Samstag, 30. April 2016

Buon Giorno Italia

vor Anker an Walker angedockt
Am 27.04. verheißt der Wetterbericht nichts Gutes. Es ist sehr wechselhaft und morgen Nacht soll der Wind auf Süd drehen, dann wird’s in Katakolon ungemütlich und auch Keri auf Zakynthos, wo die Walker mit SatTV für das Bayernspiel liegt, ist dann nicht zu halten, weil nach Süden offen wie ein Scheunentor. Überhaupt lässt das Wetter zu wünschen übrig. Es regnet gerne und nachts wird es widerwärtig kalt. Nach dem Südwind soll am 29sten der Wind wieder auf Nord drehen, was für die Überfahrt nach Italien äußerst bescheiden wäre bzw. nicht zu machen ist, möchte man nicht die Fische füttern. Das bedeutet im Klartext: Ab nach Keri, Bayern schauen, trauern, drei Stunden schlafen und ab nach Italien. Alles ganz locker, so wird’s gemacht.

blinde Passagiere mitten im Nirgendwo














Die Überfahrt ist so lala, viel motoren, ab und zu die Genua als Unterstützung und am Anfang spinnt der Autopilot, was richtig Übel ist. Gott sei Dank fängt er sich wieder, ich werde ihn im Auge behalten. Abends gibt es LENI-Eintopf und „Brust oder Keule“ mit Louis de Funes. Irgendetwas hat Leander nicht so gemundet und er übergibt den Eintopf der See als Opfergabe. Das wirkt und am zweiten Morgen wird gesegelt, erst mit Genua und Groß, dann sogar mit Spinnaker. Die Walker ist die ganze Zeit mit uns, wir wachen für Kay, den Skipper mit, da er einhand segelt und so auch mal ein Nickerchen machen kann.

Am 29.05. laufen wir, wie geplant, nach 218sm und 40 Stunden Fahrt um 18.30 Uhr in Rocella Ionica ein, die erste größere Überfahrt ist geschafft und wir auch. Obwohl hier mittlerweile für die Marina bezahlt werden muss und das nicht wenig, bleiben wir eine Woche zur Regeneration. Fahrräder sind kostenlos mit dabei und das ist gut, denn der Ort ist gut 3km entfernt. Leider ist Petrus nicht mit uns, denn es regnet häufig und der Wind ist eiskalt. Bella Italia muss also noch warten, aber irgendwann muss es ja warm und sonnig werden.
 

Montag, 25. April 2016

We´re back

Vollgepackt über beide Ohren gehts am 27.03. wieder los. Alles klappt bestens, bis auf die Sicherheitskontrolle, die uns Gertruds, Lausis Ersatzoma und bald auch Leanders, Quark abnimmt. Vielleicht, weil es Magerquark ist. Um Punkt 17.00 Uhr sind wir an Bord, LENI riecht gut und somit bin auch ich gut drauf. Kaum richtig da, ziehts uns sofort auf die Walker, da dort kaltes Bier und Wein auf uns wartet.

 
Es folgen gute drei Wochen mit allen möglichen Reparaturen und Verbesserungen, die mir den letzten Cent aus der Tasche ziehen. Mit dem Geldautomat bin bald per Du, da alle logischerweise Cash wollen. Den Vogel aber schießt Lagoon ab, die mir neue Tankdeckel geliefert haben, da einer beim Tanken seine letzte Ruhe in Kalamata gefunden hat. Sie passen nicht und nur mit Glück finden wir heraus, dass Lagoon bei den beiden Tanks unterschiedliche Tankdeckel verbaut hat. Aber kein Problem, Yannis sagt „don´t worry“, das sagt hier jeder zu mir, obwohl ich die Ruhe selbst bin und dreht mir für Cash ein paar Neue. Übrigens bedeutet „n´taxi“ passt schon, das sagt auch jeder zu mir.

 
Am 19.04. geht’s dann endlich raus, dieselbe Route, die ich letztes Jahr mit Lausi gefahren bin. Über Koroni und Methoni nach Pylos und weiter über Kyparissia nach Katakolon. In Methoni macht mich wieder der Wetterbericht von Windfinder verrückt, der 40kn Wind prophezeit, das ist schon ein Pfund, ich stehe extra zweimal die Nacht auf und sehe nach dem Rechten. Geworden ist es in der Spitze ein Lüftchen von 9 kn. Ich hab den Wetterbericht dann in die Tonne getreten. Anfangs ist uns von der Welle noch leicht übel, aber von Kyparissia nach Katakolon segeln wir 25sm hart, bei teilweise über 20kn, am Wind und entsprechender Welle und sind putzmunter. Es wachsen die Seebeine dann doch wieder ganz schnell, entsprechend sind wir ohne Alkohol im Hafen rumgetorkelt, mit gleicht sich das wieder aus.

Heute liegen wir gerade in Katakolon, mieten ein günstiges Auto, doppelt so teuer wie im Herbst, und besuchen Olympia. Morgen soll es ein schönes Gebläse von NO geben, aber hier liegen wir sicher und gut.
 
Sobald es das Wetter zulässt, wollen wir westwärts nach Zakynthos und dann nach Italien.

Freitag, 27. November 2015

Kalamata, DÖF und die Winterpause

Es regnet gefühlt zwei Tage. Und dann folgen drei unglaubliche Wochen schönstes Badewetter. Aber der Reihe nach: In Kalamata gibt es die DÖF, die deutsch-österreichische Freundschaft. Genau genommen sind es vier Österreicher, wenn man Hund und Katze dazu zählt sechs und rd. zehn Deutsche inkl. Hund, die in Kalamata überwintern. Segler lieben Anlegemanöver, v.a. die der Anderen. Da wir gleich drei hingelegt haben, sind wir sofort bekannt und in kürzester Zeit in die DÖF integriert. Das ist für uns etwas ganz neues, eine echte Gemeinschaft von Langfahrtseglern, die, obwohl sehr heterogen, wirklich zusammen hält. Es ist richtig schön. Leider sind keine Kinder dabei, aber dafür findet Lausi sofort eine Ersatzoma und wenn ich beide beobachte, denke ich: „Da haben sich zwei gefunden“.

Wir holen das kleine Moped raus, erkunden die Stadt, kaufen am Markt ein und lassen es uns gut gehen. Das Eisenbahnmuseum sowie die große Kathedrale bezeugen wieder einmal unseren ausgeprägten Drang nach Kultur. Schön langsam muss ich die LENI für die Winterpause fertig machen, aber trotzdem bleibt immer genügend Zeit sich gegenseitig zu besuchen und Weisheiten von sich zu geben.





Lausi ist oft am Strand, fährt Rad oder Moped durch den Hafen und fängt denselben Fisch, wie Pralle bei der Übergabefahrt, nur etwas größer, während ich sportlich mit den Toilettenschläuchen ringe und mich anderweitigen geistreichen Aufgaben hingebe.

 
 
 
 
 

 
Drei Tage vor unserem Abgang treffen wir uns alle am Strand zum Grillen, wohlgemerkt Mitte November. Na gut, abends braucht man schon ein Jäckchen. Holz holen wir uns aus dem Hafen, da liegt einiges an alten Zeugs rum. Leider vergesse ich, dass ich die 50 schon überschritten habe und auch meine neue Super-Luigi-Hirnlampe und bekomme als Quittung einen Bänderriss im Sprunggelenk. Gott sei Dank werde ich von der DÖF bestens umsorgt, vielen Dank nochmals dafür, und alle kümmern sich rührend um mich. Wenn ich nicht so ein extrem harter Hund wäre (frei nach meinem Orthopäden), hätten mir die lieben Mädels sogar das Boot geputzt. Ich frage mich noch heute, warum ich das abgelehnt habe.
 
Am 15.11. fliegen wir nach München, es wird eine ganz tolle Überraschung für Petra und Leander, die uns erst eine Woche später erwarten und erstere wird eine Woche brauchen, um dies zu verdauen. LENI weiß ich derweil in guten Händen, die Skipper der Tweeny und der Walker werden sie bootsitten.
 
Ich weiß, es wird nun eine harte Zeit für unsere Fans anbrechen, in der dunklen Jahreszeit keine Berichte mehr zu lesen, die den Alltag erhellen, aber wir brauchen dringend Urlaub, denn wie hat schon der Papa gesagt: „Es war scho a Stress“.
 
Ende März/Anfang April, wer weiß das schon ganz genau, heißt es dann frei nach Arnold S.:
 
 „ We´ll be back“

Sonntag, 8. November 2015

Endspurt

Auch mit viel Ankerkette macht es immer wieder Sinn, sich mit Taucherbrille persönlich von der Lage des Ankers zu überzeugen. Siehe da, es gibt hier einige Felsplatten und da wir länger bleiben wollen, bin ich erst nach einem neuen Ankermanöver wirklich zufrieden. Jetzt kann kommen, was will. Obwohl Mitte Oktober, ist das Wasser immer noch warm, auch für mein Befinden. Wir baden viel, Lesen und Faulen. Abends machen wir uns was Feines an Bord oder fahren mit dem Dingi nach Methoni, ganz wie es uns beliebt. Im Restaurant Palia Istoria, das bedeutet „alte Geschichte“ gibt es endlich mal Gerichte abseits der üblichen Tzatziki -Karte. Wir gönnen uns ein Zicklein im Tontopf, Gefühle an Daheim kommen auf.


Methoni ist ein hübsches kleines Städtchen und, ich habs ja gesagt, mit einer Festung, viel größer und bedeutender als das verpasste Fort in Pylos. Dieses venezianische Kastell mit einem gut erhaltenen Rundturm bewachte früher die Schifffahrtsroute um den Peleponnes. Deswegen wird Methoni zusammen mit dem rd. 20 sm östlich gelegenen Koroni „die Augen der Republik“ genannt. Wir besichtigen die Anlage samt der verlassenen Kirche ausgiebig und sind somit nicht nur kulturell sondern auch geistlich wieder im grünen Bereich.
 
Natürlich müssen wir uns auch am Strand erholen und bringen unsere Boule-Kugeln zum Einsatz. Es dauert nicht lange und wir bekommen Münchner Besuch. Sie sind Mitglied bei der „1. Münchner Kugelwurfunion“ und damit offensichtlich boulesüchtig. Gerne überlassen wir Barbara und Guido das Spiel und schieben selbst eine ruhigere Kugel bei Tzatziki und Bier bzw. Sprite. Später gesellen sich die Beiden zu uns, es macht einfach Laune, sich wieder mal mit netten Leuten zu unterhalten, die wirklich dieselbe Sprache sprechen. Sie wohnen in Koroni, unser nächstes Ziel, und wir verbleiben in der Hoffnung, uns dort wiederzusehen.

Unsere Tage in Methoni plätschern dahin, Schule, Baden, Einkaufen und auch meine Haare sind wieder gewachsen. Da ich mich schon so an den Profi-Schnitt aus Kroatien gewöhnt habe, greife ich kurzerhand zum Haarschneidegerät und sehe jetzt wieder schnittig aus.

Am 20.10. lichten wir nach einer Woche Methoni den Anker und gehen direkt nach Koroni, das schon im Messenischen Golf liegt, genau wie unser Winterquartier Kalamata. Gerne hätten wir noch die eine oder andere Bucht auf dem Weg besucht, aber das hat uns der Südwind vermasselt, da alles nach Süden offen ist. In Koroni gibt es zwei Ankermöglichkeiten, einen schönen Sandstrand im Süden und die Hafenbucht im Osten. Letztere haben wir angelaufen, da sie gut geschützt ist. Wir ankern auf 4m Tiefe und hauen wieder 45m Kette raus, das passt. Am nächsten Tag gehen wir im Resulto essen, eine Empfehlung von Barbara und Guido. Und wirklich, nachdem wir beinahe fertig sind, kommen sie eingetrudelt. Es wird ein schöner Abend. Lausi telefoniert mit Barbaras Handy eine gefühlte Stunde mit seiner lieben Mama, da es laut Barbara kostenlos ist; ich hoffe es für sie und sie nach dem Gespräch auch.

Koroni hat, wie gesagt, auch eine Festung, die es natürlich zu besichtigen gilt. Sie liegt auf einem kleinen Kap und man hat einen wunderbaren Blick auf die malerische Stadt und den Sandstrand. Denselben nehmen wir uns als nächstes vor. Ziemliche Brecher donnern an den Strand, es wäre sicher ein Heidenspaß gewesen, sich mit ihnen zu messen, aber da das Wetter sehr gemischt ist, haben wir kein Handtuch, geschweige denn Badeklamotten mit, dafür aber Regenjacken, die wir noch brauchen werden.
 
Wir besuchen Uta und Günter, die wir im Resulto kennengelernt haben und bewundern, was Günter hier in den letzten 30 Jahren geschaffen hat. Er hat hier eine Tauch- und Surfschule betrieben und nebenbei ein kleines Dorf mit ca. 10 kreativen Häuschen selbst erbaut, die im Sommer von Touristen zu mieten sind. Als es dunkel wird machen wir uns bei Regen auf dem Rückweg und erreichen rechtzeitig eine Taverne in Koroni, bevor es richtig zu schütten beginnt. Wir müssen noch mit dem Dingi übersetzen, aber Petrus hat ein Einsehen und stoppt währenddessen die Wasserzufuhr von oben.

Wir wollten eigentlich mindestens eine Woche in Koroni bleiben, aber seit zwei Tagen verspricht der Wetterbericht Sturm aus Nordost. Die Bucht ist nach allen Seiten geschützt bis auf Nordost. Das brauche ich jetzt kurz vor knapp wirklich nicht mehr. Schweren Herzens gehen wir deshalb am 23.10. Anker auf, um den sicheren Hafen von Kalamata aufzusuchen, den wir um 15.00 Uhr erreichen. Am angefragten Steg ist natürlich nichts mehr frei, wir legen erst hier an, dann dort und schließlich wieder hier; ein bisschen konfus die Typen. Aber alle Anlegemanöver klappen wie am Schnürchen, nur die griechischen Marineros schreien aufgeregt am Steg herum. Das Anlegebierchen schmeckt wie immer delikat, aber es muss auf zwei begrenzt werden, wir müssen uns noch sturmsicher machen. Alles was wegfliegen kann wird verräumt und ich lege zwei zusätzliche Springs. Jetzt kann er kommen! Gegen Abend geht’s dann los, erst mit Regen und dann der Sturm. Es bläst aus Nordost, ist aber eher ein laues Lüftchen, das nicht einmal Petras Frisur schaden könnte, geschweige denn unserer LENI. Soviel zum Wetterbericht, das wäre mit Jörg K. nicht passiert.

Samstag, 17. Oktober 2015

Ab in den wilden Westen

Am 06.10. um 11.00 Uhr legen wir ab, es liegen rd. 30sm bis Kyparissia, dem nächsten Unterschlupf, vor uns. Der Himmel ist blau, der Wind kommt mit moderaten 15 – 20kn von achtern. Das schreit nach dem Spinnaker. Cool, wie wir beide nun mal sind, setzen wir ihn völlig unaufgeregt und er steht wie eine eins. Beim Autopilot aktiviere ich die Windfahnensteuerung, d.h. LENI folgt nun nicht mehr einem festen Kurs, sondern dem Windeinfallwinkel. Das entspannt, weil man bei Winddrehern nicht aufpassen muss, dass der Spi in sich zusammenfällt. Um 16.30 Uhr bergen wir das Segel und liegen bereits um 16.50 Uhr längs am Kai von Kyparissia zusammen mit Frankreich und der Schweiz. Der Franzose hilft uns mit den Leinen und ich spreche mit ihm deutsch, da ich ihn für einen, nicht zur EM fahrenden Holländer halte. Das gefällt ihm naturgemäß sehr. Was müssen die auch ihre Flaggen in den gleichen Farben machen. Geistesgegenwärtig krame ich meinen besten Französisch-Wortschatz aus der hintersten Gehirnecke, nun lacht er wieder. Das Schweizer-Paar, Iris und Robin spricht gottseidank deutsch und schon bald verlasse ich meinen Lausi und sitze bei einem Bier auf ihrer Amel Super Maramu, einer Ketsch, die mir schon immer gut gefallen hat. Wir unterhalten uns glänzend und verabreden uns für später auf der LENI. Iris und Robin wollen auch nächstes Jahr nach Westen und so ist bald klar, dass es ein längerer Abend wird, wir fachsimpeln viel, es ist mal wieder schön.


Am nächsten Tag ziehen sie weiter gen Norden und ich ziehe in die Steuerbordtoilette, die in letzter Zeit immer schlechter abzieht. Kein Wunder, so wie es in den Schläuchen aussieht. Ich liebe es. Lausi dagegen liebt seine Schularbeiten, wir machen den ersten Englisch-Test. Da Kyparissia, zumindest im Hafenviertel, wie ausgestorben wirkt, lassen wir uns am Abend von der Pizzeria Mythos (man spricht deutsch) beliefern, Lieferadresse: Der Katamaran im Hafen. Es liegen nur noch zwei Boote im Hafen, ein schwedischer Einrumpfer und wir, trotzdem rauscht der Pizza-Bote an uns vorbei zum Schweden. Ich kann doch noch mit den Fingern pfeifen und so bekommen wir unsere Pizza. Pech gehabt Schweden, wie bei der WM 2006. In Griechenland ist es „in“, auf jede Pizza ein Kilo Käse zu schmeißen, wir schaffen jeder nur eine halbe und werden die nächsten Tage davon zehren. Danach gibt es „Zurück in die Zukunft“, hat Spaß gemacht.

Kurz vor Mittag des 08.10. werfen wir die Leinen los, wir wollen in die rundum geschützte Bucht Navarinou mit dem Städtchen Pylos, um die angesagten 35kn Wind aus SO abzuwettern. Obwohl fast kein Wind weht, empfängt uns eine unangenehme Welle aus W, also genau von der Seite, so dass Lausi bald um ein Schüsselchen bittet. Ich setze ihn ans Steuer, die Schüssel wandert unbenutzt in den Schrank. Kurz vor Ormos Naravinou öffnet sich eine kleine wunderschöne Bucht, die leider nach Westen völlig offen ist. Gerne hätten wir hier noch eine Nacht verbracht bis das Wetter schlechter wird, aber die Einfahrt ist schmal und die Wellen brechen sich. Wir lassen das lieber, die Nerven werden es danken. Um 17.00 Uhr ankern wir im Westen von Navarinou, also gut geschützt vor den kommenden Stark-Winden aus SO auf 3,5m Tiefe ohne Landleine! Wir sind extra nicht in den Hafen, da der Kai sich von NO nach SW erstreckt und der Wind uns somit genau auf die Kaimauer gedrückt hätte. Da sitzt man dann in der Falle und kommt nicht mehr weg. Das Wetter ist schön und das Wasser hat noch über 26°, genau richtig zum nachmittäglichen Bad. Abends gibt’s ein Tiroler Gröstl aus den Restschweinen von Pyrgos, ein wahrer Prachtschmaus.
 

Der nächste Tag beginnt wiederum mit einem Bad, das wir mit einer Besichtigung des Ankers verbinden. Das ist gar nicht so toll. Der Anker hängt im Seegras und ich wundere mich, dass er beim Einfahren mit 2000U/min gehalten hat. Wir ankern um und geben 35m Kette und richtig Gas beim Einfahren. Optimal sieht der Anker beim Tauchgang immer noch nicht aus, da der Boden lehmig und mit Seegras bewachsen ist, aber besserer Ankergrund ist hier nicht zu finden. Darüber hinaus würde uns der SO-Wind weg vom Ufer treiben, also besteht keine unmittelbare Gefahr. Aber noch ist ja alles ruhig, genau richtig für einen Besuch des Städchens Pylos. Pylos ist sehr hübsch mit einem Fort, das ursprünglich von den Venezianern erbaut und von den Türken erweitert wurde. Es gibt einen guten Supermarkt, genügend Eis- und Bierdielen und auch ein Festival, das am Montag beginnen soll. Den Abend verbringen wir auf der LENI und warten auf den Starkwind aus SO. Der kommt auch pünktlich mit bis zu 35kn und mit Spannung erwarte ich, ob der Anker sich nach der Drehung wieder schön eingräbt und hält. Er hält, ich schlafe aber trotzdem sehr unruhig, so dass ich am nächsten Tag so schlapp bin, wie es sich für einen 50jährigen gehört.
 
Wir schreiben den 10. Oktober und Lausi schenkt mir ein selbstgemaltes, wirklich sehr schönes Bild von unserer LENI, das jetzt in unserem Schlafzimmer hängt. Als weitere Geschenke gibt es Schauer, Gewitter und Wind, aber auch vom Markt am Rosenkavalierplatz US-Rib-Eye und von Moni und Franz Chateau Beychevelle 1985, zusammen ein harmonisches Gedicht. Als Abrundung gönnen wir uns „Sie nannten ihn Mücke“, dann heiß es genug gefeiert und um 23.00 Uhr ins Bett. Halt, ein verspätetes Geschenk gibts dann doch noch: Um 03.00 Uhr in der Früh schreit der Ankeralarm. Der Wind ist auf 27kn abgeflaut und kommt immer noch aus SO, trotzdem slippen wir nach NW. Komisch, aber ich schau mir das mal in Ruhe an. Nach rd. 90m greift er wieder, ich stelle den Alarm neu ein und lege mich wieder hin. Ich brauche meinen Schlaf, ich bin ja nicht mehr der Jüngste. Um 04.00 Uhr wieder dasselbe, diesmal braucht es rd. 150m bis wieder Ruhe ist. Die ist dann aber auch und ich habe bis 10.00 Uhr schlafen können. Natürlich bin ich am nächsten Tag wieder schlapp, das kann die nächsten Jahre ja heiter werden.

Der Wind hat mittlerweile auf NW gedreht, es wird schwellig in der Bucht, genau die richtige Zeit, um in den Hafen zu gehen. Der sollte eigentlich eine Marina werden, aber seit über 15 Jahren hat sich nichts mehr getan und er wird nun von einheimischen Booten und Rostkähnen bis auf wenige Besucherplätze belegt. Es ist kein Platz mehr frei, so dass wir an einem der Rostkähne längsseits gehen müssen. Das klappt wie am Schnürchen, wir liegen gut, bis am Nachmittag der Besitzer kommt, der seinen Dieselgenerator anschmeißt und uns die Abgase um die Nasen wehen. Wir wollen eh Pylos erkunden, schauen, was es mit dem Festival auf sich hat und verziehen uns. Leider weiß keiner der Hiesigen, was das Festival eigentlich sein soll und es stellt sich heraus, dass es vom Tourismusverband organisiert wird und sämtliche Touristen aus der Umgebung herangekarrt werden. Es gibt eine Light-Show und ein Club-Zelt und irgendwie ist das Ganze ziemlich fehl am Platz. Für morgen haben wir uns fest vorgenommen, das Fort zu besichtigen. Es liegt auf einem kleinen Hügel und man kommt sofort ins Schwitzen, da es tagsüber immer noch an die 30° hat. Die Festung wird von einer Mauer umschlossen, am Eingangstor steht: Montags geschlossen. Nix wars mit Kultur, dafür gabs Tzatziki und gegrillten Oktopus mit Sprite und Wein. Nun gut, in dieser Gegend gibt es fast so viele antike Festungen wie Sand am Meer. Die nächste packen wir. Als wir zurückkommen rummelt der Diesel, unser Nachbar fängt wirklich an sein Boot zu streichen. Das Teil ist völlig verrostet, ich hab gedacht, das geht nie mehr raus, aber kurz die losen Rostteile weggeschliffen, Farbe drauf und die griechische Sanierung ist fertig. Fragt sich nur für wie lange. Er erklärt mir sehr freundlich, dass morgen früh unsere Seite dran ist und er uns nicht dreckig machen möchte. Das möchte ich auch nicht und handle ihn auf die Ablegezeit 10.00 Uhr hoch. Passt uns eh gut. Abends gehen wir wieder in das nette Restaurant vom Nachmittag und bestellen uns ein Fischlein, genauer gesagt eine Dorade. Auf meine Frage, ob man hier rauchen dürfe, das Nichtraucherzeichen hängt über meinem Kopf, ernte ich einen verständnislosen Blick, natürlich darf man. Der nächste verständnislose Blick kommt von Lausi, wie kann man nur, es ist doch das Verbotszeichen da. Ich erkläre ihm, dass in Griechenland die Uhren anders ticken und das kein Verbot ist, sondern ein unverbindlicher Vorschlag, genau wie die Helmpflicht. Jeder fährt hier ohne Helm, so dass man mit Helm sicherlich sofort von der Polizei aufgehalten würde, weil man sich verdächtig macht.

Am nächsten Morgen stehe ich pünktlich an Deck, aber mein freundlicher Nachbar bremst mich, ich solle doch erst drei Tassen Kaffee trinken. Unsere Backbordseite ist aber schon von seinen Rostpartikeln übersät, wir legen um 10.30 Uhr ab. Gut, dass ein schöner NW-Wind weht, gleich liegt der Rost im Meer. Da ich mittlerweile ein älterer seriöser Herr bin, gehen wir gleich ins erste Reff und haben gut daran getan, außerhalb der Bucht bläst es mit über 20kn. Das passt uns gut, wir kreuzen zwei Stunden vor dem Wind nach Methoni an der Südspitze des ersten Fingers des Peleponnes.
 
 
Um 12.50 Uhr fällt der Anker auf 3m Tiefe und diesmal hauen wir fast 50m Kette raus, was soll der Geiz.

Dienstag, 6. Oktober 2015

Wenn Engel reisen

Zwei Stunden motoren wir die Westküste von Zakynthos entlang nach Süden. Der Wind bläst stetig aus Ost, aber beim Gedanken an die Verhältnisse am Kap, fehlt mir jegliche Lust zum Segelsetzen. Wenigstens ist das Wetter herrlich und wir hoffen auf das Beste. Beim Runden des Kaps legt sich der Wind und schläft fast ein, ein untrügerisches Zeichen für einen Winddreher. Und wirklich, kurz danach dreht er auf Nord und frischt auf über 20kn auf. Damit ist Zakynthos-Stadt gestorben, da es natürlich im Norden liegt. Aber Katakolon, auf dem Festland des Peloponnes, liegt im Osten und dafür passt der Wind wie gemacht. Wir gehen ins erste Reff und ziehen mit über 7kn und angenehmer Welle dem neuen Ziel entgegen. Leider wird der Wind im letzten Drittel der Strecke schwächer und irgendwann ist er ganz weg, so dass wir die letzten Meilen motoren müssen. Katakolon hat einen rundum geschützten Hafen, genau das richtige, um meine landleinen-geschädigte Seele zu hegen und zu pflegen. Um 19.30 Uhr legen wir routiniert im Hafen an, geschafft, mir fällt ein Stein vom Herzen. Das Anlegebier mundet besser, als es ein August auf der Wiesn je könnte.

Katakolon ist ein kleines Nest mit rd. 600 Einwohnern und einem riesigen Hafen. Das hat einen Grund. Es ist nur rd. 30km vom antiken Olympia entfernt und jedes Kreuzfahrtschiff, das etwas auf sich hält, legt hier an. An manchen Tagen kommen bis zu fünf dieser Ozeanriesen und überschwemmen mit über 10.000 Leuten den Ort und natürlich auch Olympia. An diesen Tagen steppt hier der Bär, ansonsten ist es maustot. Alle möglichen Geschäfte leben nur von den Kreuzfahrttouristen, wobei die Verkäuferinnen eine Freundlichkeit und Unaufdringlichkeit ausstrahlen, die bewundernswert ist.

Als Kulturversessene müssen wir natürlich auch nach Olympia, wenn auch in der Ruhe die Kraft liegt, d.h. wir faulen hier erstmal zwei Tage rum und warten auf einen Tag ohne Kreuzfahrtschiff, Olympia wird es uns danken. Zumal wir auch einen Transfer organisieren müssen, da um diese Jahreszeit weder Bahn noch Bus nach Olympia fahren. Bleibt noch Taxi, ich kenne diesen Schlag aus meiner Familie, oder Mietwagen, für den wir uns entscheiden. Am 04.10. sind wir seelisch bereit, die lange Reise in Angriff zu nehmen. Kurz nach Mittag sind wir in Olympia und siehe da, nicht einmal ein Reisebus. Es war sehr erhebend in Ruhe diese historische Stätte zu besuchen und die braucht man auch, da nicht mehr viel steht und man die Atmosphäre auf sich wirken lassen muss.

Olympia war in der Antike ein Heiligtum und entstand im 11. Jahrhundert v. Chr. Die ersten regelmäßigen Spiele wurden nachweislich Anfang des 7. Jahrhundert v. Chr. ausgetragen. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurden die Bauten weitgehend abgeschlossen. Bedeutsam ist v.a. der Zeustempel, der eine 12m hohe Zeusstatue aus Elfenbein und Gold beherbergte, die zu den sieben Weltwundern der Antike zählte.
 

 
Am meisten hat uns aber das Stadion, obwohl nicht sonderlich imposant, beindruckt, in dem über 45.000 Zuschauer auf den umliegenden Graswällen Platz fanden. Wir haben uns auf die Zuschauerränge gesetzt und die Umgebung auf uns wirken lassen, ein tolles Erlebnis. Beide bewundern wir logischerweise noch besonders die rd. 10m hohe Statue der Nike, deren dreiseitiger Pfeiler etwa 30m südöstlich des Zeustempels steht. Die Statue selbst ist im naheliegenden Archäologischen Museum zu besichtigen, Nike scheint förmlich zu schweben.
 

Selbstverständlich hat uns dieser anstrengende Landaufenthalt ziemlich geschafft, so dass wir eine Stärkung in einem der zahlreichen Cafes des neuen Olympias nötig haben. Trotzdem schaffen wir es auf dem Heimweg noch die Stadt Pyrgos zu besichtigen, um dort in einer typischen Taverne am Spieß gegrilltes Schwein zu geniessen. Sofort sind wir von jugendlichen Kätzchen und ihrer Mama umringt, die Lausis halbe Portion wie Löwen verschlingen. Eine sieht aus wie Groucho Marx und nachdem sie Lausi aus unersättlicher Gier ein bisschen gekratzt hat, wird sie Josef Stalin immer ähnlicher.
Obwohl es sehr fett war, untersage ich mir eine flüssige Medizin, ich muss ja noch auf der Schlaglochpiste retour, aber Lausi und die Kätzchen bekommen ja auch keine. Um kurz vor neun sind wir zurück, trinken noch ein Schlückchen und skypen mit Petra und Oma.

Am nächsten Tag machen „wir“ noch ein bisschen Schule, verproviantieren und ruhen uns von den Strapazen aus.
 
Heute wollen wir mittags, wenn uns die Winde hold sind, weiter nach Süden ziehen. Leider steht mir das nächste Ungemach an, da meine wunderschöne Frau, wie macht sie das nur, Geburtstag hat und ich sie nicht liebkosen kann, wie ihr das gebührt. Mir wird's ganz eng ums Herz. Ich hab' so Zeitlang nach Dir, Du fehlst mir so sehr.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Sag niemals nie

Das Wetter war schön und zwei Flottillen haben uns den Abschied von Fiskardo erleichtert. Man muss sich das so vorstellen: Alles fängt mit dem Führungsboot ganz harmlos an. Es springen einige Gestalten heraus und versetzen die ganze Umgebung in helle Aufregung. Plätze für den Rest der Flottille werden gesucht, auf dem Steg wird herumgeschrien und –gefunkt und dann kommen die Schäfchen, meist so um die 10 Boote. Keiner weiß, was zu tun ist und so werden Anker wild vor den Steg geschmissen und sich dann kreuz und quer zwischen und vor die anderen Boote gelegt. Manche wissen auch nicht, dass sie einen Anker haben, Die Gestalten des Führungsboots versuchen derweilen mithilfe ihrer Schlauchboote größere Schäden abzuwenden. Danach werden Restaurants besetzt und den Schäfchen lautstark die weitere Planung erläutert. Wenigstens weiß man so, wo sie als nächstes hinfahren.

Also sind wir am 24.09. am Nachmittag raus, um eine gute Stunde später in der einsamen Bucht Kalo Limani den Anker auch so wild zu schmeissen, dass Lausi die Ankerbefestigung ins Meer gefallen ist. Wie durch ein Wunder finden wir sie wieder und ich weiß jetzt, das ich 12m tief apnoe-tauchen kann, dem Kurs auf Antipaxos sei Dank. Am nächsten Tag hat es uns eingeregnet, so dass Lausi sich schulisch auf den neusten Stand gebracht hat. Am Abend schauen wir Balduin der Trockenschwimmer mit Louis de Funes, es geht um ein Segelboot. Morgens hat sich das Wetter gebessert und wir sind weiter nach Poros unter Segel. Ich muss die ganze Zeit von Hand steuern, da der Wind ständig dreht und von 0 bis 20kn alles drin ist. Poros ist der erste Hafen, der nicht überfüllt ist. Es ist zwar nicht besonders malerisch, da auf Kefalonia fast alles von einem Erdbeben in den 50er Jahren zerstört wurde, aber dafür gibt es hier einen französischen Griechen mit einer wunderbar geschmorrten Lammhaxe. Wir bleiben zwei Tage mit Haxen satt.

Am Mittag des 28.09. nehmen wir Kurs auf unsere Bucht: Ormos Nikolaos auf Zakynthos.
 
 
Der Himmel ist fast wolkenlos und es ist so viel Platz, dass wir sogar längsseits an die Pier gehen können. So gehört sich das. Wir bleiben gerne länger, es gibt hier blaue Grotten, die einen Vergleich mit Capri nicht zu scheuen brauchen sollen und auch sonst ist alles griechisch unaufgeregt, zumindest, wenn die Ausflugsboote verschwunden sind.
Leider dreht am 30.09. der Wind auf NO und soll in der Nacht kräftig auffrischen. Nikolaos ist nach NO völlig offen und der Liegeplatz damit nicht zu halten. Wohin? Als Alternative gibt es nur Zakynthos-Stadt im Osten der Insel oder Port Vromi im Westen, wobei man sich von dem Wort Port nicht täuschen lassen sollte, es ist lediglich ein Ankerplatz. Da wir unbedingt die berühmt, berüchtigte „Wreck Bay“ im Westen der Insel besuchen wollen, das klassische Postkartenmotiv von Zakynthos, fällt meine Wahl, auch nach Gedankenaustausch mit Captain Dimitris, auf Vromi.
 
Dimitris besitzt hier eine Taverne und ein Ausflugsboot und alle auf Vromi sind beste Freunde, die mir eine Mooringboje geben werden. Zur Sicherheit gibt er mir seine Telefonnummer, ich kann ihn immer anrufen, wenn ich Hilfe brauche. Also ab zur „Wreck Bay“. Die aufkommende Brise verursacht Wellen, so dass wir es unterlassen bei den blauen Grotten zu ankern und sie uns von der LENI aus anschauen. Auf der Westseite von Zakynthos steht der alte Schwell aus NW, aber der ist mit uns und so weiter kein Problem. Als wir an der „Wreck Bay“ ankommen, können wir es gar nicht glauben. Wir sind allein, ganz allein. Na gut es stehen ziemliche Wellen in der Bucht und außer uns ist offensichtlich keiner so dreist hier zu ankern. Denkste, in den nächsten fünf Minuten kommen zwei Charterschiffe und drei Ausflugsboote.

Die Bucht ist ein absoluter Traum, links und rechts hohe Felsen und in der Mitte ein Sandstrand, drapiert mit dem Wrack eines Frachters. Da das Meer sehr aufgewühlt ist und die Karte hier nichts hergibt, ankern wir nicht zu nahe am Strand und schwimmen mit Flossen hinüber. Das war auch gut so, da die Wellen einen enormen Druck und auch Sog entwickelt haben. Wir sind über eine Stunde am Strand, haben das Wrack in Augenschein genommen und unsere Kräfte mit den Brechern gemessen, eine echte Gaudi, wie in alten Zeiten.
 
 
Gerne hätten wir die Nacht hier verbracht, aber die Verhältnisse lassen dies nicht zu. Vromi ist nur eine Stunde entfernt und um 18.00 Uhr sind wir in die gut geschützte Bucht eingelaufen. Dann der Schock: Frei Ankern ist nicht möglich, da es von Ausflugsbooten und kleinen Kuttern nur so wimmelt. Kaum zu glauben, da es hier keine Häuser gibt. Alle Mooringbojen sind besetzt und von den Leuten kennt keiner Dimitris. Was jetzt, der nächste sichere Platz ist mindestens fünf Stunden entfernt. In meiner Not rufe ich Dimitris an, ernte aber nur eine weibliche griechische Ansage, die mich nicht heiterer stimmt. Nachdem wir eine gefühlte Stunde auf der Suche nach einem Platz durch die Bucht gekurvt sind, spreche ich deutsche Segler an, die mir ihre Hilfe beim Legen der, bei unbeständigen Wetter verhassten, Landleinen anbieten. Wir müssen uns neben einen australisch-französischen Segler, quer hinter ein Ausflugsboot quetschen, so dass uns nur etwa fünf Meter zum Fels hinter uns bleibt. Mir sträuben sich alle verbliebenen Haare. Unsere Nachbarn sind auch sehr nett und helfen uns beim Ausbringen von zwei weiteren Landleinen, da hier in der Nacht gefährliche Fallböen niedergehen. Fazit: Rechts neben uns die Aussiefranzosen, schräg vor uns das Ausflugsboot und hinter uns der der Fels, eine echte Falle. Ich habe kein Auge zugetan.

Alles ist gut gegangen. In der Nacht sind heftige Fallböen von beiden Seiten gekommen und wir hatten engen Kuschelkontakt zu unseren Nachbarn, aber der Anker hat gehalten. Am nächsten Morgen hat sich nichts geändert, die Böen kommen unverändert stark und treiben uns von einer Seite auf die andere, während der Ausflugsdampfer knapp einen Meter vor uns hin und her tänzelt. Nach einem Blick in die Wettervorhersage, es soll die nächsten Tage munter weiter aus Nordost blasen, steht fest: Wir müssen hier raus, noch zwei weitere Nächte und ich kann mich in Bad Wiessee zur Schlafkur einweisen lassen, ein verlockender Gedanke. Das gestrige Problem hat sich aber leider noch verstärkt, Zakynthos-Stadt ist fünf Stunden entfernt und liegt auf der Ostseite, d.h. wir bekommen den Wind dann voll auf die Mütze, von den Wellen gar nicht zu reden. Aber alles ist besser als in dieser Falle zu sitzen. Ich entscheide, dass wir uns situationsbedingt verhalten, d.h. erst an der Westküste Zakynthos nach Süden, dann um Ak Keri herum Richtung Osten und dann schaun ma mal.

Aber erst steht uns noch das Anker-auf-Manöver bevor, das wird kritisch. Ich bitte die deutschen Segler neben uns, die Landleinen zu übernehmen, nur zu zweit haben wir keine Chance, da wir den Moment abwarten müssen bis der Wind das Ausflugsboot vor uns auf die Seite drückt, damit wir vorbei kommen. Es klappt ganz vorzüglich und in unserer Freude vergessen wir, dass wir an einem Anker hängen, die Flottille lässt grüßen, aber Lausi erinnert sich dann doch. Als wir ihn aufholen, hängt eine fette Kette daran und wir vernichten einen Bootshaken bis wir sie endlich los sind. Raus aus der Bucht und ab in den Süden. Der Wind pfeift aus Ost, aber die Wellen sind im Schutz der Insel gut zu nehmen. Aber wie wird das erst werden, wenn wir am Kap nach Osten drehen?