Samstag, 27. August 2016

Heute abend Calpe vielleicht (nur der Luigi weiß warum)


Wiedermal um 06.00 Uhr aufstehen. Schön langsam wird das Stress. Um 07.00 Uhr sind wir dann soweit geistig gefestigt, um die Überfahrt nach Calpe anzugehen. Wind passt, leider ein bisschen zu wenig, Wetter passt, gut so. Wir laufen bis Mittag unter Genua mit Motor und setzen dann den Parasailor. Die nächsten Tage wollen wir Meilen fressen, aber Nachtfahrten vermeiden. Calpe ist rd. 60sm entfernt, um 18.15 heißt es: „Calpe, ich bin wieder da.“ Wir ankern wellengeschützt vor dem Hafen. Calpe ist noch schöner als vor 30 Jahren, typisch Costa Blanca halt. Kein Grund hier lange zu verweilen. Unser nächstes richtiges Ziel ist Cartagena, das fand ich schon vor fünf Jahren wirklich ansprechend. Also geht es am nächsten Morgen gleich weiter nach Torrevieja, wo man noch im Vorhafen ankern kann, eine Seltenheit in Spanien. Alles läuft wie geschmiert und am 23.08. erreichen wir, wie geplant Cartagena und legen direkt an der Uferpromenade vor der Altstadt an.



Es liegen drei Tage Arbeit vor uns mit Großeinkauf und Bootskomplettreinigung. Dringend brauchen wir Nespresso-Kapseln, deren Verkaufsstellen seit Griechenland spärlich gesetzt sind. Am nächsten Tag ziehen Petra und ich mit dem großen Rucksack los, während die jungen Herren den Swimmingpool aufmischen. Wir verbinden den Marsch von rd. 2,5km zum Corte Ingles, ein großes Kaufhaus, das die Nespresso.Boutique beherbergen soll, gleich mit einer Stadtbesichtigung. Mich interessieren v.a. die Tapas-Kneipen. Die Damen der Nespresso-Boutique sind nicht die Aufgewecktesten und erklären uns, nachdem wir 1700 Kapseln geordert haben, dass an „Laufkundschaft“ nur 100 Kapseln verkauft werden dürfen. Offensichtlich halten sie uns für Nespresso-Dealer. Nach ein bisschen guten Zureden und zig Telefonaten mit Wemweißich klappt es dann doch und ich schleppe die 1700 Kapseln zur nächsten Cerveceria. Das habe ich mir verdient. Positiverweise liefert der Supermarkt im Corte Ingles ab einer Einkaufssumme von € 100.-, für uns ein Klacks, kostenfrei in den Hafen. Das erledigen wir aber morgen.

 













Gegenüber vom Liegeplatz ist ein Burgerking, Unsere Kinder sind wie alle, wir müssen da rein. Als ich in den exquisiten Whopper beiße, kommt mir eine Idee, deren Umsetzung mir den Unmut einer ganzen Generation von Supermüttern zuziehen wird. Petra und ich gehen morgen alleine schön essen, die vernachlässigten Kinder bekommen ein Burgermenü und dürfen danach bis in die Puppen fernsehen, grandios. Petra meint, das werden sie nicht wollen, aber als ich den Vorschlag kundtue, ernte ich nackte Begeisterung. Die Tapas-Bars sind authentisch und gut, anschließend gibt’s einen Absacker an der Uferpromenade. Wir haben das gleich zweimal durchgezogen, Asche auf mein Haupt, aber es wars wert.

Fünf Tage in Cartagena vergehen wie im Flug, am 28.08. brechen wir auf, weiter nach Westen.

Sonntag, 21. August 2016

Hola Balearen, ein Hoch auf die Saison

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Als am 30.07. der Wind endlich eine Überfahrt nach Menorca zulässt, hauen wir uns als passionierte Frühaufsteher bereits um 05.30 Uhr aus den Betten, zu früh für die Sonne, es ist noch dunkel und in der flachen Fornelli-Passage zwischen Sardinien und der Insel Asinara sollte man besser was sehen. Wir legen uns noch eine halbe Stunde aufs Ohr und starten bei Sonnenaufgang um 06.55 Uhr. Die Fornelli-Passage geht wie geschmiert und in bester Laune bringe ich direkt danach zum ersten Mal unsere, von Pralle erstandene, Schleppangel aus. Ca. 100 Meter Angelschnur sollte man geben haben mir erfolgreiche Thunfischjäger erklärt. Als ich so Schnur gebe denke ich mir, dass da ganz schön Zug drauf ist, der Köder ist nur 20cm lang. Wie soll ich da jemals einen Fisch reinkriegen, wenn das jetzt schon so schwer geht. Also hole ich die Angelschnur wieder ein. Nach ungefähr der Hälfte sehe ich ein Fischlein springen, da hängt doch tatsächlich schon einer dran. Aber nicht sehr lange dann hat er sich irgendwie befreit. Jetzt geht das Einholen sehr leicht, das muss ich wohl noch Üben. Aber kein Problem, hier scheint es ja von Fischen zu Wimmeln. Also wieder 100m raus, bis zum jetzigen Tag hat natürlich keiner mehr gebissen. Ich muss die Angel waschen, da klebt offensichtlich noch etwas Pralle-Anglerglück dran.


Mal Motoren wir, dann Segeln wir wieder, alles geht bestens. Am Nachmittag wird eine Badepause bei 2500m Tiefe eingelegt, abends gibt es Kartoffelgulasch und danach Bud Spencer und Terence Hill, das hat sich auf Überfahrten bewährt. Auch die Nacht verläuft problemlos und so landen wir nach 36 Stunden um 19.00 Uhr im Naturhafen von Mahon, übrigens, nach Pearl Habour, der zweitgrößte der Welt. Leider gibt es dort nur noch eine Bucht, in der man frei Ankern darf. Dort werden wir von den „Tweenys“ begrüßt und parken hinter ihnen, die Bucht ist rammelvoll, Hochsaison.

Mahon ist klein und hübsch, ganz anders als auf Sardinien, irgendwie gepflegter. Das Sightseeing geht drum auch recht zügig, so dass auch genügend Zeit bleibt für die originäre Kultur, den Besuch einer Bodega mit entsprechender Weinprobe. Die Kinder kaufen sich derweil von ihrem Taschengeld Pistolen und terrorisieren den Platz vor der Bodega. Der Supermarkt ist das Beste, was wir bisher gesehen haben und nebenan gibt es einen Metzger, der verkauft Secreto Iberico, die ultimative Hammersau für den Grill. Ich bin zufrieden.

Trotzdem, auch weil der Ankerplatz nicht so das Wahre ist, gehen wir mittags am 02.08. Anker auf, wir wollen die tollen Buchten im Süden von Menorca sehen. Die „Tweenys“ haben uns bereits vorgewarnt und es ist so. Jede Bucht ist zum Brechen voll und zudem meist mit kostenpflichtigen Bojen ausgelegt. Schön sind sie aber schon. Wir fahren an der Südküste gegen Westen, denn viele sind hier Tagesausflügler aus Mahon, die großen Motoryachten zischen permanent an uns vorbei und schütteln uns jedes Mal richtig durch; von Krise keine Spur. Um 17.45 erreichen wir die Cala Macarella, laut Revierführer eine der schönsten Calas von Menorca. Auch hier steppt der Bär, aber man kann frei Ankern. Eine Stelle vor einer Megayacht ist tatsächlich frei, da traut sich wohl keiner so nahe ran, aber die Yacht hängt an Landleinen, kann sich also nicht bewegen.

Wir hauen unseren Anker direkt vor sie rein. Wie gesagt, die Bucht ist schön, das Wasser glasklar, aber dauernd sausen Motorboote um einen rum, nach den Traumbuchten von Sardinien irgendwie ein Abstieg. Wir beschließen, so schnell wie möglich nach Mallorca zu gehen. Dazu braucht es nördlichen Wind, wir haben Südlichen. Der Wind wird auch leicht stärker und die Wellen höher. Die Kinder freuts, sie stehen am Heck und warten bis die Welle das Heck hebt und sie mit Katapultwirkung ins Wasser springen können. Das Ganze ist auch nicht weiter schlimm, weil die Welle mit dem Wind kommt und so die Bootsbewegungen harmonisch bleiben. Hauptsache die Gläser bleiben auf dem Tisch stehen.


hart arbeitende Matrosen
Am 05.08. dreht der Wind auf Nordost und frischt auf. Darauf haben wir gewartet. Noch in der Bucht überlege ich das Großsegel vor Anker zu setzen, das geht besonders einfach, lasse es dann aber doch bleiben; erstmal sehen, wie es draußen so zugeht. Gut getan, der Wind kommt genau von achtern, das mag die LENI mit Großsegel gar nicht, und frischt auf bis 38kn, das sind 8 Beaufort, also stürmischer Wind. Wir segeln nur unter Genua mit bis zu 9,3kn Speed. Bei viel Wind gibt’s auch Wellen und das nicht zu knapp. Im Laufe des Tages stabilisiert sich der Wind bei 20-25kn und die Wellen werden harmonischer. Wir fahren im Schnitt 6kn, das passt. Nach rd. sieben Stunden erreichen wir Porto Colom, ankern im Vorhafen neben der Walker, essen, v.a. Kay, die den Kindern versprochenen Pfannkuchen und schlafen bald ein.

Man beachte das Etikett
Porto Colom ist cool. Kein Halli Galli Malle wie erwartet, sondern nette Cafes, Bars und gute Restaurants. Der Ankerplatz ist voll coolem Seegras, zum Ankern eher uncool und sehr voll. Am nächsten Morgen weckt uns Kay, er will Kaffee. Als wir so sitzen kommt der Nachbar immer näher, wir slippen. Gut, dass es mittags nicht so voll ist, wir finden einen schönen Sandflecken, jetzt hält der Anker sicher. Fünf Minuten später slippt die Walker, aber auch die ist bald gerettet. Nicht mehr zu retten ist unser Tube-Reifen, ein Spaßgerät zum Nachziehen hinter dem Schlauchboot. Leander befestigt ihn, nach Rücksprache mit Kay, mit einem Webeleinsteg an der Badeleiter. Hätte er den Kapitän gefragt, hätte er erfahren, dass ein Webelein dazu nicht taugt. Jetzt weiß er es und ein anderer freut sich über das Teil. Gleich neben unserem Ankerplatz befindet sich eine Badeplattform mit Rutsche ins Meer, die Kinder freuts und die Eltern auch. Gefreut hat sich auch Dr. Roman, bei dem wir uns unsere zweite Hepatitisspritze geben lassen, er ist jetzt sage und schreibe € 600,- reicher. Also haben wir uns alle gefreut und viel Spass in Porto Colom.

Am 10.08. fahren wir in Begleitung der Walker nach Caragol auf die Südseite Mallorcas, der Anker fällt auf einen Sandflecken zwischen Felsen. Am nächsten Tag beobachten wir über eine Stunde die verzweifelten Versuche eines Katamarans, den Anker aus den Felsen wieder frei zu bekommen. Am Ende klappt es doch noch, aber erst, als sie den Anker von der Kette los gemacht haben. Prost Mahlzeit, hoffentlich blüht uns das nicht auch. Viele Andere haben auch Probleme, Zeit abzuhauen, so besonders ist es hier eh nicht. Auch unsere Kette hat sich zwischen den Felsen verklemmt, aber nach ein bisschen hin und her ist sie frei.

Bereits eine Stunde später liegen wir vor Es Trenc, einem der Traumstrände Mallorcas. Glasklares Wasser, endloser Sandstrand mit Chillbuden und ca. 200 Yachten und 5000 Leute am Strand. Aber zum Sundowner sind die Strandbesucher alle wieder weg, hier gibt es nämlich keine Hotels. Dann wird es in der Chillbude richtig lässig, mit den Füssen im Sand, den Sangria in der Hand. Am nächsten Morgen ist es dann nicht mehr ganz so lässig, der Sangria sitzt im Schädel, wie die Algen am Schiffsrumpf. Dabei war es gar nicht so viel. Wir bleiben vier Tage und wiederholen das Spiel.
 

Sa Ponca im Südwesten der Insel eignet sich ideal als Absprungort nach Ibiza. Am Abend des 15.08. fallen wir dort ein, jetzt sind wir auf Malle. Große Hotelkomplexe umrahmen die Bucht, das Wasser ist nicht mehr so klar. Bei unserem ersten Landgang laufen wir nach bereits fünf Minuten nichtsahnend der Katze in die Hände. Na ja nicht direkt, aber Daniela Katzenberger hat hier ihr Cafe. Wer glaubt, das ist schon schlimm genug, steht nach weiteren fünf Minuten vor dem König von Mallorca, Jürgen Drews. Man kann sich sicher lebhaft vorstellen wie der Rest des Nests und das Publikum aussehen. Aber das Bier ist billig und der Geist ist schwach.

Nach drei Tagen passt der Wind, Abgang, Kurs Ibiza. Wir wollen die Westseite in zwei Tagen runterziehen, um die ideale Position für die Überfahrt aufs spanische Festland nach Calpe zu haben. Der Norden Ibizas empfängt uns mit einer ruhigen Ankerbucht, es sollte die erste und letzte sein. Bereits am nächsten Morgen zerreißt uns ein aufmerksamer Motorbootfahrer die Angelschnur, weil er unbedingt knapp hinter der LENI durchziehen muss. 100m Schnur und zwei Köder sind weg. Ich wünsche ihm viel Freude, das Zeug wieder aus seiner Schraube rauszupulen. Die Buchten hier sind etwas für Genießer, Genießer von allem, was sich hinter Motorbooten nachziehen lässt oder von Jetskis oder was sonst noch laut ist, stinkt und durchs Wasser fährt. Die besondere Gaudi dabei ist, das im Ankerfeld zu machen und Schwimmer zu jagen. Ohne Taucherboje, der man sich nur auf 300m nähern darf, geht mir keiner mehr ins Wasser. Aber auch das beruhigt nicht wirklich. Komischerweise gefällt es uns aber sehr gut, wir drehen die Stereoanlage auf und integrieren uns. Die Buchten sind ansonsten wirklich in den schönsten Karibikfarben, wir haben sogar einen Rochen direkt am Boot vorbei schwimmen sehen.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Letzter Schultag, Alltag und letzte Tage auf Sardinien

Einkaufen muss auch sein, wir fahren nach Palau. Dort passiert es uns zum ersten Mal, dass der Anker, auch nach mehreren Versuchen, nicht hält; wir hängen uns an eine Boje. Abends essen wir in Palau und gehen am nächsten Tag nach Porto Puddo, eine schöne, tiefeingeschnittene Bucht im Norden Sardiniens. Diesmal brauchen wir vier Ankerversuche, dann hält er.

Heute, am 17.07. ist es geschafft: Letzter Schultag und damit große Ferien. Auch sonst sind wir längst im Alltag angekommen. Das bedeutet neben Wetterbeobachtung und daraus resultierender Entscheidungen, Schule, Einkaufen, Putzen, Waschen, Kochen etc. Das meiste Leben spielt sich draußen auf unserer Terrasse und im Salon ab.
 
 

Schule wird jeden Tag gemacht, wenn es die Verhältnisse zulassen. Auch glaubt man kaum, wie staubig es auf einem Boot in kürzester Zeit wird, ich habe immer geglaubt, die Luft auf See ist nahezu staubfrei. Wenn Südwind herrscht und es dann noch regnet, kommt goldener Sand aus der Sahara runter, eine Riesensauerei. Unser Kühlschrank ist leider zu klein, so dass wir jede Woche Einkaufen müssen, die Schlepperei kann man sich vorstellen. Petras Liebling ist ihre pinke Campingwaschmaschine, sie kann Stunden mit ihr ganz allein verbringen.

Das Strandleben in Porto Puddo hat uns drei Tage fest im Griff, Leander und ich haben unsere ersten Seeigelstachel schon hinter uns. Nikolaus findet trotzdem noch Zeit unser Edelstahl zu polieren, jetzt glänzt es wieder schön.

Schön langsam wird es Zeit Sardinien zu verlassen, die Balearen rufen. Da aber überwiegend Westwind herrscht, wir müssen nach Westen, kommen wir nur langsam vorwärts. Am 20.07. laufen wir in Porto Pozzo ein, wieder hält der Anker nicht und eine Boje muss her. Abends speisen wir in einem typischen Ristorante direkt am Strand. Als der Alleinunterhalter antritt runzeln wir noch etwas die Stirn, aber der junge Typ hat mit sich Spaß und färbt auf die Gäste schnell ab, die sich zu späterer Stunde fast darum streiten, wer als nächster ins Micro singen oder auch grölen darf. Eine echte Gaudi, sie geht bis um drei in der Nacht.

Endlich soll der Wind nach NO drehen und wir erreichen am 22.07. nach einem Zwischenstopp am Capo Testa das Städtchen Castelsardo, das wie ein Schwalbennest am Fels klebt. Wir machen uns hier fertig für unsere Überfahrt nach Menorca, d.h. Bootputzen, Waschen, Einkaufen, Volltanken. Natürlich bleibt auch Zeit für eine Besichtigung, ganz oben am Fels thront eine Burg. Die Besichtigung kostet natürlich und Leander will danach lautstark sein Geld zurück; zu Recht, denn innen dienen 90% der Räume einer Vernissage und das verachtenswerter Weise sogar ohne Schampus.

Am 25.07. motoren wir in die Bucht Pelosa bei Stintino und warten hier auf ein günstiges Wetterfenster für die Überfahrt nach Menorca.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Mit Autopilot zum Aga Khan

Das Flehen wird erhört. Nachdem keiner der sog. Raymarine-Service-Betriebe auf unsere Anrufe und E-Mails reagiert, fragt Petra den Inhaber des Ladens nebenan, ob der Servicemensch noch am Leben sei. Dieser ruft jenen sogleich an und siehe da, da er die Nummer kennt und nichts Böses ahnt geht er sofort ran. Das haben wir vorher sicher 10x probiert, aber egal, jetzt haben wir ihn und nageln ihn unerbittlich fest, Gianluca Frau, so heißt er tatsächlich, kommt noch am selben Tag. Glücklicherweise ist nur der Motor des Autopiloten defekt, der kann repariert werden, im Gegensatz zu dem von mir verdächtigten Kurscomputer. Aber es dauert nach Gianlucas Aussage vier Tage, also vermutlich mindestens sechs.

Wir entscheiden die Tage in Olbia und in Porto Taverna zu verbringen, eine malerische Bucht mit LENI-Privatstrand. Olbia ist schöner als man denken möchte, v.a. wenn man wie wir kostenlos am Stadtpier, direkt in der Altstadt liegt. Wir speisen vorzüglich, bummeln durch die Gassen, gönnen uns mehrere Eis und Kaltgetränke, verproviantieren und verziehen uns nach dem Slowakeispiel  am 27.06. in besagte Bucht.

Hier verbringen wir unbeschwerte Tage mit einem kleinen Wermutstropfen. Nikolaus hört in seiner Toilette komische Geräusche beim Spülen. Es klingelt und scheppert als ob sich eine Schraube gelöst hat. Zum gefühlten 100sten Mal zerlege ich den ganzen Mist, während der Rest der Familie am Strand rumfault. Und was finde ich? Einen Kirschkern, den mein Söhnchen runtergeschluckt hat und nun seinen Ausgang gefunden hat. „Nikolaus, Kirschkerne werden nicht verdaut“.

Am 01.07. kehren wir zurück nach Olbia, der Motor soll fertig sein. Am nächsten Morgen wird er eingebaut, genau sieben Tage nach der Diagnose, gut geschätzt. Der Spaß kostet €170.-, ein echtes Schnäppchen, der Kurscomputer wäre mit rd. € 2.500.- zu Buche geschlagen.

Nachdem sich meine Nerven nach dem Italienspiel wieder beruhigt haben, es war danach ganz still in der Stadt, ziehen wir am 03.07. weiter in den Golfo di Aranci. Dort hängen wir eine Woche ab, speisen im selben Hotel wie damals auf der Mopedtour mit Barnes und Pralle, besuchen den flachen Sandstrand, fahren mit der „Kleinen“ Reifen und Wasserski – Lausi erinnert dabei auch optisch an einen California Beachboy - , treffen die Tweeny wieder und verzweifeln beim Frankreichspiel.

Aber schön wars trotzdem und wenns am schönsten ist…. Am 09.07. gehen wir auf Aga Khans Spuren hoch zur Costa Smeralda in die Cala del Volpe. Hier beginnt die Welt der Megawichtigen, der Megareichen, der Megaschönen und der Megayachten. Wir gehören hier mit unserer LENI zu den Ärmlichen, den Mickrigen, der abgehängten Gesellschaft. Da liegen vier stockwerkhohe Riesenteile mit Riesenrutschen und Beibooten, die größer sind als unsere LENI.
Die muss man natürlich auch benutzen und zwar nur mit Vollgas, Italiener kennen nichts anderes, und so haut es uns alle fünf Minuten hin und her. Ich liebe es, hier muss man hin, hier bleibt man gern. Zugegeben, die Cala ist sehr schön mit türkisblauem Wasser und es gibt kleine, feine Buchten, die aber für die Wichtigen nicht zu erreichen sind, da für den Badebetrieb gesperrt. Man kommt in sie nur zu Fuß oder mit einem unverwüstlichen Faltboot, mit dem man an nicht abgesperrten Felsvorsprüngen anlanden kann, haha, wir haben eines und so sind wir die einzigen, die per Boot anlanden.
 


Am 11.07. hauen wir wieder ab und schenken uns Porto Cervo, das ist uns zu blöd. Uns erwartet der Golfo di Arzachena, hier passt die Welt wieder. Es gibt sogar eine Privatinsel, an der ich die Kinder aussetze, sie wollen Robinson Crusoe spielen. Leider wollen die Superhelden abends wieder abgeholt werden. Am 12.07. ist Starkwind angesagt, wir gehen zusammen mit der wiedergetroffenen Tweeny vor Cannigione für die nächsten drei Tage an eine Boje. Es bläst ganz knackig, aber wir werden von Karin und Chris mit selbstgefangenen Tunfisch mehr als entschädigt. Auch Cannigione entpuppt sich als hübsches, normales Nest mit dem besten Supermarkt.

Der Wind dreht am 15.07. auf N bis NO, das ist an der Boje kein Spaß. Wir verholen in den Kommunalhafen und liegen ganz ausgezeichnet bis uns die Hafenpolizei vertreibt. Sie wissen zwar nicht warum, aber Befehl ist Befehl. Auch Petra und die lieben Bambini können da nichts ausrichten. Also müssen wir zwei Stunden gegen Wind und Welle Richtung Norden nach Porto Palma. Petra wird ganz mulmig, aber so schlimm wird es nicht. Mir wird auch mulmig, aber aus einem anderen Grund. Porto Palma gehört zu La Maddalena und da darf nur hin, wer vorher kräftig abdrückt, sprich sich ein Ticket für den Besuch dieses Nationalparks kauft. Der Anker fällt mit 60m Kette, am nächsten Tag geht’s weiter und keinen hats interessiert.

Samstag, 25. Juni 2016

Viele Wege führen zum Kommentar

AP Photo/Les Editions Albert Rene, Goscinny-Uderzo
Auf vielfachen Wunsch beiderseits Geschlechts, die erfolglos versucht haben, einen Kommentar auf unserem Blog zu hinterlassen, kommt hier nun die ultimative Anleitung:

Am besten fragt Eure Kinder. Wenn dies nicht zum gewünschten Erfolg führt, gibt es zwei weitere Möglichkeiten, die beide keinerlei Account oder Sonstiges erfordern:

Gruß oder allgemeiner Kommentar auf der Seite „Gästebuch/Kontakt“

1.     Ans untere Ende der Seite scrollen

2.     „Gib einen Kommentar ein…“ anklicken

3.     Kommentar schreiben

4.     Bei „Kommentar schreiben als“ Pull down Häckchen anklicken und „Name/URL“ auswählen

5.     „Name:“ Namen eingeben, „URL:“ freilassen

6.     „Weiter“ anklicken

7.     „Veröffentlichen“ anklicken

8.      „Ich bin kein Roboter“ anklicken

9.     „Veröffentlichen“ anklicken

Fertig!

Einen bestimmten Post kommentieren auf der Seite „Logbuch“

1.     Am Ende des gewünschten Posts „Keine Kommentare:“ bzw, falls schon Kommentare vorhanden „x Kommentare“ anklicken

2.     Schritte 2 – 9 der ersten Möglichkeit ausführen

Fertig!

Ich hoffe, es sind nun alle Klarheiten beseitigt und es gibt keine Ausreden für Schreibfaule mehr.

Wir befinden uns übrigens gerade in Olbia und betteln verschiedene Raymarine-Servicebetriebe doch unser Geld zu nehmen, bisher vergebens. Näheres hierzu folgt in Kürze.

Sonntag, 19. Juni 2016

Sardegna – ci andiamo

Um halb sechs klingelt der Wecker. Schnell ein Prima Colazione di Capitano, einen Kaffee und einen Chick und hoch mit dem Anker. Der Plan sieht folgendermaßen aus: Erst müssen wir ein bisschen motoren, dann soll ein Südostwind kommen, der uns direkt nach Sardinien bläst und das letzte Stück muss wieder der Motor ran. Ziel ist Arbatax, ziemlich in der Mitte der Ostküste Sardiniens. Wenn sich meine Berechnungen in Realität verwandeln, sollten wir am frühen Nachmittag des übernächsten Tages ankommen.

Genauso ists dann auch, eine reibungslose Überfahrt, vielleicht auch Dank der wohlwollenden Begleitung von Außerirdischen im Ufo über uns.
 
Am 12.06. fällt um 14.30 Uhr der Anker am Strand vor dem Hafen in Arbatax. Ales ist gut gegangen, wir konnten sogar den Spinnaker 8 Stunden am Stück fahren, neuer Rekord.
 
Leider segnet zum Schluss der Autopilot, der ja schon auf der Überfahrt von Griechenland gezickt hat, endgültig sein Zeitliches, d.h. es muss nun ununterbrochen von Hand gesteuert werden. Das ist unglaublich anstrengend und nervt. Irgendwie muss Ersatz her, denn so wollen wir nicht auf die Balearen.

Arbatax ist von See her kommend wesentlich schöner als vor zwei Jahren mit dem Moped von Land kommend. Vielleicht liegts auch an der Begleitung, damals waren Pralle und Barnes dabei, die offensichtlich meine Stimmung nicht so versüßen wie meine reizende Frau und die Zuckerbuben. Wir bleiben zwei Tage, schlafen aus, baden, kaufen ein und schauen, in bester Lage, im Marina-Restaurant Deutschland – Ukraine. Und, kaum zu glauben, hier gibt’s gute Pizzen.

Am 14.06. lichten wir den Anker und ziehen innerhalb von zwei Tagen hoch in das Inselarchipel vor Olbia. Die Nacht verbringen wir am Strand vor dem Capo Camino, ein echter Geheimtipp mit feinem Sandstrand und herrlicher Dünenlandschaft.
 


Am 15.06. landen wir in der ersten Bucht am Capo Coda Cavallo, dem Pferdeschwanzkap und treffen am 18.06. auch die Walker mit Kay wieder, der uns spontan besuchen kommt.


Hier ist es wie bestellt. Sonne, Strand und türkisblaues Wasser.


Jetzt buchteln wir uns erst mal richtig aus.

Freitag, 10. Juni 2016

Ein Angebot, dass wir nicht ablehnen können

Es zieht uns weiter nach Palermo, die Hauptstadt Siziliens, die Wiege der Corleones. Aber der Reihe nach. Am 27.05. trennen wir uns von Vulcano mit Ziel S. Agata Militello, wir bleiben nur eine Nacht und gehen morgens weiter nach Cefalu. Cefalu ist ein richtig hübsches Nest, wir ankern sicher im Vorhafen und wandern in die ca. zwei Km entfernte Altstadt. Hier ist bereits die Hölle los, es ist jetzt Saison. Die Straßen sind überfüllt von Touristen, das hätten wir Ende Mai nicht gedacht. Aber es gefällt uns sehr gut und so bleiben wir drei Nächte bis es wirklich ernst wird mit Palermo.

Am Nachmittag des 31.05. laufen wir in den Yachthafen ein, ankern kann man hier nicht. Es gibt hier viele verschiedene Stege und jeder wird von einer anderen Familie verwaltet. Es soll hier recht teuer werden, unsere Taktik ist Palaver, verhandeln und bei schlechtem Angebot und der Aussicht auf sichere Weiterfahrt, weiterfahren. Aber es kommt anders: Gleich am ersten Steg geht die Verhandlung, von Petra, wie immer in perfekten italienisch geführt, nach einer Minute ins deutsche, nein falsch, ins schwäbische über. Guiseppe hat 31 Jahre in Pforzheim gelebt und kann das nicht verleugnen. Er macht uns einen Preis, den wir nicht ablehnen können, er ist nicht allein. Neben ihm steht Norbert, ein Vollpalermianer und später kommt der Pate des Stegs dazu, der mit einer Österreicherin namens Anneliese verheiratet ist. Alle sehen gar nicht so sizilianisch aus, wie der einzige Sizilianer, den ich kenne, Franco R.

vorher - nachher
Palermo hat was ganz besonderes. Ich meine damit nicht den dreckigsten Hafen seither, sondern einen lebendigen, rustikalen Charme, man nennt das heutzutage gerne authentisch, ganz anders als z.B. das herausgeputzte, fast künstliche Dubrovnik. Kulinarisch gibt es hier neben schicken Restaurants garküchenähnliche Pinten zu entdecken, fast wie in Asien, mit einfachen Plastiktischen und –stühlen im Freien. Leander hat hier, nach Bestechung meinerseits, seine erste Auster gekostet. Wie man sieht, war sie vorzüglich.


 
Wir bleiben vier Nächte, Petra gefällt es hier ganz außerordentlich, sie geht zum Friseur und gönnt sich zwei neue, „günstige“ Sonnenbrillen. Auch die Kultur kommt nicht zu kurz, die Kathedrale ist besonders eindrucksvoll. Zur genaueren Besichtigung wird man abkassiert, wir widerstehen nachhaltig. Nur eines gibt es in Palermo, wie bis jetzt auf ganz Sizilien nicht, eine gute Pizza. Man kann nicht alles haben, Neapel ist weit.
 
 
Am 05.06. legen wir ab, im Hinterkopf ist bereits die Überfahrt nach Sardinien, nach Capo San Vito, mit, wie uns versichert wird, dem schönsten Strand Siziliens. Und wirklich, das ist er. In der Marina gibt es drei Steganlagen, wir verfahren nach der Palermo-Taktik. Der erste will € 150.-/Nacht, ohne Strom und Wasser, ich muss lachen, der zweite € 60,- mit Strom und Wasser, gemacht. Während ich mich noch wundere, wie jemals ein Idiot am ersten Steg landen soll, landet einer und bleibt.

 
Wir machen uns zwei schöne Strandtage und unser Stegnachbar Vincenco schwärmt so von Favignana, der südlichsten der Ägadischen Inseln, dass wir diese als Absprung für unsere Überfahrt nach Sardinien nutzen wollen. Am 08.06. geht’s weiter, wir ankern in der Cala Rossa über türkisblauem Wasser. Am 11.06. soll sich ein Wetterfenster auftun, dann wollen wir los.