Am 06.10. um 11.00 Uhr legen wir ab, es liegen
rd. 30sm bis Kyparissia, dem nächsten Unterschlupf, vor uns. Der Himmel ist
blau, der Wind kommt mit moderaten 15 – 20kn von achtern. Das schreit nach dem
Spinnaker. Cool, wie wir beide nun mal sind, setzen wir ihn völlig unaufgeregt
und er steht wie eine eins. Beim Autopilot aktiviere ich die
Windfahnensteuerung, d.h. LENI folgt nun nicht mehr einem festen Kurs, sondern
dem Windeinfallwinkel. Das entspannt, weil man bei Winddrehern nicht aufpassen
muss, dass der Spi in sich zusammenfällt. Um 16.30 Uhr bergen wir das Segel und
liegen bereits um 16.50 Uhr längs am Kai von Kyparissia zusammen mit Frankreich
und der Schweiz. Der Franzose hilft uns mit den Leinen und ich spreche mit ihm
deutsch, da ich ihn für einen, nicht zur EM fahrenden Holländer halte. Das
gefällt ihm naturgemäß sehr. Was müssen die auch ihre Flaggen in den gleichen
Farben machen. Geistesgegenwärtig krame ich meinen besten Französisch-Wortschatz
aus der hintersten Gehirnecke, nun lacht er wieder. Das Schweizer-Paar, Iris
und Robin spricht gottseidank deutsch und schon bald verlasse ich meinen Lausi
und sitze bei einem Bier auf ihrer Amel Super Maramu, einer Ketsch, die mir
schon immer gut gefallen hat. Wir unterhalten uns glänzend und verabreden uns
für später auf der LENI. Iris und Robin wollen auch nächstes Jahr nach Westen
und so ist bald klar, dass es ein längerer Abend wird, wir fachsimpeln viel, es
ist mal wieder schön.
Am nächsten Tag ziehen sie weiter gen
Norden und ich ziehe in die Steuerbordtoilette, die in letzter Zeit immer
schlechter abzieht. Kein Wunder, so wie es in den Schläuchen aussieht. Ich
liebe es. Lausi dagegen liebt seine Schularbeiten, wir machen den ersten
Englisch-Test. Da Kyparissia, zumindest im Hafenviertel, wie ausgestorben
wirkt, lassen wir uns am Abend von der Pizzeria Mythos (man spricht deutsch)
beliefern, Lieferadresse: Der Katamaran im Hafen. Es liegen nur noch zwei Boote
im Hafen, ein schwedischer Einrumpfer und wir, trotzdem rauscht der Pizza-Bote
an uns vorbei zum Schweden. Ich kann doch noch mit den Fingern pfeifen und so
bekommen wir unsere Pizza. Pech gehabt Schweden, wie bei der WM 2006. In
Griechenland ist es „in“, auf jede Pizza ein Kilo Käse zu schmeißen, wir
schaffen jeder nur eine halbe und werden die nächsten Tage davon zehren. Danach
gibt es „Zurück in die Zukunft“, hat Spaß gemacht.Kurz vor Mittag des 08.10. werfen wir die Leinen los, wir wollen in die rundum geschützte Bucht Navarinou mit dem Städtchen Pylos, um die angesagten 35kn Wind aus SO abzuwettern. Obwohl fast kein Wind weht, empfängt uns eine unangenehme Welle aus W, also genau von der Seite, so dass Lausi bald um ein Schüsselchen bittet. Ich setze ihn ans Steuer, die Schüssel wandert unbenutzt in den Schrank. Kurz vor Ormos Naravinou öffnet sich eine kleine wunderschöne Bucht, die leider nach Westen völlig offen ist. Gerne hätten wir hier noch eine Nacht verbracht bis das Wetter schlechter wird, aber die Einfahrt ist schmal und die Wellen brechen sich. Wir lassen das lieber, die Nerven werden es danken. Um 17.00 Uhr ankern wir im Westen von Navarinou, also gut geschützt vor den kommenden Stark-Winden aus SO auf 3,5m Tiefe ohne Landleine! Wir sind extra nicht in den Hafen, da der Kai sich von NO nach SW erstreckt und der Wind uns somit genau auf die Kaimauer gedrückt hätte. Da sitzt man dann in der Falle und kommt nicht mehr weg. Das Wetter ist schön und das Wasser hat noch über 26°, genau richtig zum nachmittäglichen Bad. Abends gibt’s ein Tiroler Gröstl aus den Restschweinen von Pyrgos, ein wahrer Prachtschmaus.
Der nächste Tag beginnt wiederum mit
einem Bad, das wir mit einer Besichtigung des Ankers verbinden. Das ist gar
nicht so toll. Der Anker hängt im Seegras und ich wundere mich, dass er beim
Einfahren mit 2000U/min gehalten hat. Wir ankern um und geben 35m Kette und
richtig Gas beim Einfahren. Optimal sieht der Anker beim Tauchgang immer noch
nicht aus, da der Boden lehmig und mit Seegras bewachsen ist, aber besserer
Ankergrund ist hier nicht zu finden. Darüber hinaus würde uns der SO-Wind weg
vom Ufer treiben, also besteht keine unmittelbare Gefahr. Aber noch ist ja
alles ruhig, genau richtig für einen Besuch des Städchens Pylos. Pylos ist sehr
hübsch mit einem Fort, das ursprünglich von den Venezianern erbaut und von den
Türken erweitert wurde. Es gibt einen guten Supermarkt, genügend Eis- und
Bierdielen und auch ein Festival, das am Montag beginnen soll. Den Abend
verbringen wir auf der LENI und warten auf den Starkwind aus SO. Der kommt auch
pünktlich mit bis zu 35kn und mit Spannung erwarte ich, ob der Anker sich nach
der Drehung wieder schön eingräbt und hält. Er hält, ich schlafe aber trotzdem
sehr unruhig, so dass ich am nächsten Tag so schlapp bin, wie es sich für einen
50jährigen gehört.
Wir schreiben den 10. Oktober und Lausi schenkt mir ein
selbstgemaltes, wirklich sehr schönes Bild von unserer LENI, das jetzt in
unserem Schlafzimmer hängt. Als weitere Geschenke gibt es Schauer, Gewitter und
Wind, aber auch vom Markt am Rosenkavalierplatz US-Rib-Eye und von Moni und
Franz Chateau Beychevelle 1985, zusammen ein harmonisches Gedicht. Als
Abrundung gönnen wir uns „Sie nannten ihn Mücke“, dann heiß es genug gefeiert
und um 23.00 Uhr ins Bett. Halt, ein verspätetes Geschenk gibts dann doch noch:
Um 03.00 Uhr in der Früh schreit der Ankeralarm. Der Wind ist auf 27kn
abgeflaut und kommt immer noch aus SO, trotzdem slippen wir nach NW. Komisch,
aber ich schau mir das mal in Ruhe an. Nach rd. 90m greift er wieder, ich
stelle den Alarm neu ein und lege mich wieder hin. Ich brauche meinen Schlaf,
ich bin ja nicht mehr der Jüngste. Um 04.00 Uhr wieder dasselbe, diesmal
braucht es rd. 150m bis wieder Ruhe ist. Die ist dann aber auch und ich habe
bis 10.00 Uhr schlafen können. Natürlich bin ich am nächsten Tag wieder
schlapp, das kann die nächsten Jahre ja heiter werden.
Der Wind hat mittlerweile auf NW
gedreht, es wird schwellig in der Bucht, genau die richtige Zeit, um in den
Hafen zu gehen. Der sollte eigentlich eine Marina werden, aber seit über 15
Jahren hat sich nichts mehr getan und er wird nun von einheimischen Booten und
Rostkähnen bis auf wenige Besucherplätze belegt. Es ist kein Platz mehr frei,
so dass wir an einem der Rostkähne längsseits gehen müssen. Das klappt wie am
Schnürchen, wir liegen gut, bis am Nachmittag der Besitzer kommt, der seinen
Dieselgenerator anschmeißt und uns die Abgase um die Nasen wehen. Wir wollen eh
Pylos erkunden, schauen, was es mit dem Festival auf sich hat und verziehen
uns. Leider weiß keiner der Hiesigen, was das Festival eigentlich sein soll und
es stellt sich heraus, dass es vom Tourismusverband organisiert wird und
sämtliche Touristen aus der Umgebung herangekarrt werden. Es gibt eine
Light-Show und ein Club-Zelt und irgendwie ist das Ganze ziemlich fehl am
Platz. Für morgen haben wir uns fest vorgenommen, das Fort zu besichtigen. Es
liegt auf einem kleinen Hügel und man kommt sofort ins Schwitzen, da es
tagsüber immer noch an die 30° hat. Die Festung wird von einer Mauer
umschlossen, am Eingangstor steht: Montags geschlossen. Nix wars mit Kultur,
dafür gabs Tzatziki und gegrillten Oktopus mit Sprite und Wein. Nun gut, in
dieser Gegend gibt es fast so viele antike Festungen wie Sand am Meer. Die
nächste packen wir. Als wir zurückkommen rummelt der Diesel, unser Nachbar
fängt wirklich an sein Boot zu streichen. Das Teil ist völlig verrostet, ich
hab gedacht, das geht nie mehr raus, aber kurz die losen Rostteile
weggeschliffen, Farbe drauf und die griechische Sanierung ist fertig. Fragt
sich nur für wie lange. Er erklärt mir sehr freundlich, dass morgen früh unsere
Seite dran ist und er uns nicht dreckig machen möchte. Das möchte ich auch
nicht und handle ihn auf die Ablegezeit 10.00 Uhr hoch. Passt uns eh gut.
Abends gehen wir wieder in das nette Restaurant vom Nachmittag und bestellen
uns ein Fischlein, genauer gesagt eine Dorade. Auf meine Frage, ob man hier
rauchen dürfe, das Nichtraucherzeichen hängt über meinem Kopf, ernte ich einen
verständnislosen Blick, natürlich darf man. Der nächste verständnislose Blick
kommt von Lausi, wie kann man nur, es ist doch das Verbotszeichen da. Ich
erkläre ihm, dass in Griechenland die Uhren anders ticken und das kein Verbot
ist, sondern ein unverbindlicher Vorschlag, genau wie die Helmpflicht. Jeder
fährt hier ohne Helm, so dass man mit Helm sicherlich sofort von der Polizei
aufgehalten würde, weil man sich verdächtig macht.
Am nächsten Morgen stehe ich pünktlich
an Deck, aber mein freundlicher Nachbar bremst mich, ich solle doch erst drei
Tassen Kaffee trinken. Unsere Backbordseite ist aber schon von seinen
Rostpartikeln übersät, wir legen um 10.30 Uhr ab. Gut, dass ein schöner NW-Wind
weht, gleich liegt der Rost im Meer. Da ich mittlerweile ein älterer seriöser
Herr bin, gehen wir gleich ins erste Reff und haben gut daran getan, außerhalb
der Bucht bläst es mit über 20kn. Das passt uns gut, wir kreuzen zwei Stunden
vor dem Wind nach Methoni an der Südspitze des ersten Fingers des Peleponnes.
Um
12.50 Uhr fällt der Anker auf 3m Tiefe und diesmal hauen wir fast 50m Kette
raus, was soll der Geiz.






















