein bisschen guten Zureden und zig Telefonaten mit Wemweißich klappt es dann doch und ich schleppe die 1700 Kapseln zur nächsten Cerveceria. Das habe ich mir verdient. Positiverweise liefert der Supermarkt im Corte Ingles ab einer Einkaufssumme von € 100.-, für uns ein Klacks, kostenfrei in den Hafen. Das erledigen wir aber morgen.

 













Gegenüber vom Liegeplatz ist ein Burgerking, Unsere Kinder sind wie alle, wir müssen da rein. Als ich in den exquisiten Whopper beiße, kommt mir eine Idee, deren Umsetzung mir den Unmut einer ganzen Generation von Supermüttern zuziehen wird. Petra und ich gehen morgen alleine schön essen, die vernachlässigten Kinder bekommen ein Burgermenü und dürfen danach bis in die Puppen fernsehen, grandios. Petra meint, das werden sie nicht wollen, aber als ich den Vorschlag kundtue, ernte ich nackte Begeisterung. Die Tapas-Bars sind authentisch und gut, anschließend gibt’s einen Absacker an der Uferpromenade. Wir haben das gleich zweimal durchgezogen, Asche auf mein Haupt, aber es wars wert.

Fünf Tage in Cartagena vergehen wie im Flug, am 28.08. brechen wir auf, weiter nach Westen.

Sonntag, 21. August 2016

Hola Balearen, ein Hoch auf die Saison

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Als am 30.07. der Wind endlich eine Überfahrt nach Menorca zulässt, hauen wir uns als passionierte Frühaufsteher bereits um 05.30 Uhr aus den Betten, zu früh für die Sonne, es ist noch dunkel und in der flachen Fornelli-Passage zwischen Sardinien und der Insel Asinara sollte man besser was sehen. Wir legen uns noch eine halbe Stunde aufs Ohr und starten bei Sonnenaufgang um 06.55 Uhr. Die Fornelli-Passage geht wie geschmiert und in bester Laune bringe ich direkt danach zum ersten Mal unsere, von Pralle erstandene, Schleppangel aus. Ca. 100 Meter Angelschnur sollte man geben haben mir erfolgreiche Thunfischjäger erklärt. Als ich so Schnur gebe denke ich mir, dass da ganz schön Zug drauf ist, der Köder ist nur 20cm lang. Wie soll ich da jemals einen Fisch reinkriegen, wenn das jetzt schon so schwer geht. Also hole ich die Angelschnur wieder ein. Nach ungefähr der Hälfte sehe ich ein Fischlein springen, da hängt doch tatsächlich schon einer dran. Aber nicht sehr lange dann hat er sich irgendwie befreit. Jetzt geht das Einholen sehr leicht, das muss ich wohl noch Üben. Aber kein Problem, hier scheint es ja von Fischen zu Wimmeln. Also wieder 100m raus, bis zum jetzigen Tag hat natürlich keiner mehr gebissen. Ich muss die Angel waschen, da klebt offensichtlich noch etwas Pralle-Anglerglück dran.


Mal Motoren wir, dann Segeln wir wieder, alles geht bestens. Am Nachmittag wird eine Badepause bei 2500m Tiefe eingelegt, abends gibt es Kartoffelgulasch und danach Bud Spencer und Terence Hill, das hat sich auf Überfahrten bewährt. Auch die Nacht verläuft problemlos und so landen wir nach 36 Stunden um 19.00 Uhr im Naturhafen von Mahon, übrigens, nach Pearl Habour, der zweitgrößte der Welt. Leider gibt es dort nur noch eine Bucht, in der man frei Ankern darf. Dort werden wir von den „Tweenys“ begrüßt und parken hinter ihnen, die Bucht ist rammelvoll, Hochsaison.

Mahon ist klein und hübsch, ganz anders als auf Sardinien, irgendwie gepflegter. Das Sightseeing geht drum auch recht zügig, so dass auch genügend Zeit bleibt für die originäre Kultur, den Besuch einer Bodega mit entsprechender Weinprobe. Die Kinder kaufen sich derweil von ihrem Taschengeld Pistolen und terrorisieren den Platz vor der Bodega. Der Supermarkt ist das Beste, was wir bisher gesehen haben und nebenan gibt es einen Metzger, der verkauft Secreto Iberico, die ultimative Hammersau für den Grill. Ich bin zufrieden.

Trotzdem, auch weil der Ankerplatz nicht so das Wahre ist, gehen wir mittags am 02.08. Anker auf, wir wollen die tollen Buchten im Süden von Menorca sehen. Die „Tweenys“ haben uns bereits vorgewarnt und es ist so. Jede Bucht ist zum Brechen voll und zudem meist mit kostenpflichtigen Bojen ausgelegt. Schön sind sie aber schon. Wir fahren an der Südküste gegen Westen, denn viele sind hier Tagesausflügler aus Mahon, die großen Motoryachten zischen permanent an uns vorbei und schütteln uns jedes Mal richtig durch; von Krise keine Spur. Um 17.45 erreichen wir die Cala Macarella, laut Revierführer eine der schönsten Calas von Menorca. Auch hier steppt der Bär, aber man kann frei Ankern. Eine Stelle vor einer Megayacht ist tatsächlich frei, da traut sich wohl keiner so nahe ran, aber die Yacht hängt an Landleinen, kann sich also nicht bewegen.

Wir hauen unseren Anker direkt vor sie rein. Wie gesagt, die Bucht ist schön, das Wasser glasklar, aber dauernd sausen Motorboote um einen rum, nach den Traumbuchten von Sardinien irgendwie ein Abstieg. Wir beschließen, so schnell wie möglich nach Mallorca zu gehen. Dazu braucht es nördlichen Wind, wir haben Südlichen. Der Wind wird auch leicht stärker und die Wellen höher. Die Kinder freuts, sie stehen am Heck und warten bis die Welle das Heck hebt und sie mit Katapultwirkung ins Wasser springen können. Das Ganze ist auch nicht weiter schlimm, weil die Welle mit dem Wind kommt und so die Bootsbewegungen harmonisch bleiben. Hauptsache die Gläser bleiben auf dem Tisch stehen.


hart arbeitende Matrosen
Am 05.08. dreht der Wind auf Nordost und frischt auf. Darauf haben wir gewartet. Noch in der Bucht überlege ich das Großsegel vor Anker zu setzen, das geht besonders einfach, lasse es dann aber doch bleiben; erstmal sehen, wie es draußen so zugeht. Gut getan, der Wind kommt genau von achtern, das mag die LENI mit Großsegel gar nicht, und frischt auf bis 38kn, das sind 8 Beaufort, also stürmischer Wind. Wir segeln nur unter Genua mit bis zu 9,3kn Speed. Bei viel Wind gibt’s auch Wellen und das nicht zu knapp. Im Laufe des Tages stabilisiert sich der Wind bei 20-25kn und die Wellen werden harmonischer. Wir fahren im Schnitt 6kn, das passt. Nach rd. sieben Stunden erreichen wir Porto Colom, ankern im Vorhafen neben der Walker, essen, v.a. Kay, die den Kindern versprochenen Pfannkuchen und schlafen bald ein.

Man beachte das Etikett
Porto Colom ist cool. Kein Halli Galli Malle wie erwartet, sondern nette Cafes, Bars und gute Restaurants. Der Ankerplatz ist voll coolem Seegras, zum Ankern eher uncool und sehr voll. Am nächsten Morgen weckt uns Kay, er will Kaffee. Als wir so sitzen kommt der Nachbar immer näher, wir slippen. Gut, dass es mittags nicht so voll ist, wir finden einen schönen Sandflecken, jetzt hält der Anker sicher. Fünf Minuten später slippt die Walker, aber auch die ist bald gerettet. Nicht mehr zu retten ist unser Tube-Reifen, ein Spaßgerät zum Nachziehen hinter dem Schlauchboot. Leander befestigt ihn, nach Rücksprache mit Kay, mit einem Webeleinsteg an der Badeleiter. Hätte er den Kapitän gefragt, hätte er erfahren, dass ein Webelein dazu nicht taugt. Jetzt weiß er es und ein anderer freut sich über das Teil. Gleich neben unserem Ankerplatz befindet sich eine Badeplattform mit Rutsche ins Meer, die Kinder freuts und die Eltern auch. Gefreut hat sich auch Dr. Roman, bei dem wir uns unsere zweite Hepatitisspritze geben lassen, er ist jetzt sage und schreibe € 600,- reicher. Also haben wir uns alle gefreut und viel Spass in Porto Colom.

Am 10.08. fahren wir in Begleitung der Walker nach Caragol auf die Südseite Mallorcas, der Anker fällt auf einen Sandflecken zwischen Felsen. Am nächsten Tag beobachten wir über eine Stunde die verzweifelten Versuche eines Katamarans, den Anker aus den Felsen wieder frei zu bekommen. Am Ende klappt es doch noch, aber erst, als sie den Anker von der Kette los gemacht haben. Prost Mahlzeit, hoffentlich blüht uns das nicht auch. Viele Andere haben auch Probleme, Zeit abzuhauen, so besonders ist es hier eh nicht. Auch unsere Kette hat sich zwischen den Felsen verklemmt, aber nach ein bisschen hin und her ist sie frei.

Bereits eine Stunde später liegen wir vor Es Trenc, einem der Traumstrände Mallorcas. Glasklares Wasser, endloser Sandstrand mit Chillbuden und ca. 200 Yachten und 5000 Leute am Strand. Aber zum Sundowner sind die Strandbesucher alle wieder weg, hier gibt es nämlich keine Hotels. Dann wird es in der Chillbude richtig lässig, mit den Füssen im Sand, den Sangria in der Hand. Am nächsten Morgen ist es dann nicht mehr ganz so lässig, der Sangria sitzt im Schädel, wie die Algen am Schiffsrumpf. Dabei war es gar nicht so viel. Wir bleiben vier Tage und wiederholen das Spiel.
 

Sa Ponca im Südwesten der Insel eignet sich ideal als Absprungort nach Ibiza. Am Abend des 15.08. fallen wir dort ein, jetzt sind wir auf Malle. Große Hotelkomplexe umrahmen die Bucht, das Wasser ist nicht mehr so klar. Bei unserem ersten Landgang laufen wir nach bereits fünf Minuten nichtsahnend der Katze in die Hände. Na ja nicht direkt, aber Daniela Katzenberger hat hier ihr Cafe. Wer glaubt, das ist schon schlimm genug, steht nach weiteren fünf Minuten vor dem König von Mallorca, Jürgen Drews. Man kann sich sicher lebhaft vorstellen wie der Rest des Nests und das Publikum aussehen. Aber das Bier ist billig und der Geist ist schwach.

Nach drei Tagen passt der Wind, Abgang, Kurs Ibiza. Wir wollen die Westseite in zwei Tagen runterziehen, um die ideale Position für die Überfahrt aufs spanische Festland nach Calpe zu haben. Der Norden Ibizas empfängt uns mit einer ruhigen Ankerbucht, es sollte die erste und letzte sein. Bereits am nächsten Morgen zerreißt uns ein aufmerksamer Motorbootfahrer die Angelschnur, weil er unbedingt knapp hinter der LENI durchziehen muss. 100m Schnur und zwei Köder sind weg. Ich wünsche ihm viel Freude, das Zeug wieder aus seiner Schraube rauszupulen. Die Buchten hier sind etwas für Genießer, Genießer von allem, was sich hinter Motorbooten nachziehen lässt oder von Jetskis oder was sonst noch laut ist, stinkt und durchs Wasser fährt. Die besondere Gaudi dabei ist, das im Ankerfeld zu machen und Schwimmer zu jagen. Ohne Taucherboje, der man sich nur auf 300m nähern darf, geht mir keiner mehr ins Wasser. Aber auch das beruhigt nicht wirklich. Komischerweise gefällt es uns aber sehr gut, wir drehen die Stereoanlage auf und integrieren uns. Die Buchten sind ansonsten wirklich in den schönsten Karibikfarben, wir haben sogar einen Rochen direkt am Boot vorbei schwimmen sehen.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Letzter Schultag, Alltag und letzte Tage auf Sardinien

Einkaufen muss auch sein, wir fahren nach Palau. Dort passiert es uns zum ersten Mal, dass der Anker, auch nach mehreren Versuchen, nicht hält; wir hängen uns an eine Boje. Abends essen wir in Palau und gehen am nächsten Tag nach Porto Puddo, eine schöne, tiefeingeschnittene Bucht im Norden Sardiniens. Diesmal brauchen wir vier Ankerversuche, dann hält er.

Heute, am 17.07. ist es geschafft: Letzter Schultag und damit große Ferien. Auch sonst sind wir längst im Alltag angekommen. Das bedeutet neben Wetterbeobachtung und daraus resultierender Entscheidungen, Schule, Einkaufen, Putzen, Waschen, Kochen etc. Das meiste Leben spielt sich draußen auf unserer Terrasse und im Salon ab.
 
 

Schule wird jeden Tag gemacht, wenn es die Verhältnisse zulassen. Auch glaubt man kaum, wie staubig es auf einem Boot in kürzester Zeit wird, ich habe immer geglaubt, die Luft auf See ist nahezu staubfrei. Wenn Südwind herrscht und es dann noch regnet, kommt goldener Sand aus der Sahara runter, eine Riesensauerei. Unser Kühlschrank ist leider zu klein, so dass wir jede Woche Einkaufen müssen, die Schlepperei kann man sich vorstellen. Petras Liebling ist ihre pinke Campingwaschmaschine, sie kann Stunden mit ihr ganz allein verbringen.

Das Strandleben in Porto Puddo hat uns drei Tage fest im Griff, Leander und ich haben unsere ersten Seeigelstachel schon hinter uns. Nikolaus findet trotzdem noch Zeit unser Edelstahl zu polieren, jetzt glänzt es wieder schön.

Schön langsam wird es Zeit Sardinien zu verlassen, die Balearen rufen. Da aber überwiegend Westwind herrscht, wir müssen nach Westen, kommen wir nur langsam vorwärts. Am 20.07. laufen wir in Porto Pozzo ein, wieder hält der Anker nicht und eine Boje muss her. Abends speisen wir in einem typischen Ristorante direkt am Strand. Als der Alleinunterhalter antritt runzeln wir noch etwas die Stirn, aber der junge Typ hat mit sich Spaß und färbt auf die Gäste schnell ab, die sich zu späterer Stunde fast darum streiten, wer als nächster ins Micro singen oder auch grölen darf. Eine echte Gaudi, sie geht bis um drei in der Nacht.

Endlich soll der Wind nach NO drehen und wir erreichen am 22.07. nach einem Zwischenstopp am Capo Testa das Städtchen Castelsardo, das wie ein Schwalbennest am Fels klebt. Wir machen uns hier fertig für unsere Überfahrt nach Menorca, d.h. Bootputzen, Waschen, Einkaufen, Volltanken. Natürlich bleibt auch Zeit für eine Besichtigung, ganz oben am Fels thront eine Burg. Die Besichtigung kostet natürlich und Leander will danach lautstark sein Geld zurück; zu Recht, denn innen dienen 90% der Räume einer Vernissage und das verachtenswerter Weise sogar ohne Schampus.

Am 25.07. motoren wir in die Bucht Pelosa bei Stintino und warten hier auf ein günstiges Wetterfenster für die Überfahrt nach Menorca.