Samstag, 17. Oktober 2015

Ab in den wilden Westen

Am 06.10. um 11.00 Uhr legen wir ab, es liegen rd. 30sm bis Kyparissia, dem nächsten Unterschlupf, vor uns. Der Himmel ist blau, der Wind kommt mit moderaten 15 – 20kn von achtern. Das schreit nach dem Spinnaker. Cool, wie wir beide nun mal sind, setzen wir ihn völlig unaufgeregt und er steht wie eine eins. Beim Autopilot aktiviere ich die Windfahnensteuerung, d.h. LENI folgt nun nicht mehr einem festen Kurs, sondern dem Windeinfallwinkel. Das entspannt, weil man bei Winddrehern nicht aufpassen muss, dass der Spi in sich zusammenfällt. Um 16.30 Uhr bergen wir das Segel und liegen bereits um 16.50 Uhr längs am Kai von Kyparissia zusammen mit Frankreich und der Schweiz. Der Franzose hilft uns mit den Leinen und ich spreche mit ihm deutsch, da ich ihn für einen, nicht zur EM fahrenden Holländer halte. Das gefällt ihm naturgemäß sehr. Was müssen die auch ihre Flaggen in den gleichen Farben machen. Geistesgegenwärtig krame ich meinen besten Französisch-Wortschatz aus der hintersten Gehirnecke, nun lacht er wieder. Das Schweizer-Paar, Iris und Robin spricht gottseidank deutsch und schon bald verlasse ich meinen Lausi und sitze bei einem Bier auf ihrer Amel Super Maramu, einer Ketsch, die mir schon immer gut gefallen hat. Wir unterhalten uns glänzend und verabreden uns für später auf der LENI. Iris und Robin wollen auch nächstes Jahr nach Westen und so ist bald klar, dass es ein längerer Abend wird, wir fachsimpeln viel, es ist mal wieder schön.


Am nächsten Tag ziehen sie weiter gen Norden und ich ziehe in die Steuerbordtoilette, die in letzter Zeit immer schlechter abzieht. Kein Wunder, so wie es in den Schläuchen aussieht. Ich liebe es. Lausi dagegen liebt seine Schularbeiten, wir machen den ersten Englisch-Test. Da Kyparissia, zumindest im Hafenviertel, wie ausgestorben wirkt, lassen wir uns am Abend von der Pizzeria Mythos (man spricht deutsch) beliefern, Lieferadresse: Der Katamaran im Hafen. Es liegen nur noch zwei Boote im Hafen, ein schwedischer Einrumpfer und wir, trotzdem rauscht der Pizza-Bote an uns vorbei zum Schweden. Ich kann doch noch mit den Fingern pfeifen und so bekommen wir unsere Pizza. Pech gehabt Schweden, wie bei der WM 2006. In Griechenland ist es „in“, auf jede Pizza ein Kilo Käse zu schmeißen, wir schaffen jeder nur eine halbe und werden die nächsten Tage davon zehren. Danach gibt es „Zurück in die Zukunft“, hat Spaß gemacht.

Kurz vor Mittag des 08.10. werfen wir die Leinen los, wir wollen in die rundum geschützte Bucht Navarinou mit dem Städtchen Pylos, um die angesagten 35kn Wind aus SO abzuwettern. Obwohl fast kein Wind weht, empfängt uns eine unangenehme Welle aus W, also genau von der Seite, so dass Lausi bald um ein Schüsselchen bittet. Ich setze ihn ans Steuer, die Schüssel wandert unbenutzt in den Schrank. Kurz vor Ormos Naravinou öffnet sich eine kleine wunderschöne Bucht, die leider nach Westen völlig offen ist. Gerne hätten wir hier noch eine Nacht verbracht bis das Wetter schlechter wird, aber die Einfahrt ist schmal und die Wellen brechen sich. Wir lassen das lieber, die Nerven werden es danken. Um 17.00 Uhr ankern wir im Westen von Navarinou, also gut geschützt vor den kommenden Stark-Winden aus SO auf 3,5m Tiefe ohne Landleine! Wir sind extra nicht in den Hafen, da der Kai sich von NO nach SW erstreckt und der Wind uns somit genau auf die Kaimauer gedrückt hätte. Da sitzt man dann in der Falle und kommt nicht mehr weg. Das Wetter ist schön und das Wasser hat noch über 26°, genau richtig zum nachmittäglichen Bad. Abends gibt’s ein Tiroler Gröstl aus den Restschweinen von Pyrgos, ein wahrer Prachtschmaus.
 

Der nächste Tag beginnt wiederum mit einem Bad, das wir mit einer Besichtigung des Ankers verbinden. Das ist gar nicht so toll. Der Anker hängt im Seegras und ich wundere mich, dass er beim Einfahren mit 2000U/min gehalten hat. Wir ankern um und geben 35m Kette und richtig Gas beim Einfahren. Optimal sieht der Anker beim Tauchgang immer noch nicht aus, da der Boden lehmig und mit Seegras bewachsen ist, aber besserer Ankergrund ist hier nicht zu finden. Darüber hinaus würde uns der SO-Wind weg vom Ufer treiben, also besteht keine unmittelbare Gefahr. Aber noch ist ja alles ruhig, genau richtig für einen Besuch des Städchens Pylos. Pylos ist sehr hübsch mit einem Fort, das ursprünglich von den Venezianern erbaut und von den Türken erweitert wurde. Es gibt einen guten Supermarkt, genügend Eis- und Bierdielen und auch ein Festival, das am Montag beginnen soll. Den Abend verbringen wir auf der LENI und warten auf den Starkwind aus SO. Der kommt auch pünktlich mit bis zu 35kn und mit Spannung erwarte ich, ob der Anker sich nach der Drehung wieder schön eingräbt und hält. Er hält, ich schlafe aber trotzdem sehr unruhig, so dass ich am nächsten Tag so schlapp bin, wie es sich für einen 50jährigen gehört.
 
Wir schreiben den 10. Oktober und Lausi schenkt mir ein selbstgemaltes, wirklich sehr schönes Bild von unserer LENI, das jetzt in unserem Schlafzimmer hängt. Als weitere Geschenke gibt es Schauer, Gewitter und Wind, aber auch vom Markt am Rosenkavalierplatz US-Rib-Eye und von Moni und Franz Chateau Beychevelle 1985, zusammen ein harmonisches Gedicht. Als Abrundung gönnen wir uns „Sie nannten ihn Mücke“, dann heiß es genug gefeiert und um 23.00 Uhr ins Bett. Halt, ein verspätetes Geschenk gibts dann doch noch: Um 03.00 Uhr in der Früh schreit der Ankeralarm. Der Wind ist auf 27kn abgeflaut und kommt immer noch aus SO, trotzdem slippen wir nach NW. Komisch, aber ich schau mir das mal in Ruhe an. Nach rd. 90m greift er wieder, ich stelle den Alarm neu ein und lege mich wieder hin. Ich brauche meinen Schlaf, ich bin ja nicht mehr der Jüngste. Um 04.00 Uhr wieder dasselbe, diesmal braucht es rd. 150m bis wieder Ruhe ist. Die ist dann aber auch und ich habe bis 10.00 Uhr schlafen können. Natürlich bin ich am nächsten Tag wieder schlapp, das kann die nächsten Jahre ja heiter werden.

Der Wind hat mittlerweile auf NW gedreht, es wird schwellig in der Bucht, genau die richtige Zeit, um in den Hafen zu gehen. Der sollte eigentlich eine Marina werden, aber seit über 15 Jahren hat sich nichts mehr getan und er wird nun von einheimischen Booten und Rostkähnen bis auf wenige Besucherplätze belegt. Es ist kein Platz mehr frei, so dass wir an einem der Rostkähne längsseits gehen müssen. Das klappt wie am Schnürchen, wir liegen gut, bis am Nachmittag der Besitzer kommt, der seinen Dieselgenerator anschmeißt und uns die Abgase um die Nasen wehen. Wir wollen eh Pylos erkunden, schauen, was es mit dem Festival auf sich hat und verziehen uns. Leider weiß keiner der Hiesigen, was das Festival eigentlich sein soll und es stellt sich heraus, dass es vom Tourismusverband organisiert wird und sämtliche Touristen aus der Umgebung herangekarrt werden. Es gibt eine Light-Show und ein Club-Zelt und irgendwie ist das Ganze ziemlich fehl am Platz. Für morgen haben wir uns fest vorgenommen, das Fort zu besichtigen. Es liegt auf einem kleinen Hügel und man kommt sofort ins Schwitzen, da es tagsüber immer noch an die 30° hat. Die Festung wird von einer Mauer umschlossen, am Eingangstor steht: Montags geschlossen. Nix wars mit Kultur, dafür gabs Tzatziki und gegrillten Oktopus mit Sprite und Wein. Nun gut, in dieser Gegend gibt es fast so viele antike Festungen wie Sand am Meer. Die nächste packen wir. Als wir zurückkommen rummelt der Diesel, unser Nachbar fängt wirklich an sein Boot zu streichen. Das Teil ist völlig verrostet, ich hab gedacht, das geht nie mehr raus, aber kurz die losen Rostteile weggeschliffen, Farbe drauf und die griechische Sanierung ist fertig. Fragt sich nur für wie lange. Er erklärt mir sehr freundlich, dass morgen früh unsere Seite dran ist und er uns nicht dreckig machen möchte. Das möchte ich auch nicht und handle ihn auf die Ablegezeit 10.00 Uhr hoch. Passt uns eh gut. Abends gehen wir wieder in das nette Restaurant vom Nachmittag und bestellen uns ein Fischlein, genauer gesagt eine Dorade. Auf meine Frage, ob man hier rauchen dürfe, das Nichtraucherzeichen hängt über meinem Kopf, ernte ich einen verständnislosen Blick, natürlich darf man. Der nächste verständnislose Blick kommt von Lausi, wie kann man nur, es ist doch das Verbotszeichen da. Ich erkläre ihm, dass in Griechenland die Uhren anders ticken und das kein Verbot ist, sondern ein unverbindlicher Vorschlag, genau wie die Helmpflicht. Jeder fährt hier ohne Helm, so dass man mit Helm sicherlich sofort von der Polizei aufgehalten würde, weil man sich verdächtig macht.

Am nächsten Morgen stehe ich pünktlich an Deck, aber mein freundlicher Nachbar bremst mich, ich solle doch erst drei Tassen Kaffee trinken. Unsere Backbordseite ist aber schon von seinen Rostpartikeln übersät, wir legen um 10.30 Uhr ab. Gut, dass ein schöner NW-Wind weht, gleich liegt der Rost im Meer. Da ich mittlerweile ein älterer seriöser Herr bin, gehen wir gleich ins erste Reff und haben gut daran getan, außerhalb der Bucht bläst es mit über 20kn. Das passt uns gut, wir kreuzen zwei Stunden vor dem Wind nach Methoni an der Südspitze des ersten Fingers des Peleponnes.
 
 
Um 12.50 Uhr fällt der Anker auf 3m Tiefe und diesmal hauen wir fast 50m Kette raus, was soll der Geiz.

Dienstag, 6. Oktober 2015

Wenn Engel reisen

Zwei Stunden motoren wir die Westküste von Zakynthos entlang nach Süden. Der Wind bläst stetig aus Ost, aber beim Gedanken an die Verhältnisse am Kap, fehlt mir jegliche Lust zum Segelsetzen. Wenigstens ist das Wetter herrlich und wir hoffen auf das Beste. Beim Runden des Kaps legt sich der Wind und schläft fast ein, ein untrügerisches Zeichen für einen Winddreher. Und wirklich, kurz danach dreht er auf Nord und frischt auf über 20kn auf. Damit ist Zakynthos-Stadt gestorben, da es natürlich im Norden liegt. Aber Katakolon, auf dem Festland des Peloponnes, liegt im Osten und dafür passt der Wind wie gemacht. Wir gehen ins erste Reff und ziehen mit über 7kn und angenehmer Welle dem neuen Ziel entgegen. Leider wird der Wind im letzten Drittel der Strecke schwächer und irgendwann ist er ganz weg, so dass wir die letzten Meilen motoren müssen. Katakolon hat einen rundum geschützten Hafen, genau das richtige, um meine landleinen-geschädigte Seele zu hegen und zu pflegen. Um 19.30 Uhr legen wir routiniert im Hafen an, geschafft, mir fällt ein Stein vom Herzen. Das Anlegebier mundet besser, als es ein August auf der Wiesn je könnte.

Katakolon ist ein kleines Nest mit rd. 600 Einwohnern und einem riesigen Hafen. Das hat einen Grund. Es ist nur rd. 30km vom antiken Olympia entfernt und jedes Kreuzfahrtschiff, das etwas auf sich hält, legt hier an. An manchen Tagen kommen bis zu fünf dieser Ozeanriesen und überschwemmen mit über 10.000 Leuten den Ort und natürlich auch Olympia. An diesen Tagen steppt hier der Bär, ansonsten ist es maustot. Alle möglichen Geschäfte leben nur von den Kreuzfahrttouristen, wobei die Verkäuferinnen eine Freundlichkeit und Unaufdringlichkeit ausstrahlen, die bewundernswert ist.

Als Kulturversessene müssen wir natürlich auch nach Olympia, wenn auch in der Ruhe die Kraft liegt, d.h. wir faulen hier erstmal zwei Tage rum und warten auf einen Tag ohne Kreuzfahrtschiff, Olympia wird es uns danken. Zumal wir auch einen Transfer organisieren müssen, da um diese Jahreszeit weder Bahn noch Bus nach Olympia fahren. Bleibt noch Taxi, ich kenne diesen Schlag aus meiner Familie, oder Mietwagen, für den wir uns entscheiden. Am 04.10. sind wir seelisch bereit, die lange Reise in Angriff zu nehmen. Kurz nach Mittag sind wir in Olympia und siehe da, nicht einmal ein Reisebus. Es war sehr erhebend in Ruhe diese historische Stätte zu besuchen und die braucht man auch, da nicht mehr viel steht und man die Atmosphäre auf sich wirken lassen muss.

Olympia war in der Antike ein Heiligtum und entstand im 11. Jahrhundert v. Chr. Die ersten regelmäßigen Spiele wurden nachweislich Anfang des 7. Jahrhundert v. Chr. ausgetragen. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurden die Bauten weitgehend abgeschlossen. Bedeutsam ist v.a. der Zeustempel, der eine 12m hohe Zeusstatue aus Elfenbein und Gold beherbergte, die zu den sieben Weltwundern der Antike zählte.
 

 
Am meisten hat uns aber das Stadion, obwohl nicht sonderlich imposant, beindruckt, in dem über 45.000 Zuschauer auf den umliegenden Graswällen Platz fanden. Wir haben uns auf die Zuschauerränge gesetzt und die Umgebung auf uns wirken lassen, ein tolles Erlebnis. Beide bewundern wir logischerweise noch besonders die rd. 10m hohe Statue der Nike, deren dreiseitiger Pfeiler etwa 30m südöstlich des Zeustempels steht. Die Statue selbst ist im naheliegenden Archäologischen Museum zu besichtigen, Nike scheint förmlich zu schweben.
 

Selbstverständlich hat uns dieser anstrengende Landaufenthalt ziemlich geschafft, so dass wir eine Stärkung in einem der zahlreichen Cafes des neuen Olympias nötig haben. Trotzdem schaffen wir es auf dem Heimweg noch die Stadt Pyrgos zu besichtigen, um dort in einer typischen Taverne am Spieß gegrilltes Schwein zu geniessen. Sofort sind wir von jugendlichen Kätzchen und ihrer Mama umringt, die Lausis halbe Portion wie Löwen verschlingen. Eine sieht aus wie Groucho Marx und nachdem sie Lausi aus unersättlicher Gier ein bisschen gekratzt hat, wird sie Josef Stalin immer ähnlicher.
Obwohl es sehr fett war, untersage ich mir eine flüssige Medizin, ich muss ja noch auf der Schlaglochpiste retour, aber Lausi und die Kätzchen bekommen ja auch keine. Um kurz vor neun sind wir zurück, trinken noch ein Schlückchen und skypen mit Petra und Oma.

Am nächsten Tag machen „wir“ noch ein bisschen Schule, verproviantieren und ruhen uns von den Strapazen aus.
 
Heute wollen wir mittags, wenn uns die Winde hold sind, weiter nach Süden ziehen. Leider steht mir das nächste Ungemach an, da meine wunderschöne Frau, wie macht sie das nur, Geburtstag hat und ich sie nicht liebkosen kann, wie ihr das gebührt. Mir wird's ganz eng ums Herz. Ich hab' so Zeitlang nach Dir, Du fehlst mir so sehr.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Sag niemals nie

Das Wetter war schön und zwei Flottillen haben uns den Abschied von Fiskardo erleichtert. Man muss sich das so vorstellen: Alles fängt mit dem Führungsboot ganz harmlos an. Es springen einige Gestalten heraus und versetzen die ganze Umgebung in helle Aufregung. Plätze für den Rest der Flottille werden gesucht, auf dem Steg wird herumgeschrien und –gefunkt und dann kommen die Schäfchen, meist so um die 10 Boote. Keiner weiß, was zu tun ist und so werden Anker wild vor den Steg geschmissen und sich dann kreuz und quer zwischen und vor die anderen Boote gelegt. Manche wissen auch nicht, dass sie einen Anker haben, Die Gestalten des Führungsboots versuchen derweilen mithilfe ihrer Schlauchboote größere Schäden abzuwenden. Danach werden Restaurants besetzt und den Schäfchen lautstark die weitere Planung erläutert. Wenigstens weiß man so, wo sie als nächstes hinfahren.

Also sind wir am 24.09. am Nachmittag raus, um eine gute Stunde später in der einsamen Bucht Kalo Limani den Anker auch so wild zu schmeissen, dass Lausi die Ankerbefestigung ins Meer gefallen ist. Wie durch ein Wunder finden wir sie wieder und ich weiß jetzt, das ich 12m tief apnoe-tauchen kann, dem Kurs auf Antipaxos sei Dank. Am nächsten Tag hat es uns eingeregnet, so dass Lausi sich schulisch auf den neusten Stand gebracht hat. Am Abend schauen wir Balduin der Trockenschwimmer mit Louis de Funes, es geht um ein Segelboot. Morgens hat sich das Wetter gebessert und wir sind weiter nach Poros unter Segel. Ich muss die ganze Zeit von Hand steuern, da der Wind ständig dreht und von 0 bis 20kn alles drin ist. Poros ist der erste Hafen, der nicht überfüllt ist. Es ist zwar nicht besonders malerisch, da auf Kefalonia fast alles von einem Erdbeben in den 50er Jahren zerstört wurde, aber dafür gibt es hier einen französischen Griechen mit einer wunderbar geschmorrten Lammhaxe. Wir bleiben zwei Tage mit Haxen satt.

Am Mittag des 28.09. nehmen wir Kurs auf unsere Bucht: Ormos Nikolaos auf Zakynthos.
 
 
Der Himmel ist fast wolkenlos und es ist so viel Platz, dass wir sogar längsseits an die Pier gehen können. So gehört sich das. Wir bleiben gerne länger, es gibt hier blaue Grotten, die einen Vergleich mit Capri nicht zu scheuen brauchen sollen und auch sonst ist alles griechisch unaufgeregt, zumindest, wenn die Ausflugsboote verschwunden sind.
Leider dreht am 30.09. der Wind auf NO und soll in der Nacht kräftig auffrischen. Nikolaos ist nach NO völlig offen und der Liegeplatz damit nicht zu halten. Wohin? Als Alternative gibt es nur Zakynthos-Stadt im Osten der Insel oder Port Vromi im Westen, wobei man sich von dem Wort Port nicht täuschen lassen sollte, es ist lediglich ein Ankerplatz. Da wir unbedingt die berühmt, berüchtigte „Wreck Bay“ im Westen der Insel besuchen wollen, das klassische Postkartenmotiv von Zakynthos, fällt meine Wahl, auch nach Gedankenaustausch mit Captain Dimitris, auf Vromi.
 
Dimitris besitzt hier eine Taverne und ein Ausflugsboot und alle auf Vromi sind beste Freunde, die mir eine Mooringboje geben werden. Zur Sicherheit gibt er mir seine Telefonnummer, ich kann ihn immer anrufen, wenn ich Hilfe brauche. Also ab zur „Wreck Bay“. Die aufkommende Brise verursacht Wellen, so dass wir es unterlassen bei den blauen Grotten zu ankern und sie uns von der LENI aus anschauen. Auf der Westseite von Zakynthos steht der alte Schwell aus NW, aber der ist mit uns und so weiter kein Problem. Als wir an der „Wreck Bay“ ankommen, können wir es gar nicht glauben. Wir sind allein, ganz allein. Na gut es stehen ziemliche Wellen in der Bucht und außer uns ist offensichtlich keiner so dreist hier zu ankern. Denkste, in den nächsten fünf Minuten kommen zwei Charterschiffe und drei Ausflugsboote.

Die Bucht ist ein absoluter Traum, links und rechts hohe Felsen und in der Mitte ein Sandstrand, drapiert mit dem Wrack eines Frachters. Da das Meer sehr aufgewühlt ist und die Karte hier nichts hergibt, ankern wir nicht zu nahe am Strand und schwimmen mit Flossen hinüber. Das war auch gut so, da die Wellen einen enormen Druck und auch Sog entwickelt haben. Wir sind über eine Stunde am Strand, haben das Wrack in Augenschein genommen und unsere Kräfte mit den Brechern gemessen, eine echte Gaudi, wie in alten Zeiten.
 
 
Gerne hätten wir die Nacht hier verbracht, aber die Verhältnisse lassen dies nicht zu. Vromi ist nur eine Stunde entfernt und um 18.00 Uhr sind wir in die gut geschützte Bucht eingelaufen. Dann der Schock: Frei Ankern ist nicht möglich, da es von Ausflugsbooten und kleinen Kuttern nur so wimmelt. Kaum zu glauben, da es hier keine Häuser gibt. Alle Mooringbojen sind besetzt und von den Leuten kennt keiner Dimitris. Was jetzt, der nächste sichere Platz ist mindestens fünf Stunden entfernt. In meiner Not rufe ich Dimitris an, ernte aber nur eine weibliche griechische Ansage, die mich nicht heiterer stimmt. Nachdem wir eine gefühlte Stunde auf der Suche nach einem Platz durch die Bucht gekurvt sind, spreche ich deutsche Segler an, die mir ihre Hilfe beim Legen der, bei unbeständigen Wetter verhassten, Landleinen anbieten. Wir müssen uns neben einen australisch-französischen Segler, quer hinter ein Ausflugsboot quetschen, so dass uns nur etwa fünf Meter zum Fels hinter uns bleibt. Mir sträuben sich alle verbliebenen Haare. Unsere Nachbarn sind auch sehr nett und helfen uns beim Ausbringen von zwei weiteren Landleinen, da hier in der Nacht gefährliche Fallböen niedergehen. Fazit: Rechts neben uns die Aussiefranzosen, schräg vor uns das Ausflugsboot und hinter uns der der Fels, eine echte Falle. Ich habe kein Auge zugetan.

Alles ist gut gegangen. In der Nacht sind heftige Fallböen von beiden Seiten gekommen und wir hatten engen Kuschelkontakt zu unseren Nachbarn, aber der Anker hat gehalten. Am nächsten Morgen hat sich nichts geändert, die Böen kommen unverändert stark und treiben uns von einer Seite auf die andere, während der Ausflugsdampfer knapp einen Meter vor uns hin und her tänzelt. Nach einem Blick in die Wettervorhersage, es soll die nächsten Tage munter weiter aus Nordost blasen, steht fest: Wir müssen hier raus, noch zwei weitere Nächte und ich kann mich in Bad Wiessee zur Schlafkur einweisen lassen, ein verlockender Gedanke. Das gestrige Problem hat sich aber leider noch verstärkt, Zakynthos-Stadt ist fünf Stunden entfernt und liegt auf der Ostseite, d.h. wir bekommen den Wind dann voll auf die Mütze, von den Wellen gar nicht zu reden. Aber alles ist besser als in dieser Falle zu sitzen. Ich entscheide, dass wir uns situationsbedingt verhalten, d.h. erst an der Westküste Zakynthos nach Süden, dann um Ak Keri herum Richtung Osten und dann schaun ma mal.

Aber erst steht uns noch das Anker-auf-Manöver bevor, das wird kritisch. Ich bitte die deutschen Segler neben uns, die Landleinen zu übernehmen, nur zu zweit haben wir keine Chance, da wir den Moment abwarten müssen bis der Wind das Ausflugsboot vor uns auf die Seite drückt, damit wir vorbei kommen. Es klappt ganz vorzüglich und in unserer Freude vergessen wir, dass wir an einem Anker hängen, die Flottille lässt grüßen, aber Lausi erinnert sich dann doch. Als wir ihn aufholen, hängt eine fette Kette daran und wir vernichten einen Bootshaken bis wir sie endlich los sind. Raus aus der Bucht und ab in den Süden. Der Wind pfeift aus Ost, aber die Wellen sind im Schutz der Insel gut zu nehmen. Aber wie wird das erst werden, wenn wir am Kap nach Osten drehen?

Mittwoch, 23. September 2015

Hase und Igel

Wir sind allein und es fühlt sich falsch an. Es ist, als ob ein Teil fehlt und wir vermissen Petra und Leander sehr. Deshalb ist auch unser Telefonkontingent für diesen Monat schon überzogen.

Nikolaus und ich sind noch am Nachmittag des 12.09., des Abreisetags bei knapp 20kn Seitenwind abgelegt und weiter in das „einsame Fischerdorf“ Petriti gefahren. Mal abgesehen, dass der Wind natürlich nach dem Ablegen fast weg war, begann hier unser Hase/Igel Spiel, d.h. wir sind der Hase und überall wo wir hinkommen sind viele Igel schon da. Petriti besteht praktisch aus ein paar Häusern, drei Tavernen, einem Supermarkt und mind. 30 Segelyachten. Dank wenig Tiefgang haben wir im flacheren Wasser noch ein Plätzchen gefunden. Abgesehen davon ist es sehr hübsch hier, auf einem Felsen vor dem Ufer wurde ein Sonnendeck gebaut, dass leider von Möwen besetzt und dementsprechend versch…. ist. Am Strand liegt das Wrack eines österreichischen Segelboots, das wir besichtigt haben. Es lehrt einen, den Respekt vor dem Meer nie zu verlieren und immer achtsam zu bleiben, ein Riff ist schnell übersehen. Vor dem Anker-auf-Manöver taucht Lausi noch einmal ums Boot und bemerkt, dass sich um beide Propeller mind. 2 Meter Leinen gewickelt haben. Keine Ahnung, wo die herkommen, ich habe nichts bemerkt. Da sie neu und sauber aussehen, können sie nicht von Bojen stammen, vielleicht hat sie ein Boot verloren. Gut, dass wir sog. Rope Cutters, rasiermesserscharfe Scheiben an den Schrauben montiert haben, die sie gleich durchtrennt haben, so dass ich die Leinen nur noch abwickeln brauchte.
 
Paxos war unser nächstes Ziel, genauer gesagt Lakka im Norden. Als wir gegen 18.00 Uhr in die Bucht einlaufen gehen uns fast die Augen über. Es ist eine wunderschöne, rundum geschützte Bucht mit türkisblauem, klaren Wasser, an deren Ufern sich ein pittoreskes Städtchen schmiegt. Alle Igel sind auch schon da, grob geschätzt über 100. Wir finden noch ein Eck vor der Hafeneinfahrt, wenn auch mit weniger Kette als gewohnt, aber es soll eine ruhige Nacht werden. Wir grillen, schlafen und verziehen uns am nächsten Tag auf die Westseite von Paxos, wo eine blaue Höhle liegt. Zwischen den Igeln ist gerade so viel Platz, dass der Anker noch auf den Boden reicht, aber egal, auf diesem Felsboden hält er sowieso nicht. Wir schnorcheln, immer mit einem Auge auf die LENI, fast eine Stunde durch die Höhlen. Es war wirklich ein außergewöhnliches Schauspiel.

 
Nach knapp drei Stunden Aufenthalt gehen wir weiter nach Antipaxos zu den gelobten karibischen Buchten Vrika, Mesovrika und Voutoumi. Bei letzteren hält unser Anker im 3. Versuch, da der Boden von Felsplatten durchzogen ist. Die Buchten sind einfach Extraklasse v.a. Vrika mit einem weißen Puderzuckersandstrand, aber natürlich sind auch die Igel schon da, wenn auch noch wenige. Das sollte sich ab 09.00 Uhr des nächsten Morgens ändern. Bis Mittag waren es schon über 20 Segelboote und drei Ausflugsschiffe. Zu allem Überfluss sind auch die Tavernen in den Buchten nur bis 17.00 Uhr geöffnet. Wir machen ein bisschen Schule und dann verdienterweise Strand, erst Voutoumi, dann Vrika. Während ich, nach dem harten Tag, ein Feierabendbierchen zu mir nehme, rettet Lausi die kleine LENI vor dem Absaufen, sie war wegen der Wellen quergeschlagen. Der nächste Tag war wieder hart, Lausi hat Schule gemacht und ich in zehn Minuten die Schrauben von fünf Austern befreit, ohne sie zu essen, da ich vergessen habe rechtzeitig den Schampus kalt zu stellen. Am Nachmittag haben wir uns dann wieder am Strand von Vrika erholt, ab 17.00 Uhr ist man da ganz allein, und danach bei Captain Spiros Restaurant harten Hammel und eigenartigen Fisch nach Spezialrezept genossen. Der Postkarten-Meerblick hat das aber mehr als aufgewogen. Bevor wir zurück zur LENI konnten, mussten wir noch einen Tauchkurs Apnoe mit offenen Augen ohne Tauchbrille absolvieren, da sich der Anker der „Kleinen“ in einer Felsspalte verfangen hatte. Wir sind dann früh ins Bett, da morgen frühaufstehen angesagt war, wir hatten knapp 50sm bis Kefalonia vor uns.
 


Um 06.30 Uhr klingelt pünktlich der Wecker. Nach einem Rundblick entscheide ich, edel und gut, Lausi schlafen zu lassen. LENI ist ganz nass, in der Nacht kühlt es mittlerweile ab, und die See auch und spiegelglatt ohne einen Windhauch, d.h. wieder einmal motoren. So bleibt es auch bis zum
Nachmittag. Wir setzen die Genua zur Unterstützung und landen bereits um 16.00 Uhr vor Fiskardo auf der Insel Kelafonia an. Die Igel sind zwar zahlreich, aber erheblich weniger als noch die Tage zuvor. Wir fahren ein hochprofessionelles Ankermanöver und bringen zwei Landleinen aus; ich bin stolz auf meinen Sohn, er hat die Ruhe weg und erledigt seinen Job, als ob er ihn mit der Muttermilch aufgesogen hätte. Nach uns kommt eine 9-Personen-Crew, braucht drei unterirdische Anläufe und bietet bestes Kino; ich werde immer stolzer auf meinen Sohn. Leider bekommt Lausi später Bauchweh und trinkt ein Gläschen Anker-Flohsamen, während ich das Ankerbierchen genieße. Abends essen wir bei Nicolas, es war die erste Taverne und der Name verbindet. In Zukunft lassen wir das. Wir hatten schon in Petriti bemerkt, dass wir in die Gegend der Zimtliebhaber kommen. Überall Zimt, ich glaube in allem, was gekocht wird. Als passioniertem Zimthasser, ein Kindheitstrauma seit Mamas Michreis und Griesbrei, hat es mir alle Haare aufgestellt und wir haben dankend abgelehnt, uns die Reste einpacken zu lassen. Ab jetzt nur noch Gegrilltes. Am nächsten Tag waren Lausis Bauchweh immer noch da, Zimt oder Schule oder was auch immer, so dass wir an Bord geblieben sind.

Nach zwei Tagen sind die Bauchweh schon etwas besser, Baden und Lesen sind kein Problem, dafür ist für Sonntag, den 20.09. Südostwind bis 26kn angesagt. Gerne wären wir in den Hafen gegangen, aber keine Chance, er war übervoll. Gegen 18.00 kommt der Wind aus Südost, genau wie angesagt. Um sicher zu gehen, bringen wir den Anker neu aus und legen längere Landleinen, eine ziemlich langwierige Prozedur. Trotzdem bin ich mit dieser Lösung nicht glücklich, wir liegen nahe an den Klippen, aber anders geht es nicht. Gegen 21.30 Uhr, Nikolaus liegt schon im Bettchen, ist die Kacke dann im wahrsten Sinne des Wortes am Dampfen. Es gibt heftige Gewitter und der Wind dreht auf West, genau auf unsere Breitseite. Plötzlich haben wir über 30kn und LENI dreht sich bedrohlich zur Seite. Das kann nicht lange gutgehen und tut es auch nicht, der Anker slippt und wir treiben seitlich auf die Klippen zu. Da wir nur fünfzehn Meter entfernt sind gibt’s da nicht viel zu treiben. Ich schreie, während ich die Motoren starte: „Nikolaus komm schnell“ und irgendwas in meiner Stimme sagt ihm, dass jetzt keine Zeit zum üblichen trödeln ist. Lausi schmeißt die Leinen los, ich gebe Vollgas und wir sind raus aus der Falle, es waren keine fünf Meter Luft mehr. Gewitter und Starkregen über uns und zahlreiche Schiffe, denen es genauso ergangen ist, neben uns müssen wir uns ein neues Plätzchen suchen. Ab in den Hafen, 30m Kette raus und hoffen, dass es hält. Es hält, aber ich auch; d.h. ich halte die ganze Nacht im Salon Wache. Niemals mehr Landleine bei unstetem Wetter!

Am nächsten Morgen regnet es zwar, aber der hat Wind abgeflaut. Wir versuchen einen Platz im Hafen zu ergattern, wir brauchen beide Schlaf. Dies gestaltet sich äußerst nervend, da zum einen bei dem Sauwetter keiner rausfährt und wir zum anderen, aufgrund unserer Breite, fast zwei Plätze brauchen. Völlig deprimiert fange ich an andere Segler anzubetteln, umzulegen und auch dank Lausis Blick erweichen wir das Herz von vier Rheinländern, Ki, Kirsten, Uwe und Tobias, die alle Hebel in Bewegung setzen, uns eine Lücke zu verschaffen, mit Erfolg. Allerdings ist die Lücke max. 6 Meter breit und wir sind 7,25 Meter. Dazu kommt noch ein netter Engländer und alle schreien wir sollen es probieren. O.K., Kugelfender hinten an die Pobacken und etwas Gas, dann drückt es die Anderen schon weg. Der Engländer an unserer Backbordseite bekommt zwar fast einen Herzinfarkt und rührt keinen Finger, aber ich drücke LENI, nach Didi Hamann Manier in Wembley, in die Lücke, die jetzt exakt 7,32 Meter breit ist. Die Rheinländer helfen tatkräftig mit und um 12.00 Uhr liegen wir sicher im Hafen. Ich habe sie gedrückt, mich 1000mal bedankt und abends die Getränkerechnung übernommen, selten war ich so dankbar und glücklich; doch am Hochzeitstag mit meiner liebreizenden Frau war ich natürlich noch glücklicher.
 
Jetzt sind wir der Igel und liegen schon drei Tage im Hafen des zauberhaften Fiskardo. Lausi geht’s wieder blendend, Schule ist aufgeholt und abends gehen wir zu unserem Tisch bei Captains Cabin, der genau vor unserer LENI steht. Kurz und gut: Alles wunderbar. Wenn das Wetter schön bleibt wollen wir vielleicht morgen weiter.
 
 

Samstag, 12. September 2015

Kalimera Hellas

Die Überfahrt war völlig problemlos, leider auch völlig ohne Wind, so dass wir die ganze Strecke motort sind. Da Petras erste alleinige Nachtwache anstand, auch völlig in Ordnung. Am Nachmittag sehen wir Delphine und baden in der hier 350m tiefen Adria. Die Nachtwache haben wir uns in 2x3 Stunden eingeteilt und schlafen nachmittags abwechselnd ein bisschen; hat gut gepasst.

Am 31.08. überqueren wir gegen 15.00 Uhr die griechische Seegrenze und landen rechtzeitig zum Sundowner in der Südbucht von Ereikoussa, einer kleinen Insel nördlich von Korfu, an. Am nächsten Tag verlegen wir in die Marina Gouvia, da wir noch offiziell in Griechenland einklarieren müssen. Dies soll, laut vieler Berichte, ein ziemliches Buchbinder-Wanninger- Procedere sein, d.h. es kann schnell ein Tag draufgehen, wobei es in der Marina Gouvia „vereinfacht“ sein soll. Direkt neben dem Marina-Büro sitzt der Hafenkapitän, ein freundlicher, sympathischer Mann. Wir haben einiges gelacht und wenn seine Mutter ihn nicht zwischendurch angerufen hätte, wäre die Geschichte noch schneller als in 15 Minuten erledigt gewesen. Der ganze Spaß hat 15 € gekostet, das sog. Dekpa-Formular hatte er leider nicht, so dass ich dies auch nicht bezahlen musste. Alles ganz locker, ich weiß nicht, was die alle haben.

Nikolaus und Leander haben den Pool in Anspruch genommen, während Petra und ich einkaufen waren und die LENI geputzt haben. Abends sind wir mit dem Taxi nach Korfu Stadt, die Altstadt ist wirklich sehenswert und, obwohl noch vieler Touristen, authentischer als Dubrovnik.

Insgesamt sind wir zwei Nächte in der Marina geblieben und dann weiter an die Nordseite des griechischen Festlands, nahe der albanischen Grenze, gezogen. Dort soll es schöne einsame Buchten haben, die es auch gibt. Leider gibt es auch viele Fischfarmen und Müll an Land. Wir haben ein Ei drüber gehauen und sind ab gen Süden in das einsame Nest Sagiada. In der Taverne Alexis läuft es ab, wie man sich das in Griechenland vorstellt. Man sucht sich seinen Fisch, Garnelen und Tintenfische selber aus und alles ist auch noch Freifang. Man erkennt das an den intakten Rückenflossen, die bei Aquakultur durch die Netze abgeschliffen werden und an den deutlich unterschiedlichen Größen der Fische. Dazu sehr liebe, hungrige streunende Katzen und Hunde, also einfach gut. Wir sind gleich zwei Tage geblieben, mit viel Baden. Nikolaus fährt Wasserski, wie ein Großer. Trotz der langen und schweren Erwachsenen-Ski startet er problemlos ohne Hilfe und man hat Mühe ihn wieder von den Ski runter zu bekommen. Wir waren sehr stolz auf ihn.
 

Das nächste Ziel war Syvota im Süden, wo wir eine Privatbucht eröffneten, d.h. wir ankerten in der sog. End Bay ca. 20m vom Ufer entfernt, auf der Steuerbordseite von Felsen umgeben und an Backbord mit Landleine, die wie ein Zaun gewirkt hat. Das Wasser war kristallklar mit vielen Fischen, wie Bandbrassen, Lippfischen und Petermännchen. Obwohl durch den nahegelegenen Strandclub einer Hotelanlage einiges los war, hat es uns bestens gefallen. Petra hat es so gut gefallen, dass sie ungeahnte Kräfte entwickelte und nun in der Lage ist den 30PS Außenborder anzuwerfen.
 
Das Dorf Mourtos um die Ecke ist sehr touristisch mit Chillbars und Aufreißern an den Restaurants der Strandpromenade. Darum speisten wir in der Pizzeria Parasole ohne Aufreißer, nach zwei Fischtagen darf das schon sein und lernten in dem Chef Jimmys einen echten griechischen Gentleman kennen. Ich habe nur einen seiner Kellner gefragt, ob es hier einen Taxibootstand gäbe, der abends noch arbeitet, weil unser Außenborder auf der Hinfahrt schon wieder Probleme gemacht hat und fünf Minuten später war Jimmys an unserem Tisch und hat angeboten, uns zurück zu schleppen. Das ist wirkliche Gastfreundschaft und Willkommenskultur. Überhaupt gefällt uns die Mentalität der Griechen in dieser Ecke von Tag zu Tag besser. Wir bzw. ich wollten es dann doch allein probieren – Jimmys Pizzeria war noch gespickt voll -  und weil die Jungs unbedingt noch von einer tschechischen Straßenmalerin gemalt werden mussten – ich konnte mich gegen drei Massivlinge nicht durchsetzen -, blieb mir nichts anderes über, als in der Zwischenzeit noch drei Bierchen zu trinken. Offensichtlich ist dadurch der Knoten in meinem Hirn geplatzt. Ich habe schon alles probiert, doch jedes Mal, wenn wir alle vier im Boot sind geht die Drehzahl des Motors in voller Fahrt runter und dann geht der Motor aus. Zu zweit läuft alles wunderbar; zum Mäuse melken. Wir also raus aus dem Hafen und Motor aus. Wir wollten schon in die rettenden Arme von Jimmys paddeln als der Knoten platzte. Durch das Vollgasgehüpfe hat sich die Benzinleitung unter den Tank geschoben. Wenn nun zuviel Gewicht auf die Klappe kommt, die den Tank umschließt, wird dieser nach unten gedrückt und die Benzinleitung abgequetscht. Unglaublich, dass es drei Bierchen zu dieser Erkenntnis brauchte. Gruß an alle Antialkoholiker.

Nachdem eine Wetterverschlechterung, d.h. Sturm aus Südost angesagt war, sind wir einen Tag länger als geplant auf Sivota geblieben und haben die Gelegenheit genutzt in einer der Chillbars mit Wlan neue Bücher für Nikolaus auf den Kindle zu laden, da er bereits 9 Bücher verschlungen hat. Paxos musste dafür ausfallen. Am Spätnachmittag des 09.09. sind wir rechtzeitig vor Sturmbeginn, der sich dann nur als kräftiges Windchen entpuppte wieder in der Marina Gouvia gelandet. Der Sturm fand dann doch noch in unserem Geldbeutel statt, da sie es hier von den Lebenden nehmen. Hier verbringen wir die letzten Tage zusammen, bevor Petra und Leander uns Richtung München verlassen. Wie werden Nikolaus und v.a. ich das nur verkraften?

Sonntag, 30. August 2015

Kroatien ade

Wir genießen unbeschwerte Tage. Was macht es da schon, dass die Backbordtoilette verstopft ist und ich sie gleich zweimal zerlegen darf. Tagsüber baden wir, beobachten den Hausdelphin der Bucht oder fahren für eine Pizza in den Ort. Abends speisen wir im Restaurant Gradina. Roberto, der Chef war längere Zeit in Berlin und das merkt man auch. Statt der üblichen Energiesparlampen, die die Kroaten so lieben, flackerten Kerzen auf unserem Tisch. Nur bzgl. des Essens wäre Roberto besser längere Zeit in der Provence gewesen. Wir lernen Tobias kennen, einen 13jährigen aus Neusiedel, der eigentlich aus Rosenheim kommt. Er fährt jeden Tag mit Roberto die Fischernetze ein- und ausholen und schlägt vor, dass unsere angehenden Hochseefischer morgen früh mitfahren. So eine Gelegenheit darf man nicht ausschlagen, d.h. ich als passionierter Frühaufsteher liefere Nikolaus und Leander am nächsten Morgen um halb sechs bei Roberto ab. Zurück kommen sie mit einem Barrakuda, den wir uns am Abend tot grillen lassen.

Nach drei Nächten geht’s weiter, mit einem Zwischenstop in Zuljana, nach Okuklje auf der Insel Mljet, ein wirklich bezaubernder Flecken Erde. Wir legen wenig professionell am Steg des Restaurants Maran an, kostenlos und free wifi. Da wir gerade beim Geld sparen sind, schneidet mir Petra mit der Maschine die Haare und da es dann schon wurscht ist, dürfen auch Nikolaus und Leander mal ran. Abends speisen wir Fisch-Peka, ein sehr traditioneller Eintopf, bei dem der Topf vollständig mit Holzkohle bedeckt wird und dann für knapp zwei Stunden ziehen darf. Es war wirklich köstlich.

Am nächsten Tag heißt es auf nach Dubrovnik, wo der Anker direkt vor dem Altstadthafen fällt. Zwar ein bisschen viel Schwell, aber direkter geht’s nicht mehr. Die Perle der Adria ist wirklich wunderschön, aber derartig von Touristen überschwemmt, dass man sich durchschieben lassen kann. Wir haben edel zu Abend gegessen und als Dank durften wir am nächsten Tag auf Petras Wunsch nochmal Sightseeing bzw. Shopseeing machen. Ich habe allein zwölf Reisegruppen zu je über 25 Personen des vor Ort liegenden Kreuzfahrtschiffs der Reederei MSC gezählt. Zusammen mit über 30 Grad im Schatten ein wahres Vergnügen. Am späten Nachmittag gings dann endlich weiter nach Cavtat, wo wir am nächsten Morgen um 07.30 Uhr als Allererste! ausklariert haben.

Wir haben auf dieser Reise bereits über 300 Seemeilen auf dem Buckel und nun liegen rd. 170 sm bis Korfu vor uns. Unsere LENI ist mit gesamt 5000 sm mittlerweile ein gestandenes Fahrtenboot.

Montag, 24. August 2015

Sie läuft und läuft und läuft

Bei leichtem Regen sind wir am 19.08. mittags raus aus unserer Bucht und mit einer Maschine gegen Süden motort. Das Wasser war spiegelglatt, man nennt das ölig und man hat unsere Heckwelle noch lange gesehen. Wir waren fast allein, im August in Kroatien nahezu eine Unmöglichkeit, so dass die Fahrt, trotz des Wetters sehr schön war.  

Am Nachmittag hat es aufgeklart und wir sind bei schönstem Sonnenschein in die Bucht Vrala Zarzanj auf Zmajan eingelaufen. Dort lag bereits ein Boot mit sechs Kindern, ein schönes Projekt für benachteiligte Kinder und bald waren beide Boote abwechselnd stark bevölkert. Unseren Buben hat es sehr gefallen und so sind wir gleich noch einen Tag länger geblieben.

Am 21.08. vormittags haben wir noch unter Anker das Großsegel gesetzt und hatten, teilweise unter Spinnaker, einen schönen Segeltag. Da uns kleinere Missgeschicke, z.B. Leinen aus der Schraube holen, ja nicht mehr groß zu Tränen rühren, brauchen sie hier auch nicht weiter erwähnt werden. Um 17.00 fiel der Anker in der Vrala Krkujasi auf Veli Drvenik, eine wunderschöne Bucht mit klarem, türkisfarbenen Wasser.

 
Da dies leider in ganz Dalmatien bekannt ist, es geht hier zu wie am Stachus, haben wir am nächsten Mittag wieder die Segel gesetzt und sind nach Hvar in den kleinen Hafen Nedjelja gesegelt, den der bekannte Winzer Zlatan Plenkovic samt Weinrestaurant errichten ließ. Beim Abendessen haben wir Albrecht, Gerarda, Jochen und Anna kennen gelernt und uns auf Anhieb blendend verstanden, für Leander ist blendend stark untertrieben. Also kein Wunder, dass es etwas später wurde, man kann die meisten Weine auch im Glas verköstigen und wir am nächsten Morgen ein bisschen wackelig auf den Beinen waren, was allerdings auch an dem sehr unangenehmen Schwell im Hafen lag. Dies hat uns aber nicht gehindert am nächsten Tag, wie gestern nach ein paar Wein versprochen, den steilen Weg zu Albrechts Haus in Angriff zu nehmen, das wir nach ca. fünf Minuten auch erreichten. Papas viele Bergtouren zeigen eben doch Wirkung. Leider war für den Nachmittag Wind aus Südost angesagt, dann wird es in dem kleinen Hafen mehr als ungemütlich, so dass wir gegen halb drei schweren Herzens ausgelaufen sind. Wir hätten gerne noch einen weiteren Abend mit den Vieren genossen, es passt manchmal halt einfach. Es war wiederrum ein super Segeltag unter Spinnaker. Wir liegen jetzt vor Loviste auf Peljesac, nur noch rd. 60 Seemeilen bis Dubrovnik, und legen einen verdienten Ruhetag ein.