Das Wetter war schön und zwei Flottillen
haben uns den Abschied von Fiskardo erleichtert. Man muss sich das so
vorstellen: Alles fängt mit dem Führungsboot ganz harmlos an. Es springen
einige Gestalten heraus und versetzen die ganze Umgebung in helle Aufregung.
Plätze für den Rest der Flottille werden gesucht, auf dem Steg wird
herumgeschrien und –gefunkt und dann kommen die Schäfchen, meist so um die 10
Boote. Keiner weiß, was zu tun ist und so werden Anker wild vor den Steg
geschmissen und sich dann kreuz und quer zwischen und vor die anderen Boote
gelegt. Manche wissen auch nicht, dass sie einen Anker haben, Die Gestalten des
Führungsboots versuchen derweilen mithilfe ihrer Schlauchboote größere Schäden
abzuwenden. Danach werden Restaurants besetzt und den Schäfchen lautstark die
weitere Planung erläutert. Wenigstens weiß man so, wo sie als nächstes
hinfahren.
Also sind wir am 24.09. am Nachmittag raus, um eine gute Stunde
später in der einsamen Bucht Kalo Limani den Anker auch so wild zu schmeissen,
dass Lausi die Ankerbefestigung ins Meer gefallen ist. Wie durch ein Wunder
finden wir sie wieder und ich weiß jetzt, das ich 12m tief apnoe-tauchen kann,
dem Kurs auf Antipaxos sei Dank. Am nächsten Tag hat es uns
eingeregnet, so dass Lausi sich schulisch auf den neusten Stand gebracht hat.
Am Abend schauen wir Balduin der Trockenschwimmer mit Louis de Funes, es geht
um ein Segelboot. Morgens hat sich das Wetter gebessert und wir sind weiter
nach Poros unter Segel. Ich muss die ganze Zeit von Hand steuern, da der Wind
ständig dreht und von 0 bis 20kn alles drin ist. Poros ist der erste Hafen, der
nicht überfüllt ist. Es ist zwar nicht besonders malerisch, da auf Kefalonia
fast alles von einem Erdbeben in den 50er Jahren zerstört wurde, aber dafür
gibt es hier einen französischen Griechen mit einer wunderbar geschmorrten
Lammhaxe. Wir bleiben zwei Tage mit Haxen satt.
Am Mittag des 28.09. nehmen wir Kurs
auf unsere Bucht: Ormos Nikolaos auf Zakynthos.
Der Himmel ist fast wolkenlos
und es ist so viel Platz, dass wir sogar längsseits an die Pier gehen können.
So gehört sich das. Wir bleiben gerne länger, es gibt hier blaue Grotten, die
einen Vergleich mit Capri nicht zu scheuen brauchen sollen und auch sonst ist
alles griechisch unaufgeregt, zumindest, wenn die Ausflugsboote verschwunden sind.
Leider dreht am 30.09. der Wind auf NO und soll in der Nacht kräftig auffrischen.
Nikolaos ist nach NO völlig offen und der Liegeplatz damit nicht zu halten.
Wohin? Als Alternative gibt es nur Zakynthos-Stadt im Osten der Insel oder Port
Vromi im Westen, wobei man sich von dem Wort Port nicht täuschen lassen sollte,
es ist lediglich ein Ankerplatz. Da wir unbedingt die berühmt, berüchtigte
„Wreck Bay“ im Westen der Insel besuchen wollen, das klassische Postkartenmotiv
von Zakynthos, fällt meine Wahl, auch nach Gedankenaustausch mit Captain
Dimitris, auf Vromi.
Dimitris besitzt hier eine Taverne und ein Ausflugsboot
und alle auf Vromi sind beste Freunde, die mir eine Mooringboje geben werden.
Zur Sicherheit gibt er mir seine Telefonnummer, ich kann ihn immer anrufen,
wenn ich Hilfe brauche. Also ab zur „Wreck Bay“. Die aufkommende Brise
verursacht Wellen, so dass wir es unterlassen bei den blauen Grotten zu ankern
und sie uns von der LENI aus anschauen. Auf der Westseite von Zakynthos steht
der alte Schwell aus NW, aber der ist mit uns und so weiter kein Problem. Als
wir an der „Wreck Bay“ ankommen, können wir es gar nicht glauben. Wir sind
allein, ganz allein. Na gut es stehen ziemliche Wellen in der Bucht und außer
uns ist offensichtlich keiner so dreist hier zu ankern. Denkste, in den
nächsten fünf Minuten kommen zwei Charterschiffe und drei Ausflugsboote.
Die Bucht ist ein absoluter Traum,
links und rechts hohe Felsen und in der Mitte ein Sandstrand, drapiert mit dem
Wrack eines Frachters. Da das Meer sehr aufgewühlt ist und die Karte hier
nichts hergibt, ankern wir nicht zu nahe am Strand und schwimmen mit Flossen hinüber.
Das war auch gut so, da die Wellen einen enormen Druck und auch Sog entwickelt
haben. Wir sind über eine Stunde am Strand, haben das Wrack in Augenschein
genommen und unsere Kräfte mit den Brechern gemessen, eine echte Gaudi, wie in
alten Zeiten.

Gerne hätten wir die Nacht hier verbracht, aber die Verhältnisse lassen
dies nicht zu. Vromi ist nur eine Stunde entfernt und um 18.00 Uhr sind wir in
die gut geschützte Bucht eingelaufen. Dann der Schock: Frei Ankern ist nicht
möglich, da es von Ausflugsbooten und kleinen Kuttern nur so wimmelt. Kaum zu
glauben, da es hier keine Häuser gibt. Alle Mooringbojen sind besetzt und von
den Leuten kennt keiner Dimitris. Was jetzt, der nächste sichere Platz ist
mindestens fünf Stunden entfernt. In meiner Not rufe ich Dimitris an, ernte
aber nur eine weibliche griechische Ansage, die mich nicht heiterer stimmt.
Nachdem wir eine gefühlte Stunde auf der Suche nach einem Platz durch die Bucht
gekurvt sind, spreche ich deutsche Segler an, die mir ihre Hilfe beim Legen der,
bei unbeständigen Wetter verhassten, Landleinen anbieten. Wir müssen uns neben
einen australisch-französischen Segler, quer hinter ein Ausflugsboot quetschen,
so dass uns nur etwa fünf Meter zum Fels hinter uns bleibt. Mir sträuben sich
alle verbliebenen Haare. Unsere Nachbarn sind auch sehr nett und helfen uns
beim Ausbringen von zwei weiteren Landleinen, da hier in der Nacht gefährliche
Fallböen niedergehen. Fazit: Rechts neben uns die Aussiefranzosen, schräg vor
uns das Ausflugsboot und hinter uns der der Fels, eine echte Falle. Ich habe
kein Auge zugetan.
Alles ist gut gegangen. In der Nacht
sind heftige Fallböen von beiden Seiten gekommen und wir hatten engen
Kuschelkontakt zu unseren Nachbarn, aber der Anker hat gehalten. Am nächsten
Morgen hat sich nichts geändert, die Böen kommen unverändert stark und treiben
uns von einer Seite auf die andere, während der Ausflugsdampfer knapp einen
Meter vor uns hin und her tänzelt. Nach einem Blick in die Wettervorhersage, es
soll die nächsten Tage munter weiter aus Nordost blasen, steht fest: Wir müssen
hier raus, noch zwei weitere Nächte und ich kann mich in Bad Wiessee zur
Schlafkur einweisen lassen, ein verlockender Gedanke. Das gestrige Problem hat
sich aber leider noch verstärkt, Zakynthos-Stadt ist fünf Stunden entfernt und
liegt auf der Ostseite, d.h. wir bekommen den Wind dann voll auf die Mütze, von
den Wellen gar nicht zu reden. Aber alles ist besser als in dieser Falle zu
sitzen. Ich entscheide, dass wir uns situationsbedingt verhalten, d.h. erst an
der Westküste Zakynthos nach Süden, dann um Ak Keri herum Richtung Osten und
dann schaun ma mal.
Aber erst steht uns noch das Anker-auf-Manöver
bevor, das wird kritisch. Ich bitte die deutschen Segler neben uns, die
Landleinen zu übernehmen, nur zu zweit haben wir keine Chance, da wir den
Moment abwarten müssen bis der Wind das Ausflugsboot vor uns auf die Seite
drückt, damit wir vorbei kommen. Es klappt ganz vorzüglich und in unserer
Freude vergessen wir, dass wir an einem Anker hängen, die Flottille lässt
grüßen, aber Lausi erinnert sich dann doch. Als wir ihn aufholen, hängt eine
fette Kette daran und wir vernichten einen Bootshaken bis wir sie endlich los
sind. Raus aus der Bucht und ab in den Süden. Der Wind pfeift aus Ost, aber die
Wellen sind im Schutz der Insel gut zu nehmen. Aber wie wird das erst werden,
wenn wir am Kap nach Osten drehen?